Der Traum ist aus

von | 04.09.2018

Weil sie über den Mord an zehn Männern aus der Minderheit der Rohingya durch die Armee Myanmars recherchiert haben, wurden zwei Reuters-Reporter von der Justiz in eine Falle gelockt.

Nicht nur international gibt es viel Unterstützung für die in Myanmar inhaftierten Journalisten. (Bildquelle: Committee to Protect Journalists)

„Gerechtigkeit ist ein Traum. Aber ein Traum, zu dessen Verwirklichung wir fest entschlossen sind.“ Mit diesem Aung San Suu Kyi zugeschriebenen Zitat hatte eine internationale Solidaritätsbewegung jahrelang gegen den Hausarrest protestiert, der von der Militärregierung Myanmars über die Friedensnobelpreisträgerin verhängt worden war. Am gestrigen Montag hat sich erneut gezeigt, wie schal diese Worte mit Bezug auf die heutige Regierungschefin geworden sind; als zwei Journalisten dafür verurteilt wurden, dass sie ihren Job gemacht haben und so Suu Kyis Traum zur Wirklichkeit verhelfen wollten.

Wegen „Verrats von Staatsgeheimnissen“ müssen Kyaw See Oo und Wa Lone für sieben Jahren ins Gefängnis – weil sie über ein Massaker recherchiert haben, das die Armee von Myanmar an zehn Männern der muslimischen Minderheit Rohingya begangen hat. Die Tat selbst wurde von der Armee zugegeben, sieben Soldaten wurden dafür verurteilt. Regierungskritiker*innen vermuten jedoch, dass man die beiden für die Nachrichtenagentur Reuters tätigen Journalisten an weiteren Nachforschungen hindern wollte, die womöglich eine Verstrickung weiterer Armeekreise in die Tat ans Licht gebracht hätten. Wie ein Polizeibeamter bestätigte, wurden die beiden in eine Falle gelockt, indem ihnen zwei Polizisten in einem Restaurant im Norden der Hauptstadt Rangun Unterlagen überreichten, woraufhin sie wegen illegaler Beschaffung geheimer staatlicher Dokumente verhaftet worden seien.

International wurde die Verurteilung der Reuters-Journalisten scharf kritisiert. „Wir sind entsetzt über das Urteil“, sagte Christian Mihr, der Geschäftsführer von „Reporter ohne Grenzen“. Die beiden säßen „ganz offensichtlich wegen ihrer Arbeit hinter Gittern und nicht, wie es offiziell heißt, weil sie geheime Staatsdokumente besaßen.“ Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi müsse sich dafür einsetzen, dass auch über Gewalt gegen die muslimische Minderheit der Rohingya frei berichtet werden darf.

Von Suu Kyi ist jedoch weiterhin keine Unterstützung zu erwarten, auch nicht hinsichtlich der beiden Journalisten. Kritik ihrerseits am Justizsystem „käme einer Missachtung des Gerichts gleich“, rechtfertigte Informationsminister Aung Hla Tun am heutigen Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters das Schweigen der ehemaligen Regimegegnerin.

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