Abwesenheit und ihre Reichtümer gemeinsam erfahren

von | 14.01.2020

Die Ausstellung „By the edges of our absence“ thematisiert die Abwesenheit. Eine interdisziplinäre Performance läutet ihre zweite Phase ein. Im Mittelpunkt: leere Ausstellungsräume.

© Mike Zenari / Casino Luxembourg

Welches Potential steckt in der Abwesenheit? Was lässt sich aus ihr erschaffen? Dieser Frage geht die Performance zur Ausstellung „By the edges of our absence“ im Casino Luxembourg – Forum d’art contemporain nach. Dazu begegnen Judith Deschamps und Alasdair Asmussen Doyle, Künstler*innen der Ausstellung, zwei Menschen, die sich in ihrem Berufsalltag mit der Vermittlung von Inhalten und Eindrücken beschäftigen: Lynn Bidaine von der Hörgeschädigtenberatung und Alain Brever von der Blindenvereinigung „BBF – Berodung, Betreiung a Fräizäit“.

Die Werke „Ravissements“ und „100ft of sea“, die seit Mitte Dezember 2019 in „By the edges of our absence“ zu hören und zu sehen sind, werden an dem Abend verschwunden sein. Die Performance läutet damit die zweite Phase der Ausstellung ein: Am Freitag wird nämlich der nächste Teil der Ausstellung, der zwei neue Arbeiten der Künstler*innen zum Thema Abwesenheit und Veränderung zeigt, aufgerichtet. In der Form kann die Ausstellung dann noch bis zum 16. Februar besucht werden.

Das Publikum erhält am Donnerstag, dem 16. Januar, eine Führung durch leere Ausstellungsräume. Die Performance besteht im gemeinsamen Erlebnis der Leere und darin, darüber nachzudenken, wie man sie veranschaulicht, be- und umschreibt oder zu fassen versucht. Das Gespräch über konzeptuelle Leere und den Umgang mit der Abwesenheit bestimmter Sinne bietet dabei einen von vielen möglichen Ausgangspunkten. Wie lässt sich der doppelte Sinn eines Werkes in Gebärdensprache ausdrücken? Wie eine visuelle Kunstinstallation für Sehbehinderte und Blinde beschreiben? Wie ein Kunstwerk, einen Menschen, wie Erlebnisse, Gefühle über die man spricht, die aber nicht (mehr) sinnlich erfahrbar sind? Diese und ähnliche Fragen werden während der Performance gestellt. Grundsätzlich soll sich die Diskussion zwischen den Teilnehmer*innen frei entwickeln. Das Publikum und die Perfomer*innen sollen sich über Abwesenheit im künstlerischen und im alltäglichen Kontext austauschen – und aus diesen Inputs im Idealfall Neues erschaffen. „Das wird ein experimentelles Moment“, sagt Stilbé Schroeder, Kuratorin der Ausstellung, im Gespräch mit der woxx. „Wir wollen erfahrbar machen, wie die vermeintliche Leere gefüllt werden kann – und wie aus ihr neue Erfahrungen entstehen, die für manche Menschen ungewöhnlich sind.“

Die Performance kann neben dem Dialog und dem künstlerischen Mehrwert jedoch auch Möglichkeiten aufzeigen, wie Ausstellungshäuser beispielsweise für sehbehinderte, blinde, gehörgeschädigte oder gehörlose Menschen zugänglicher gemacht werden können. In Institutionen wie dem FRAC Lorraine in Metz fließe dies bereits in die Ausstellungskonzeption mit ein, so Schroeder. Für das Casino ebene die Performance den Weg, pro-aktiv über Herangehensweisen nachzudenken, die die besagte Zielgruppe ansprechen. Die Teilnahme sehgeschädigter, blinder, gehörloser und gehörgeschädigter Menschen an der Performance ist ausdrücklich erwünscht. Mit Bidaine und Brever stehen ihnen Ansprechpartner*innen zur Verfügung, die die Inhalte gegebenenfalls übersetzen können.

Die Performance beginnt um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. Ein Interview mit den Künstler*innen gibt es hier. Am Freitag erscheint in der Print-Ausgabe der woxx eine Rezension über „By the edges of our absence“, die sich vor allem auf das Konzept konzentrieren wird.

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