Interaktives Theaterstück: „Problematik ist so relevant wie vor 130 Jahren“

Der Freiburger Interessenverband studentisches Theater (Fist*) fordert das Publikum in „Frühlings Erwachen – Eine Adaption Ihrer Wahl“ zum Handeln auf: Im digitalen Theatersaal entscheiden die Zuschauer*innen, welche Wendungen Frank Wedekinds Klassiker „Frühlings Erwachen“ nimmt. Maya Rollberg aus dem Regieteam spricht mit der woxx über die Textauswahl und unerwartete Reaktionen.

Eins ist dem Frühlings Erwachen von Wedekind und Fist* gleich: Jugendliche kämpfen gegen Unterdrückungen an. In der digitalen Adaption von Fist* entscheidet allerdings das Publikum, wie das Stück sich entwickelt. (COPYRIGHT: Fist*)

woxx: „Frühlings Erwachen – Eine Kindertragödie“ von Frank Wedekind ist ein Klassiker der deutschsprachigen Literatur des 19. Jahrhunderts. Warum dieses und kein anderes Stück für das interaktive Theaterprojekt des Fist*, Maya Rollberg?


Maya Rollberg: „Frühlings Erwachen“ beschreibt verschiedene Tragödien von Jugendlichen, die sich vor allem durch die gesellschaftliche Repression, die sie erfahren, entwickeln. Das Stück prangert die strukturelle Bevormundung und die damit einhergehende gesellschaftliche Tabuisierung vorrangig sexueller Themen an, welche dennoch häufig wie sprießende Pflanzen ihren Weg durch den Asphalt des augenscheinlich Gutbürgerlichen finden. Besonders die Jugend, die im Drama im Begriff ist sich, ihren Körper und ihr Umfeld unter den sehr repressiven gesellschaftlichen Umständen zu erkunden, verleiht ihren Krisen auf unterschiedliche und teilweise erschreckende Weise Ausdruck.

Habt ihr das Stück an die Gegenwart angepasst?


Der Text ist bis auf unseren Prolog nicht an die heutige Zeit angepasst. Die Stückwelt bleibt bis auf die Brüche mit den Interaktionen von der heutigen Zeit unberührt.

Die Jugend von heute hat aber vermutlich mit anderen Repressionen zu kämpfen als die des 19. Jahrhunderts.


Die Problematik ist nach wie vor so relevant wie noch vor 130 Jahren. Dies wurde auch in der Bearbeitung des Stücks deutlich, in dem viele Teammitglieder feststellen mussten, dass sie selbst Erfahrungen mit den Themen haben, die individuell verarbeitet werden müssen. Das hat uns oft vor Herausforderungen, aber auch vor viele Chancen gestellt.

Stichwort Herausforderungen: Auf der Website zu eurem Stück steht, dass die Premiere aufgrund unvorhersehbarer Reaktionen vom 23. auf den 29. Juli verschoben werden musste. Was ist vorgefallen?


Die Themen und Problematiken sind so heftig, dass es auch nach langer Bearbeitung zu unerwarteten Reaktionen kommen kann. Insbesondere wenn etwas mal anders läuft als geplant. Wir möchten das Ensemble schützen und dies nicht weiter erläutern, uns ist nur allen deutlich geworden, wie wichtig eine angebrachte Bearbeitung der Themen ist.

Was macht ihr, damit das gelingt?


Wir wollen in unserer Gruppe im Anschluss an die Produkion eine psychotherapeutische Begleitung durch Supervision durchführen. Wir haben die explizite Darstellung der Gewalt nun reduziert und damit den Schutz des Ensembles sichergestellt.

Wie viel Gewalt in dem Stück vorkommt, liegt am Ende wahrscheinlich auch an den Entscheidungen, die die Zuschauer*innen treffen. Gibt es eine Variante, die dem Originaltext treu bleibt?


Ein Handlungspfad kann gewählt werden, der tatsächlich genau das Originalstück nachstellt.

Und wie viele weitere Handlungsstränge sind möglich?


Dies möchten wir vorab nicht mitteilen. Es soll ja spannend bleiben (lacht).

Frühlings Erwachen – Eine Adaption 
Ihrer Wahl. Online auf der Website 
uni.theater/wedekindadaption 
vom 31. Juli bis zum 1. August, um 20 Uhr. Link zum Ticketkauf auf derselben Website.

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