Katastrophen und Klimawandel: Verstehen, dann handeln!

Was uns die Flutkatastrophe über den Klimawandel lehrt. Und was nicht.

Pepinster, Belgien; Wikimedia; Christophe Licoppe, European Commission

Wie viel kostet uns die globale Erwärmung? Im November 2006 sorgte der Bericht über die Ökonomie des Klimawandels von Nicholas Stern für Aufmerksamkeit. Er zeigte auf, wie man mit jährlichen Investitionen von etwa einem Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) den Anstieg der Temperaturen binnen 15 Jahren stoppen könnte. Vor allem warnte er vor den Kosten eines ungebremsten Klimawandels: ein Verlust von über 5 und bis zu 20 Prozent des jährlichen BIP. Dabei wurden sowohl direkte ökonomische Auswirkungen, zum Beispiel in der Landwirtschaft, als auch die Folgekosten von extremen Wetterereignissen eingerechnet.

15 Jahre später ist in Sachen Klimaschutz wenig passiert und die „Wetterereignisse“ scheinen in Luxemburg angekommen zu sein. Schon damals konnte man den Bericht recht zahm finden. Er unterschätzte sowohl die notwendige Senkung der Emissionen als auch die Kosten der Naturzerstörung. Vor allem aber verwandelte er die Auswirkungen der Wetterkatastrophen in abstrakte Zahlen. Den Verlust von Hab und Gut, Verletzungen, Traumata und Tod in Geldwerte umzurechnen, mag für die Versicherungswirtschaft Sinn ergeben. Für die Betroffenen bedeuten die fünf Prozent BIP hundert Prozent Elend.

Aber ist der Starkregen vom 14. Juli überhaupt eine Folge des Klimawandels? Flutkatastrophen habe es schon immer gegeben, geben die Skeptiker*innen zu bedenken. „Klar doch, ihr Klimaleugner*innen, ihr wollt es nur nicht wahrhaben“, reagieren typischerweise die Öko-Aktivist*innen in den sozialen Medien. Doch die jahrzehntealte Taktik, jedes negative Wetterereignis als Hinweis auf den Klimawandel zu instrumentalisieren, ist heute nicht richtiger als früher. Sie ist nur … weniger falsch.

Was die Wissenschaft schon vor 30 Jahren sagen konnte: Der Klimawandel hat Auswirkungen auf extreme Wetterereignisse. Mittlerweile ist auch die Häufung, je nach Kategorie und Region, statistisch signifikant. Was relativ neu ist: Studien können für eine bestimmte „Naturkatastrophe“ analysieren, wie stark sie durch die Erderwärmung ausgelöst wurde. Meistens besteht eine kausale Verbindung, manchmal aber auch nicht und das Ereignis wird als „normales“ Wetterextrem eingestuft. Bei der jetzigen Flutkatastrophe gibt es meteorologische Gründe, sie mit dem Klimawandel in Verbindung zu bringen, aber wissenschaftlich fundierte Aussagen lassen sich erst in ein paar Monaten oder gar Jahren machen.

Die gegenwärtigen Überschwemmungen sind die Konsequenz der Emissionen der Vergangenheit.

Überschwemmungen und Dürren, Orkane und Hitzewellen führen uns gegenwärtige und vor allem künftige Auswirkungen der Erderwärmung vor Augen – insofern lehren sie uns etwas über den Klimawandel. Problematisch ist aber die Versuchung, sich diesen Zusammenhang so vorzustellen wie bei „gewöhnlicher“ Umweltverschmutzung oder -zerstörung: Dass nämlich ein Eingriff in die Natur sofort spürbare und proportionale Konsequenzen mit sich bringt. Es ist wichtig zu verstehen, dass der Klimawandel anders funktioniert – auch, um endlich die notwendigen Entscheidungen zu treffen, um das Schlimmste zu verhindern.

Zum einen ist der Zusammenhang zwischen CO2-Emissionen und Erderwärmung kein direkter: Die Überschwemmungen von heute sind gegebenenfalls die Konsequenz der Emissionen von vor über zehn Jahren und des kumulierten CO2 seit Beginn des Industriezeitalters. Das bedeutet, dass die jetzt beobachtete Häufung extremer Wetterereignisse sich in den kommenden Jahrzehnten drastisch verstärkt. Hätten wir nach dem Stern-Bericht die Emissionen gesenkt, wäre uns einiges erspart geblieben – höchste Zeit, im Interesse der jungen Generation endlich zu handeln.

Zum anderen führen verschiedene Auswirkungen des Klimawandels dazu, dass sich die Erderwärmung weiterbeschleunigt, zum Beispiel wenn das Methan aus den aufgetauten Permafrostböden den Treibhauseffekt verstärkt. Die genauen Determinanten dieser „Kippunkte“ sind nicht bekannt. Auch hier gilt: Je schneller der Kohleausstieg, umso geringer das Risiko.


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