COP25: Handeln oder Verhandeln?

von | 12.12.2019

Die Umweltministerin ist optimistisch, die Klimaaktivisten sind es weniger. Und auch das Ambiente lässt am Ausgang der Verhandlungen zweifeln.

Auch wenn es die Pazifikinseln bald nicht mehr gibt, verhandelt wird weiter! (Foto: Chrëscht Beneké)

Wie ihr Kollege Pierre Gramegna (online-woxx: „Hektik, Fallstricke und Opportunities“) glaubt auch Umweltministerin Carole Dieschbourg an die Wirksamkeit des pragmatischen, finanziellen Hebels: „Die Technologie ist da. Der Wille im Finanzbereich ist da, wenn die Politik ganz klare Signale setzt. Signale, dass wir bis spätestens 2050 klimaneutral werden, dass wir unsere Ambitionen ständig steigern werden – das, wasdie jungen Leute verlangen.“ Mit den alarmierenden Zahlen aus der Klimawissenschaft und weiterhin ansteigenden CO2-Emissionen in der Hand, teilen nicht viele Aktivisten den Optimismus der Delegationen.

Mit gewohnt deutlichen Worten befand die mit Spannung und viel Medienrummel erwartete Greta Thunberg, dass die Lage noch immer katastrophal sei. Sie forderte, dass dieser Gipfel endlich umfassende Lösungen biete. Und warf den Politikern und dem Gipfel vor: „Länder versuchen, Schlupflöcher auszuhandeln oder ihre Verantwortung nicht anzunehmen.“ Politiker und Konzernchefs würde nicht führen, sondern irreführen. Außer cleverer Buchhaltung und kreativer PR würde fast nichts getan. Während einige indigene chilenische Aktivisten beim etwas trostlosen parallelen Sozialforum darauf hinweisen, wie sich Chile mit der kurzfristigen Verlegung nach Spanien vermeidet, dass die Menschenrechtsverstöße und die Umweltsünden in ihrer Heimat der Weltöffentlichkeit bekanntwerden (online-woxx: „Défis pour la société civile“), konzentrieren sich viele Aktivisten darauf, mit Demonstrationen oder direkt auf dem Gipfel Einfluss zu nehmen.

Klimaschutzspots gegen die Katastrophe

„Indien stellt mit seiner verheerenden Klimapolitik hier für zwei Millionen Euro einen Stand hin, Google, Ikea, Microsoft und viele Banken machen Werbung, Burger King verkauft Essen“, regt sich der luxemburgische Extinction-Rebellion-Aktivist Stéphane P. Colles auf. Es werde mehr verhandelt als gehandelt: „Seit 25 Jahren wird hier versucht, Politik zu machen. Wir probieren, uns mit 200 Ländern irgendwie abzusprechen, damit wir eine gemeinsame Basis finden und jeder was tut. 2015 war eine der bisher fundamentalsten COPs und heute hält sich noch immer niemand daran, was damals in Paris unterschrieben wurde.“

Auch wer dann nach Mitternacht müde aus dem Pressezentrum durch nahezu menschenleere Ausstellungshallen schleicht, kann die Hoffnung auf den großen Wurf und Umschwung nur schwerlich teilen. Denn wie soll das Große gelingen, wenn es selbst auf der COP am Kleinen hapert? Hier, wo die Mülltrennung nur begrenzt funktioniert und die ganze Nacht hindurch riesige Flachbildschirme aufwendige Klimaschutzspots ins Leere strahlen.

 

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