Klimabilanz: „Unverantwortliche“ Schönfärberei

von | 04.09.2025

Die Regierung lobte sich für ihre Klimabilanz. Doch der „Mouvement écologique“ kritisiert das als Schönfärberei: Die Mehrheit der Sektoren hat ihre Emissionsziele überschritten.

(© Marcin Jozwiak/Pixabay)

Die Reaktion sei „äußerst unzufriedensstellend“: In einer Pressemitteilung vom 2. September sparte der Mouvement écologique (Méco) am vergangenen Dienstag nicht an Kritik gegenüber der Klimapolitik der Regierung. Grund hierfür ist die vorläufige Klimabilanz der Emissionen Luxemburgs für das Jahr 2024. Eine Bilanz die das Umweltministerium Anfang August – mit einem Tag Verspätung, wie der Méco damals schon bemängelte – veröffentlichte (woxx 1849). Laut dem Ministerium fällt sie positiv aus: Insgesamt sind den vorläufigen Zahlen zufolge im letzten Jahr 6,8 Millionen Tonnen Emissionen ausgestoßen worden, rund 1,5 Prozent weniger als im Jahr davor. Verglichen mit dem Referenzjahr 2005 wurden die Emissionen in zwei Jahrzehnten um 33 Prozent reduziert. Luxemburg erfülle so zum fünften Jahr in Folge die im nationalen Umwelt- und Klimaplan (Pnec) festgelegten Reduktionsziele. Dies sei aber Schönrederei und ignoriere grundlegende Nichteinhaltungen, kritisierte der Méco nun scharf.

Zwar lag 2024 die Summe der Emissionen knapp unter der festgelegten Schwelle, doch ein Blick in die sektoriellen Ziele zeigt, dass nur zwei der fünf Sektoren Luxemburgs die vorgesehenen Emissionsziele einhielten (Mobilität sowie Land- und Forstwirtschaft). Die Sektoren Industrie, Gebäude sowie Abfallwirtschaft und Abwasserklärung verfehlen dagegen ihre Einsparungsziele. Dies ist nichts Neues, denn diese drei Sektoren sind seit drei Jahren die Problemkinder der Luxemburger Klimapolitik. So liegt etwa die Industrie mit 532.000 Tonnen CO2-Äquivalenten 38,5 Prozent über der Schwelle – und erreicht somit zum vierten Mal in Folge nicht das festgelegte Ziel. Zwischen 2005 und 2024 sind die Emissionen des Sektors gar um 21 Prozent gestiegen. „Bis 2030, also in knapp viereinhalb Jahren, müssten demnach nun sehr erhebliche Reduktionen (-65 Prozent in der Industrie, -45 Prozent im Gebäudesektor) erreicht werden. Eine absolut unhaltbare Situation!“, lautet das Fazit des Méco. Sorgen mache auch, dass sich die Reduktion der Emissionen in den vergangen Jahren verlangsamt hat: „Die ‚Reduktionslücke‘ zum geplanten Absenkpfad wurde in den letzten Jahren nicht verringert, sondern hat stetig zugenommen!“ Indem die Regierung in Mitteilungen die positive Summe unterstreiche, lenke sie demnach von den wesentlichen Schwierigkeiten ab, so die Umwelt-NGO.

Dringlichkeit wird verkannt

Die Regierung gibt sich jedoch unbesorgt. So sagte etwa der Direktor für europäische und internationale Affären des Umweltministeriums, Andrew Ferrone, im Interview mit Radio 100,7, das Land sei auf Kurs und halte das Gesamtziel ein. Zusätzliche Maßnahmen plane das Ministerium deshalb keine. Eine vermeintliche Rechtfertigung, die der Méco scharf kritisiert. Die Regierung dürfte sich nicht vor ihrer Verantwortung drücken, denn an den Klimaschutzzielen „führt kein Weg vorbei“, so die NGO, die auf die fehlenden politischen Rahmenbedingungen hinweist, damit alle Sektoren ihre Klimaschutzziele erreichen. Stattdessen handele die Regierung auf „unverantwortliche“ Art und Weise und verzögere so die „auch aus wirtschaftlicher Sicht dringend gebotene“ Energietransition.

Die definitive Bilanz für das Jahr 2024 soll laut Angaben des Ministeriums im März 2026 vorliegen. Bis dahin könnten sich die Zahlen noch ändern, doch nur um einige Prozentpunkte. An der Tatsache, dass drei von fünf Sektoren die festgelegten Ziele nicht erreicht haben, wird sich demnach wohl nichts mehr ändern. „Jedes verlorene Jahr führt in der Tat dazu, dass die fehlenden Reduktionen in immer kürzerer Zeit nachgeholt werden müssen – mit deutlich höheren sozialen, ökologischen und ökonomischen Kosten“, warnt der Méco: „Nur anhand verbindlicher und klarer Ziele kann zudem die nötige Planungssicherheit und der Innovationsdruck bestehen, die es Bereichen mit größerer Inertie ermöglichen, mit neuen Lösungen an der Transition mitzuwirken.“

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