China gegen Amerika – wie auf Erden so im Himmel

Auf dem Mars landen klingt friedlich, auch wenn der Planet nach einem Kriegsgott benannt ist. Doch beim Wettkampf im All zwischen USA und China geht es um mehr als nur um Weltraumforschung.

Landestellen der Marsmissionen (Zhurong ist Teil der Tianwen-1-Mission).
(Wikimedia; Kaynouky; CC BY-SA 4.0)

Die Prozedur einleiten und viele Minuten warten – die großen Distanzen machen jede ferngesteuerte Kurskorrektur unmöglich. Dann: das erste Funksignal aus Utopia. Am 14. Mai um 23.18 Uhr (Universalzeit) landete der Rover Zhurong auf der Utopia-Planitia-Ebene in der südlichen Hemisphäre des Planeten Mars. Die schwierige Landung, nach einem Flug von zehn Monaten, erfolgte nur drei Monate nachdem der amerikanische Perseverance-Rover gelandet war.

Zhurong und Perseverance

Anders als die Nasa-Mission wird die chinesische von der Weltöffentlichkeit weitgehend ignoriert – sie wird auch keine Gesteinsproben einsammeln oder einen Helikopter fliegen lassen. Trotzdem kann der Rover mit Hilfe einer Multispektralkamera und eines Laser-Spektroskops die Zusammensetzung der Marsoberfläche untersuchen. Vor allem aber ist diese Mission ein Booster für den Nationalstolz: China ist das dritte Land, das eine sanfte Landung auf dem Mars zustande gebracht hat; einen Rover fahren zu lassen haben bisher sogar nur die USA fertiggebracht.

Und es soll nicht dabei bleiben. In den kommenden Jahren will China sowohl einen Kometen im Asteroidengürtel als auch den Jupitermond Kallisto erkunden, erfuhr man Mitte April auf einer vom Luxemburger Konfuzius-Institut organisierten Videokonferenz des französischen Forschers Michel Blanc. Nach und nach sollen zu den Roboter-Missionen auch solche mit Crew kommen. Bei der Space Resources Week ein paar Tage später (woxx 1630: Au-dessus des lois ?) war China dann aber wieder weitgehend „hinter dem Horizont“ verschwunden. Vielleicht, weil das Modell einer von Regierungen und Instituten kontrollierten Raumfahrt nicht zur im Westen anstehenden, als „New Space“ bezeichneten, Privatisierung passt. Vielleicht aber auch, weil es sich um ein „hochpolitisches“ Thema handelt, über das die Businessleute lieber schweigen.

Friedliche Nutzung des Weltalls für alle – wirklich?

Bei der SRW drehte sich vieles um das von den USA lancierte Artemis-Programm, das technologische Fortschritte bei der Nutzbarmachung der „Space Resources“ verspricht. Außerdem kann dieses als Public-Private Partnership angelegte Programm eine Gelddruckmaschine für die selektionierten Firmen werden, ganz gleich ob sie dem Artemis-Staatenbündnis nun Raketen, Rover oder Mondwasser verkaufen. Und – das macht das Thema so sensibel – von diesem Projekt ist China explizit ausgeschlossen. Das ist nicht neu: Während alle möglichen Nationen Astronaut*innen zur „Internationalen Raumstation“ schicken konnten, wurden die Taikonaut*innen von den USA zu personae non gratae erklärt. Kein Wunder, dass China mittlerweile, gemeinsam mit Russland, den Bau einer neuen, eigenen Basis in Erdumlaufbahn in Angriff genommen hat.

Dass sich dieser Ausschluss kurzfristig ändert, ist unwahrscheinlich. Die wirtschaftliche und akademische „Entkopplung“ zwischen der westlichen Welt und China wird mittlerweile nicht nur von Pentagon-Falk*innen sondern auch von wohlmeinenden Menschenrechtler*innen gefordert – in der Raumfahrt ist sie bereits umgesetzt. Weil aber die USA – mit Unterstützung Luxemburgs – gerade dabei sind, die Regeln für die „friedliche Nutzung“ des Weltalls neuzuschreiben, dürfte die bisher geltende Nicht-Zusammenarbeit zu einem feindseligen Nebeneinander bei der Erkundung und Besetzung des Weltraums führen.

Wenn die Fetzen fliegen …

Dabei geht es dem Westen natürlich nicht nur darum, Peking zu ärgern, indem er mehr Astronaut*innen auf Mond und Mars schießt als die Gegenseite. Handfeste militärische Interessen sind im Spiel, denn Raketen- und Satellitentechnologie haben niemals nur friedlichen Zwecken gedient. Die Geschichte der Raumfahrt ist geprägt vom historischen Rüstungswettlauf zwischen USA und Sowjetunion, China hat dann seinerseits versucht, den technologischen Rückstand aufzuholen und dabei Versuche ignoriert, den Weltraum ernsthaft zu entmilitarisieren.

Ob es wirklich einmal zu Mondgefechten zwischen Rotgardist*innen und Space Marines kommt, ist zweifelhaft. Doch auch ohne offene Konfrontation werden ungelöste Fragen wie der Satellitenmüll und das Zugangsrecht zu Umlaufbahnen nicht folgenlos bleiben: Sie könne zu einem „orbitalen Verkehrschaos“ oder gar zu „Handgreiflichkeiten“ zwischen orbitalen Robotern führen. Kollisionen aber, oder gar die Zerstörung feindlicher Satelliten, würde Unmengen von orbitalen „Überresten“ generieren – mit gravierenden Konsequenzen für eine künftige, friedliche und kooperative Nutzung des Weltraums.

Mehr zur Entkopplung zwischen China und dem Westen:
woxx 1634: Ende der Freundschaft
online-woxx: China schafft’s allein, aber …

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