Islam mit oder ohne Bart

von | 14.12.2015

Die Tendenz zur Privatisierung, die es auch im gelebten muslimischen Glauben gibt, findet in der derzeitigen medialen Auseinandersetzung mit dem Islam im Westen kaum Beachtung. Das ist zumindest die Meinung des Anthropologie-Professors Roman Loimeier, der am 9. Dezember auf Einladung des Institut grand-ducal in Luxemburg war und einen Vortrag zu „neuen Formen der Gläubigkeit in den muslimischen Gesellschaften der Gegenwart“ hielt. Dabei ist die genannte Tendenz weltweit bei einer wachsenden muslimischen Mittelschicht zu beobachten. Für den Professor von der Universität Göttingen sind, grob betrachtet, zwei Merkmale für das religiöse Selbstverständnis der von ihm untersuchten muslimischen Mittelklasse typisch. Zum einen wolle sie sich von einem als zu ritualistisch, abergläubisch und altmodisch empfundenen traditionellen, mystischen Sufismus abgrenzen und stimme in diesem Punkt mit salafistischen Überzeugungen überein, die eine metaphorische Auslegung des Korans ablehnen. Zum andern aber lehne ein großer Teil jener Mittelklasse den politischen Islam ab und entwickle eine dynamische Auseinandersetzung mit moralischen Autoritäten. Viele Angehörige dieser Schicht widersetzten sich dem islamistischen Habitus – Männer unter anderem durch die Rasur des Bartes, Frauen bspw. durch das Tragen bunter Schleier. Doch sei der Sufismus nicht völlig aus dem Leben verschwunden: Wie in Europa beobachtbar, gebe es in muslimischen Gesellschaften eine Tendenz zu einer pick-and-mix-Spiritualität, in der auch die Werke von Sufis eine Rolle spielen. Von kostspieligen, hierarchisierten Ritualen grenze man sich jedoch ab, so Loimeier.

Dat kéint Iech och interesséieren

NEWS

Social : L’accalmie… pour l’instant

Le climat social s’est apaisé avec la nomination de Marc Spautz au ministère du Travail. Représentant l’aile sociale du CSV, il veut restaurer le dialogue entre partenaires sociaux. Mais le thermomètre pourrait grimper sur la question du salaire minimum et surtout sur l’organisation du temps de travail, syndicats et patronat défendant des...

NEWS

Luxemburgs Gesundheitsprofil

Im Rahmen der EU-Initiative „State of Health in the EU“ wurde am 13. Januar das aktuelle Gesundheitsprofil für Luxemburg vorgestellt. Der alle zwei Jahre erscheinende Bericht vergleicht die Gesundheitssysteme der EU-Mitgliedstaaten sowie von Island und Norwegen. Mit einer Lebenserwartung von 83,5 Jahren belegte Luxemburg 2024 hinter Italien,...

NEWS

Disparitions : Ternium fait la sourde oreille

Il y a trois ans, Ricardo Arturo Lagunes Gasca, avocat spécialisé en droits humains, et Antonio Díaz Valencia, leader autochtone nahua, étaient kidnappés à Aquila, au Mexique. Les deux hommes défendaient les droits environnementaux et territoriaux de la communauté locale face aux activités minières nuisibles de Ternium Mexique, une filiale de...

NEWS

Forum 447: Lesen

50 Jahre gibt es die Autor*innenzeitschrift Forum nun schon. Das Dossier der eben erschienen Jubliäumsausgabe ist jedoch keine Nabelschau, sondern dreht sich um das Thema Lesen. Die meisten Beiträge konzentrieren sich auf die Rezeption literarischer Werke, nur ein Artikel untersucht die neurobiologischen Aspekte des Lesens. Zwei Beiträge sind...