Déi Gréng: Kein grüner Tsunami

Der Traum vom zweiten Sitz im Europa- parlament hat sich für déi Gréng nicht erfüllt. Dennoch fuhr die Partei ihr bisher bestes nationales Ergebnis ein.

Neben dem Klimaschutz war der Kampf gegen Plastik ein wichtiges Wahlkampf-thema der Grünen. (Foto: Déi Gréng)

Klimademonstrationen von Jugendlichen, erschreckende Berichte zum Artensterben und vielleicht auch eine überzeugende Regierungsarbeit – Gründe, um eine grüne Welle bei den EU-Wahlen zu erwarten, gab es einige. Da ohne Umfragewerte in Luxemburg lediglich der Blick in die Prognosen-Glaskugel übrig blieb, rechneten manche angesichts der politischen Stimmung damit, dass Déi Gréng sich den wackeligen dritten Sitz der CSV schnappen würden. Dazu sollte es nicht kommen, aber die Partei legte 3,9 Prozentpunkte zu und erzielte mit 18,91 Prozent ihr bisher bestes nationales Ergebnis.

Europaweit ist es sogar das zweitbeste Ergebnis einer grünen Partei, lediglich in Deutschland schnitten die Grünen mit 21,5 Prozent noch besser ab als ihre luxemburgischen Kolleg*innen. Gute Resultate konnten Mitglieder der grünen Fraktion im Europaparlament auch im Vereinigten Königreich, in Finnland und in Belgien erzielen. Durch die geschwächten Volksparteien und die daraus entstandene Notwendigkeit, einen möglichst großen Konsens unter den pro-europäischen Fraktionen zu finden, dürften die Grünen fortan einen größeren Einfluss auf die Europapolitik haben. Die Notwendigkeit, beim Klima- und Artenschutz rasch zu handeln, trägt ebenfalls dazu bei.

2014 gab es keine luxemburgische Gemeinde, in der die CSV nicht stärkste Kraft geworden war, 2019 ist die politische Landkarte sehr viel bunter. In neun Gemeinden haben Déi Gréng jeweils als Beste abgeschnitten, in Luxemburg-Stadt und den meisten Gemeinden des umliegenden Speckgürtels sind sie auf dem zweiten Platz gelandet. Landesweit hat die kleinste der drei Regierungsparteien es auf den dritten Platz geschafft. Tilly Metz, die erst seit weniger als einem Jahr im Europaparlament sitzt, ist ebenfalls auf dem dritten Platz, ausgehend von den Stimmen, die sie persönlich für sich gewinnen konnte.

Junge Frauen statt alter Männer

Dennoch haben Déi Gréng enorm viele Listenstimmen geholt: Mit 164.214 Zählern sind sie knapp hinter der CSV (178.944) auf dem zweiten Platz. Das deutet darauf hin, dass die Grünen nicht unbedingt wegen ihres Personals gewählt wurden, sondern vor allem wegen ihrer Themen. Neben dem Fokus auf Klimawandel thematisierten die Plakate der Partei zum Beispiel auch die Verschmutzung der Meere durch Plastik.

Die Sorgen, Metz könne Claude Turmes nicht wirklich ersetzen, waren wohl eher unbegründet, denn die Wähler*innen von Déi Gréng sind vermutlich ohnehin nicht so personenfokussiert wie jene von DP und CSV. Für Luxemburg liegen leider weder Zahlen zu Wähler*innenwanderungen noch zum Wahlverhalten verschiedener Altersschichten vor, weshalb über die Beweggründe lediglich spekuliert werden kann.

In Deutschland haben junge Menschen mit großer Mehrheit die Grünen gewählt – vermutlich ist das auch diesseits der Mosel recht ähnlich gewesen. Dafür würde auch sprechen, dass die beiden alten weißen Männer auf der Liste – Co-Parteipräsident Christian Kmiotek und Martin Kox – die letztplatzierten geworden sind. Auf die beiden Spitzenkandidat*innen Tilly Metz und Meris Sehovic folgten die 21-jährigen Frauen Tanja Duprez und Jessie Thill. Damit sollte einer Verjüngung der Partei – auch ohne zweiten Sitz im Europaparlament – wenig im Weg stehen.


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