Legalisierung von Pfefferspray: Gepfeffert

von | 21.02.2025

Pfefferspray ist in Luxemburg verboten. In einer Pressemitteilung fordern die Jonk Demokraten nun die Legalisierung der Waffe. Von Fehlannahmen und Feindbildern.

„Die Sicherheit von Frauen wird in Luxemburg immer wieder als politische Priorität genannt. Dennoch fehlt es oft an praktischen Mitteln, die es Betroffenen ermöglichen, sich in akuten Gefahrensituationen selbst zu verteidigen“, schrieben die „Jonk Demokraten“ (JDL) in einer rezenten Pressemitteilung. Ein solches „praktische{s} Mittel“ soll laut der Jugendpartei der DP das sogenannte Pfefferspray sein. Dabei handelt es sich um ein Reizstoffspray, das den natürlichen Wirkstoff Capsaicin enthält, der aus Chilischoten gewonnen wird. Wird es gegen einen Angreifer (ob Mensch oder Tier) verwendet, setzt es diesen durch starke Augen-, Haut- und Atemwegsreizungen außer Gefecht. Zumindest in der Theorie. Da das Mittel nicht von Kraft oder Technik abhängt, wird es von Laien oft als nützliches Selbstverteidigungswerkzeug gehandelt, das in keiner Handtasche fehlen darf. Wäre da nur nicht die Tatsache, dass es in Luxemburg derzeit als verbotene Waffe eingestuft wird. Schon allein der Besitz kann mit hohen Geld- oder Freiheitsstrafen geahndet werden.

Damit soll gemäß der Jonk Demokraten endlich Schluss sein – in Nachbarländern wie Deutschland wäre es bereits erlaubt und nur durch die Legalisierung von Pfefferspray könne „die Politik den Frauen, aber auch allen anderen Menschen einen sofortigen Schutz vor Gewalt ermöglichen.“ Viele Fehlannahmen und Halbwahrheiten stecken in der Mitteilung, schauen wir uns ein paar davon näher an.

Die Verwendung von Pfefferspray ist mitnichten das einzige Mittel, das Frauen, und auch „anderen Menschen“ zur Verfügung steht, um sich selbst zu verteidigen. Die allermeisten Frauen haben bereits jetzt eine Strategie, um mit gefährlichen Situationen umzugehen. Sie planen zum Beispiel im Voraus, nicht alleine an Orte zu gehen, wo ihnen potenzielle Gewalttäter auflauern könnten, und sind auch ohne Hilfsmittel nicht wehrlos. Natürlich kann Pfefferspray in bestimmten Situationen helfen, im übrigen erfüllt eine Deoflasche einen ähnlichen Zweck. Es ist jedoch keine Wunderwaffe – und es ist vor allem nicht die Lösung für strukturelle Gewalt gegen Frauen.

Abgesehen davon steckt in der Forderung der gefährliche Mechanismus der Verantwortungsumkehr. Die Politik ist zwar für die öffentliche Sicherheit verantwortlich und dazu gehört explizit auch die Verbesserung der Sicherheit für Frauen im öffentlichen Raum. Aber wie wäre es denn mit dem Gedanken, die Umgebungssicherheit zu erhöhen und politisch dazu beizutragen, dass es weniger Täter gibt, als die Verantwortung für die Sicherheit auf die potenziellen Opfer abzuwälzen? Müssen sich Frauen zukünftig nicht nur für ihre Kleidung rechtfertigen, sondern auch noch für die Tatsache, dass ihre Hosentasche zu klein war, um auch noch ein Pfefferspray zu beherbergen? Denn dort, direkt griffbereit, müsste es sein, um in einer Notfallsituation wirklich hilfreich zu sein. Pfefferspray wird zwar oft als Selbstverteidigungswaffe beworben, ist aber je nach Windverhältnissen und Handhabung nicht immer zuverlässig. In manchen Fällen kann es sogar gegen die sich verteidigende Person selbst verwendet werden.

Feindbilder und Verantwortungsumkehr

Eine andere Fehlannahme wird in der Mitteilung nicht explizit benannt, wiegt aber dennoch schwer. Die Sicherheit von Frauen ist an erster Stelle nämlich nicht, wie häufig behauptet und in der Mittelung impliziert, durch den „bösen fremden Mann“ bedroht, der in verlassenen Parks und Tiefgaragen lauert. Ein Blick auf die Zahlen verrät schnell, dass die Hauptgefahr für Frauen von denjenigen ausgeht, die ihnen am nächsten stehen. Die meisten Femizide, die meiste sexualisierte Gewalt wird von (Ex-)Ehemännern, Vätern, Brüdern, Arbeitskollegen und Freunden begangen. Der „böse fremde Mann“ kommt zwar vor, ist statistisch jedoch längst nicht so relevant, wie bestimmte politische Parteien – zu diesen gehört jetzt wohl auch die JDL – propagieren. Dieses Feindbild lässt sich nur viel leichter instrumentalisieren. Und wer wäre schon bereit seinen Ehemann mit Pfefferspray in die Flucht zu schlagen?

An dieser Stelle sollten Strategien eingesetzt werden, um die Sicherheit von Frauen zu erhöhen. In Luxemburg könnte man zum Beispiel damit anfangen, „Femizide“ als solche rechtlich überhaupt anzuerkennen. Eine ganze Reihe von sinnvollen (rechtlichen) Maßnahmen wurde erst im Oktober letzten Jahres vom Luxemburger Opferhilfeverein „La voix de survivant(e)s“ vorgestellt (woxx 1808 „Fehler im System“). Hier sollte angesetzt werden.

 

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