Im Stream: Q-Force

Die neue Netflix-Animationsserie um ein Team aus queeren Agent*innen bietet zwar kurzweilige Unterhaltung, enttäuscht jedoch in vielen Bereichen.

Steve Maryweather (links) und sein queeres Agent*innenteam Q-Force bieten zwar einige Lacher, jedoch wenig Tiefgang. (Bild: Netflix)

Steve Maryweather (Sean Hayes) ist der beste Rekrut seines Jahrgangs in der Akademie der (fiktiven) American Intelligence Agency (AIA). Als er bei der Diplomüberreichungsfeier eine Rede halten darf, outet er sich als schwul. Prompt wird ein anderer Agent zum Jahrgangsbesten ernannt. Maryweather, nun als „Agent Mary“ verspottet, bekommt einen Posten in West Hollywood. Der Stadtteil von Los Angeles ist zwar außerordentlich queer-freundlich, bietet aber wenig Einsatzmöglichkeiten für Geheimagent*innen.

Maryweather stellt ein Team aus schwulen und lesbischen Agent*innen zusammen, Aufträge bekommen sie jedoch keine. Zehn Jahre später gelingt es der „Q-Force“ durch Zufall, einem Terroristen auf die Spur zu kommen. Fortan dürfen die Agent*innen tatsächlich Missionen absolvieren, allerdings nur mit dem hypermaskulinen, heterosexuellen Rick Buck (David Harbour) als Aufpasser im Team.

Neben Maryweather und Buck gehören zur Q-Force auch die Hackerin Stat (Patti Harrison), die Mechanikerin Deb (Wanda Sykes) und der Verwandlungskünstler und Dragqueen Twink (Matt Rogers). Mal müssen die Agent*innen zum Songcontest in ein fiktives europäisches Land, mal zu Startups in Los Angeles, stets jedoch in der queeren Szene. Gegen Ende der Staffel wird die AIA selbst zum Feind der Spion*innen.

Q-Force läuft seit Anfang September auf Netflix und der Streamingdienst tut sein Bestes, um die Animationsserie zu bewerben. Der Humor nimmt vor allem queere Menschen aufs Korn, ohne jedoch allzu böswillig zu sein. Dabei werden vor allem gängige Klischees bedient: Die Mechanikerin Deb hält gemeinsam mit ihrer Partnerin viele Hunde und grillt gerne, die Dragqueen Twink ist auch unverkleidet unglaublich tuntig. Einige Anspielungen werden vermutlich lediglich Szenekenner*innen verstehen, doch die meisten Witze werden auch beim heterosexuellen Publikum zünden.

Serienerfinder Gabe Liedman startete eigenen Aussagen nach mit dem Konzept eines „schwulen James Bond“, landete aber dann bei einem Ensemble-Cast, sodass sich der Vergleich mit der ebenfalls animierten Spion*innenserie „Archer“ aufdrängt. Im Kontrast zu deren krassen, oft unter der Gürtellinie angesiedelten Witzen ist Q-Force eher liebenswürdig zu seinen Charakteren, auch wenn diese leider oft nur ein wandelndes Klischee ohne viel Tiefgang sind.

Dafür, dass das Q in Q-Force eigentlich für queer steht, gibt es überraschenderweise keinerlei Repräsentation abseits von Schwulen und Lesben: Bisexuelle oder trans Charaktere sucht man vergebens. Und obwohl die Diskriminierung der AIA gegenüber queeren Personen der Aufhänger der Serie ist, wird das Thema nur sehr flach abgehandelt: Man traut LGBTIQA-Spion*innen nur nicht zu, gute Agent*innen zu sein. Dabei wäre eine Erwachsenen-Animationsserie vielleicht ein gutes Vehikel, um zu zeigen, wie Diskriminierung in Sicherheitsberufen heute aussieht. So bietet Q-Force lediglich leichte Unterhaltung für zwischendurch.

Auf Netflix.

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