Ein politischer Künstler

Die letzte Ausgabe der woxx war bereits im Druck, als erste Informationen über den Tod von Bert Theis die Runde machten. Es war nicht das erste Mal in diesem Jahr, dass ein bekannter Kulturschaffender aus der 1950er Generation uns verlassen hat. Die bekennenden „Alt-68er“ haben die nachfolgende Generation dauerhaft beeinflusst, weil sie mit einer etablierten, dem alleinigen Wirtschaftswachstum verschriebenen Establishment gebrochen hatten und auch persönliche Konsequenzen nicht scheuten. 1990 tauchte Bert Theis in den Kolonnen des woxx-Vorgängers GréngeSpoun (GS) deshalb auch nicht als der bekannte „Konzept-Künstler“ auf, zu dem er später wurde, sondern in seiner damaligen Tätigkeit als Lehrer. Und er war nicht irgend ein Lehrer, sondern hatte mit anderen KollegInnen seit Beginn der 1980er das sogenannte „Fielser Modell“ entwickelt. Larochette hatte sich zur portugiesischen Hochburg entwickelt, was dazu führte, dass der AusländerInnen-Anteil in den dortigen Primärschulen auf 68,5 Prozent stieg. Damals ging es darum, ein pädagogisches Modell zu entwickeln, welches den Kindern auch aus romanischsprachigen Elternhäusern minimale Chancen in einem Schulsystem einräumte, das auf einer ausschließlich auf dem Deutschen aufgebauten Alphabetisierung beruhte. Ein Modell, das bei den Konservativen und der Extrem-Rechten auf wenig Gegenliebe stieß. „Eigentlich müssten wir von der  Nationalbewegung ausgezeichnet werden, da wir ja aus kleinen PortugiesInnen halbwegs LuxemburgerInnen machen“, ironisierte Bert Theis damals im GS-Interview (Abbes Jacoby, GS Nr. 44, 21. 9. 1990, S. 14 und Nr. 46, 19. 10. 1990, S. 11). Allerdings erkannte er auch, dass sein pädagogisches Konzept nur mit mehr Personalaufwand auf die Luxemburger Schulwelt zu übertragen war, und dazu war und ist die Politik damals wie heute nicht bereit. Das Sprachenproblem im Schulwesen bleibt so akut wie eh und jeh.


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