Feministische Podcasts: To L and Back

Der heutige Tag gegen Homo-, Bi- und Transphobie gibt Anlass dazu, sich an eine Fernsehserie zu erinnern, die wie wenige andere, queeren Frauen zu medialer Repräsentation verhalf. Ein kürzlich gestarteter Podcast analysiert, was „The L Word“ bis heute so besonders, aber auch problematisch macht.

© Autostraddle.com

Als die Showtime-Serie „The L Word“ im Jahr 2004 zum ersten Mal über die Fernsehbildschirme flackerte, war das auch das erste Mal, dass derart viele lesbische und bisexuelle Frauen im Mainstream mediale Repräsentation fanden. Bis heute sucht die Serie ihresgleichen. Auch wenn „The L Word“ im Grunde nicht viel mehr als eine queere Variante von „Sex and the City“ (1998-2004) war, so trug die Präsenz fast ausschließlich lesbischer Hauptfiguren wesentlich dazu bei, queeres Begehren zu normalisieren. Die Themen, die die Serie abdeckte, gingen weit über Sex und Beziehungen zwischen Frauen hinaus. Auch Coming-out Prozesse oder die Spezifitäten queerer Freund*innenschaften wurden aufgegriffen.

Trotz ihrer Wichtigkeit enthielt „The L Word“ auch zahlreiche problematische Aspekte, zeigte sie doch eine sehr spezifische Version von Queerness: Fast alle Figuren waren weiß, cis-geschlechtlich, schlank, gehörten der oberen Mittelschicht an und richteten ihre äußere Erscheinung nach der Weiblichkeitsnorm. Auch was die Darstellung bisexueller und trans Menschen betrifft, griff die Serie immer wieder auf schädliche Klischees zurück.

In Anbetracht des für Ende dieses Jahres angesetzten Reboots der Serie, widmet sich das queere Magazin Autostraddle der Frage, wie die Serie im Jahr 2019 zu bewerten ist. Unter dem Titel „To L and Back“ analysieren Mitbegründerin und Chefredakteurin von Autostraddle Riese Bernard und LGBTQ-Aktivistin und Autorin Kristin Russo einmal pro Woche jede einzelne Folge des Kult-Klassikers.

Zwischen 2004 bis 2009 rezensierte Bernard wöchentlich jede einzelne Folge von „The L Word“ und gilt damit diesbezüglich als eine der größten Expert*innen. Russo hat die Serie damals lediglich als Fan geschaut, durch ihre Arbeit mit queeren Jugendlichen sowie aufgrund persönlicher Erfahrungen (unter anderem mit künstlicher Befruchtung) bringt sie jedoch eine unvergleichliche Perspektive mit ein. Eine zusätzliche Bereicherung sind Interviews mit Personen des damaligen Casts.

In „To L and Back“ werden sowohl die Fortschrittlichkeit und realistische Darstellung mancher Aspekte, als auch das weniger Überzeugende auf humorvolle Weise thematisiert. Eins steht fest: Das Reboot wird in puncto intersektionellem Queer-Feminismus eine Schippe zulegen müssen, um auch im Jahr 2019 auf einen ähnlichen Zuspruch hoffen zu können wie das Original seinerzeit.


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