Erzieher*innenausbildung: Anhaltende Skepsis

von | 28.05.2021

Die Fragestunde in der Chamber über die geplante Reform der Erzieher*innenausbildung konnte den Unmut nicht abschwächen. Die CSV hat noch Fragen, die Gewerkschaften fordern den Rückzug.

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„Der OGBL, die APCCA und die Apess können keine Reform unterstützen, die zu einer Entwertung des Berufs führt“, hieß es am Mittwoch in einem Schreiben besagter Lehrer*innen- und Erzieher*innengewerkschaften. Sie bezogen sich damit auf ein Pilotprojekt, das das Bildungsministerium für die kommende Rentrée plant: Ab September soll es für Abschlussschüler*innen der Sektion „Sciences sociales“ (SO) möglich sein, die Erzieher*innenausbildung am Lycée technique pour professions éducatives et sociales (LTPES) oder der Ecole nationale des adultes (Enad) in nur einem Jahr zu absolvieren. Für alle anderen gilt nach wie vor die Ausbildungsdauer von drei Jahren. Ebendiesen „accès à deux vitesses“ kritisieren die Gewerkschaften.

Sie sind nicht die ersten, die ihren Unmut gegenüber Bildungsminister Claude Meischs (DP) Plänen äußern: So hatten sich vergangene Woche sowohl das Personalkomitee des LTPES als auch die Erzieher*innengewerkschaft Alee ebenfalls bereits skeptisch gezeigt. Ebenso die CSV und die Piraten.

Wider den Fachkräftemangel

Was die Kritiker*innen befürchten, ist ein Verlust an Qualität und Kompetenzen. Neben einer geringeren Anzahl an theoretischen Kursen, wird vor allem die reduzierte praktische Erfahrung kritisiert. Schüler*innen des LTPES absolvieren während ihrer dreijährigen Ausbildung insgesamt 26 Wochen Praktikum, bei der einjährigen Variante wären es dagegen nur 11.

Mit der Reform könnten laut Bildungsministerium zwei Probleme angegangen werden. Zum einen erhofft man sich, den akuten Fachkräftemangel einzudämmen. Zum anderen erhalten Schüler*innen der SO mehr Optionen: Nach Bestehen ihrer „Première“ könnten sie studieren oder aber besagte Ausbildung absolvieren.

Am 18. Mai stand Meisch der Chamber Rede und Antwort. Er zeigte sich überrascht über die Kritik, bei Unterredungen hätten sich die Direktionen von LTPES und Enad mit den Plänen einverstanden gezeigt. Den Vorwurf, dass das Pilotprojekt einer Reduzierung der dreijährigen Ausbildung auf eine einjährige gleichkomme, wollte er nicht gelten lassen. Er relativierte, dass es bei der einjährigen Variante einen Mangel an praktischer Erfahrung gebe: Absolvent*innen der SO könnten sich vorangegangene Praktika anrechnen lassen. Abschließend informierte der Minister, dass das Pilotprojekt in einem Jahr vom Service de coordination de la recherche et de l’innovation pédagogiques et technologiques (Script) einerseits und externen Fachleuten andererseits evaluiert werde.

Doch auch nach Meischs Erklärungen bleiben viele Fragen unbeantwortet. Einige davon stellte Martine Hansen (CSV) am darauffolgenden Tag in einer parlamentarischen Anfrage. Sie erkundigte sich unter anderem, ob der Ausarbeitung des Pilotprojekts eine Analyse der Sciences sociales-Ausbildung vorausgegangen sei. Außerdem kam sie auf die Aussagen Meischs zu den Praktika zu sprechen. Was dies konkret für die Zulassung beziehungsweise Nicht-Zulassung der Betroffenen bedeute, wollte Hansen wissen. Die Antwort des Ministers steht noch aus.

OGBL, APCCA und Apess wollen weitere Erklärungen gar nicht erst abwarten: Sie fordern den sofortigen Rückzug des Vorhabens. Bei zukünftigen Projekten sei es unablässig, alle Gewerkschaften einzubeziehen, heißt es abschließend im Schreiben.

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