Forum 355: Streitkultur oder virtuelle Seifenblase?

von | 12.10.2015

In seinem Editorial zur Flüchtlingssituation plädiert Serge Kollwelter für Solidarität; die gegenwärtige Lage sieht der integre Linke als Herausforderung für Luxemburg, gerade in der Zeit seiner EU-Ratspräsidentschaft. Es brauche einen langen Atem. Diesen benötigt auch, wer das vier Seiten lange Interview mit Erny Gillen, dem ehemaligen Generalvikar der katholischen Kirche, liest. Doch die Lektüre lohnt, zumal Gillen klug argumentiert und sich selbstkritisch und offen zu sozialen Fragen und Problemen der Kirchenreform äußert. „Man würde einer Lösung des Klimaproblems näher kommen, wenn wir unsere Lebensstile ändern würden“ sagt Gillen und bringt den Vorschlag des „Autofastens“ ins Spiel. Beim „Change Management“ der katholischen Kirche plädiert er für eine weitere Entkopplung von Bistum, LW und CSV auf nationaler Ebene und sieht in der Trennung von Vatikanstaat und Kirche eine Möglichkeit, das „schizophrene Machtgefüge“ aufzubrechen. In ihrer Einführung ins Dossier beklagt Kim Nommesch das Fehlen einer Luxemburger Streitkultur. In der Tatsache, dass sich die Politik bis wenige Wochen vor dem Referendum weitgehend aus der Debatte herausgehalten hat, sieht sie ein unverantwortliches Verhalten und plädiert nicht zuletzt dafür, die durch den Ausgang des Referendums entstandene Kluft als Chance zu begreifen. Die Öffentlichkeit in Luxemburg erwache langsam aus einem Dornröschenschlaf, meint hingegen Michel Thiel, der in seinem Beitrag die Wirkung „sozialer Netzwerke“ auf Politik und Gesellschaft untersucht. Durch die eigenen Einstellungen am Profil erstellten die NutzerInnen ihren eigenen Filter. So erweist sich Facebook nicht nur darin als tückisch, dass sich in diesem Medium politisch fragwürdige Debatten entwickeln, sondern auch, insofern die Nutzer sich hier in ihrer eigenen Welt wähnen können.

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