Lösungen für die Klimakrise: Ändern oder untergehen

Eigentlich ist es unfassbar, wie träge die Politik auf die Klimakrise reagiert. Leider ist der Grund dafür einfach nachzuvollziehen.

Foto: woxx/ja

Seit vergangenem Freitag machen vor allem Jugendliche im Rahmen der internationalen Klimaaktionswoche darauf aufmerksam, dass endlich grundlegende Maßnahmen gegen die Klimakrise getroffen werden müssen. Am Montag tagten in New York die Regierungschef*innen beim „Climate Action Summit“ und produzierten dabei vor allem heiße Luft und versprachen zu wenig Konkretes. Am gleichen Tag machte Greenpeace Luxemburg darauf aufmerksam, dass der luxemburgische Pensionsfonds immer noch massiv in CO2-intensive Industrien investiert. Und am Mittwoch präsentierte der UN-Klimarat erneut einen Bericht über die erschreckenden Konsequenzen der Klimakrise.

Immer wieder betonen Politi- ker*innen – wie zum Beispiel auch Xavier Bettel in New York – dass ihr Land ja viele Maßnahmen getroffen hätte. Das erinnert an Schüler*innen, die auf eine ungenügende Note mit der Aussage reagieren, sie hätten aber viel gelernt, was letzten Endes jedoch am Resultat nichts ändert. So erhielt der luxemburgische Klima- und Energieplan von einigen NGOs eine „Datz“. In anderen Politikbereichen mag es möglich sein, mit großspurigen Ankündigungen und vielen „Photo Ops“ für die Presse zu kaschieren, wie unbedeutend die Aktionen der Politik eigentlich sind. In der Klimapolitik kostet diese Attitüde Menschenleben, auch heute bereits.

Aber warum passiert eigentlich nichts? Die Antwort liegt auf der Hand: Ernsthafte Klimapolitik würde einen gewaltigen Umbau der Gesellschaft und des Wirtschaftssystems bedeuten. Es ist viel einfacher, auf Symbolpolitik zu setzen und zu hoffen, dass die Jugend bald wieder mit etwas anderem beschäftigt sein wird. Die Tatsache, dass auch die Wissenschaft – etwa als im Frühling ein Bericht zum Artensterben veröffentlicht wurde – einen Systemwechsel fordert, wird geflissentlich ignoriert.

Das bei Konservativen und Liberalen so beliebte Bashing der jugendlichen Klimaaktivist*innen (und besonders Greta Thunberg) lässt sich ebenfalls vor allem auf Angst vor den nötigen Veränderungen zurückführen. Mit Fake-News, Sexismus und Verschwörungstheorien wird versucht, den Status quo aufrechtzuerhalten. Dabei ist es durchaus verständlich, dass Menschen sich vor neuen Steuern fürchten, dass sie sich nicht vorstellen können, wie Mobilität anders organisiert werden könnte, oder dass sie Angst haben, es könnte keinen Strom mehr geben, wenn Kohlekraftwerke vom Netz genommen werden.

Ernsthafte Klimapolitik würde einen gewaltigen Umbau des Wirtschaftssystems bedeuten.

Jahrzehntelang wurde versucht, mit den Mitteln der freien Marktwirtschaft und Individualisierung der Lösungen gegen die Klimakrise anzukämpfen. Heute müssen wir einsehen: Diese Versuche sind kläglich gescheitert. Wenn wir tatsächlich gewillt sind, die globale Erwärmung so weit zu stoppen, dass die Auswirkungen nicht für einen Großteil der Menschheit lebensbedrohlich sind, müssen wir einen Systemwechsel vorantreiben.

Der Raubbau an den natürlichen Ressourcen, der Drang nach ewigem Wachstum und die Produktion einer großen Menge an wirtschaftlichen Verlierer*innen liegen in der Natur des Kapitalismus. Es ist eine Illusion zu glauben, dass sich mit ein paar politischen Maßnahmen Grundlegendes daran ändern könnte. Vielleicht wird es möglich sein, weiterhin eine Spielart der freien Marktwirtschaft aufrechtzuerhalten, die so sehr gezügelt ist, dass die Klimakrise noch zu bewältigen ist. Aber sinnvoller wäre es, ein neues System zu schaffen, das nicht auf Profit, sondern auf Bedürfnisbefriedigung für alle Menschen aufgebaut ist. Das ist es auch, was Youth for Climate Luxemburg zwischen den Zeilen fordert.

Der Anstoß dazu kann nur aus der Bevölkerung und von der Straße kommen. Hoffentlich bedarf es nicht mehr allzu vieler Klimademos, bis die Botschaft in der Politik ankommt. Ansonsten wird es so lange bei symbolischen Aktionen und Sonntagsreden bleiben, bis es endgültig zu spät ist.


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