Joseph Kayser: „De Mann, deen ëmmer laacht“

von | 11.01.2019

Joseph Kayser liefert mit „De Mann, deen ëmmer laacht“, eine der unangenehmsten literarischen Figuren 2018.

Editions Schortgen

Wer nach einer Abbildung für die Redewendung „unter die Gürtellinie gehen“ sucht, kann getrost auf ein Porträt von Clement S. zurückgreifen. Der überzeugte Junggeselle ist ein Korinthenkacker. Ein Beamten-Arschloch wie es im Buche steht: kleinkariert, gehässig und fies. Jede Provokation, jedes durch ihn verschuldete Unglück, jede Entrüstung über sein unmögliches Verhalten ringt ihm ein dreckiges Lachen ab. Er ist unsympathisch bis unausstehlich und wirkt in seiner Absurdität doch so real.

Joseph Kayser gelingt es einen authentischen Charakter zu konstruieren, der durch seine Infamie besticht. Die Handlung von Kaysers drittem Roman, der im November 2018 bei „Editions Schortgen“ auf luxemburgisch erschien, ist anfangs eher banal. Man legt mit Clement S. bei der Arbeit die Füße auf den Tisch, fährt mit ihm über die Grenze, schaut mit ihm Netflix und bucht eine Kreuzfahrt. Noch dazu assistiert man ihm beim Online-Dating. Nichts Außergewöhnliches, aber Kayser beschreibt die Monotonie des Alltags, versteckte Frustrationen, das Gesellschaftskonstrukt sowie die abstruse Weltsicht der Hauptfigur präzise und dynamisch. Das Ganze hat einen gewissen Drive. Zwar geizt Kayser nicht mit Vorurteilen und teilt ordentlich Klischees aus, aber irgendwie stört das nicht.

Schwierig wird es erst, wenn Kayser Clement S. in seine Einzelteile zerlegt. Aus Clement S. wird Clement Servais, aus Clement Servais dann nur noch Clement. Der Autor fällt bei der Persönlichkeitsentwicklung mit der Tür ins Haus und nimmt seine Leser*innen an die Hand. Gemeinsam mit ihm soll man sich das Schicksal der Hauptfigur genauer anschauen, verstehen, wie die 45 vorherigen Seiten gemeint waren. Dabei ist dies unnötig. Die Geschichte ginge auch ohne den plötzlichen Handlungswechsel auf – dennoch wird „De Mann, deen ëmmer laacht“ dadurch zum literarischen Paradebeispiel für den Ausdruck: „Karma is a bitch.“

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