Niederlande: Verseucht in alle Ewigkeit

Jahrzehntelang hat die Chemiefabrik „Chemours“ im niederländischen Dordrecht die Umwelt verschmutzt und die Gesundheit der Anwohner*innen massiv gefährdet. Doch deren Protest trägt langsam Früchte. Auch im restlichen Europa wird die Forderung nach einem Verbot sogenannter „Ewigkeitschemikalien“ lauter.

Protestaktion vor dem Werkstor des Chemieunternehmens „Chemours“ in Dortrecht: Hier werden gesundheitsschädliche sogenannte „Ewigkeitschemikalien“ verarbeitet. Links im Bild mit dem Mikrofon in der Hand steht Meta Kamphuis von einer örtlichen Bürger*inneninitiative. (Foto: Tobias Müller)

Das Rathaus des Städtchens Papendrecht ist einladend erleuchtet. Die Menschen, die aus der frühen Dunkelheit hineinströmen, werden dort freundlich von Mitarbeiter*innen der Kommune empfangen, im Foyer warten heiße Getränke. Doch was hier an diesem Dezemberabend geschieht, ist alles andere als eine besinnliche Adventsfeier. Wer hierherkommt, macht sich in der Regel große Sorgen, denn die Region südöstlich von Rotterdam ist seit Jahrzehnten Schauplatz eines massiven Umwelt- und Gesundheitsskandals.

Rund um die Chemie-Fabrik „Chemours“, die wenige Kilometer entfernt in Dordrecht liegt und unter anderem Teflon herstellt, sind Boden, Grund- und Oberflächenwasser schwer mit sogenannten PFAS verseucht. Diese Abkürzung steht für Per- und Polyfluoralkylsubstanzen, ein Sammelname für Tausende von Chemikalien. Ihr gemeinsames Merkmal sind Kohlenstoff-Fluor-Verbindungen. Hitzebeständig, wasser- und fettabweisend sind sie, und in der Natur wie im menschlichen Körper nur äußerst langsam abbaubar. Daher werden sie auch als „forever chemicals“, als Ewigkeitschemikalien, bezeichnet. Zu ihnen zählen Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) und Perfluoroctansäure (PFOA), auch als C8 bekannt.

Wie sich die Verarbeitung dieser Chemikalien rund um die Fabrik auswirkt und welche Risiken das für die Menschen dort beinhaltet, darüber wollen die umliegenden Kommunen an diesem Abend informieren. An den Ständen im Erdgeschoss des Rathauses sind Trinkwasserbetriebe vertreten, der kommunale Gesundheitsdienst GGD, das Umweltamt der Region und Expert*innen für Boden und Kleingärten. 2022 riet das Gesundheitsministerium in Den Haag den Anwohner*innen dringend, kein Gemüse mehr zu essen, das im unmittelbaren Umfeld der Fabrik angebaut worden ist.

„Die schlechte Nachricht dieser Zusammenkunft ist: Wir haben ein PFAS-Problem“, beginnt ein Mitarbeiter des Gesundheitsdiensts in einem Konferenzraum im ersten Stock des Gemeindehauses seinen Vortrag. Er setzt bei den Grundlagen an und erklärt, dass diese Stoffe sich leicht verbreiten, „überall drin“ seien und dass die Frage, ob man dadurch krank werde, abhängig sei von der Menge, die man im Lauf des Lebens zu sich nehme. „Unser ganzes Nahrungspaket ist eine Quelle dafür, Gemüse, tierische Produkte, Wasser.“

Hinzu komme der Kontakt mit Kunststoffen, in denen PFAS enthalten seien. Das sind eine ganze Menge, denn wegen der genannten Vorzüge werden sie seit den späten 1940er-Jahren massenhaft verarbeitet. Ihre Nachteile wurden vor allem durch die Diskussion um Teflon-Pfannenbeschichtung bekannt. Enthalten sind sie aber auch in Backformen, Outdoor-Kleidung, Teppichen, Einwegverpackungen, Backpapier, Kosmetikprodukten, Zahnseide, Löschschaum und manchen Wärmepumpen. Ein weiterer Risiko-Faktor: die Nähe zu einer Fabrik wie derjenigen von Chemours.

Vor etwa 30 Jahren verlor Meta Kamphuis ihre Eltern, die beide an Krebs gestorben sind. In ihrem 45. Lebensjahr erkrankte sie selbst.

Die Frau in der ersten Reihe, blond, mit rosa Anorak und kritischem Blick, die nach dem Vortrag Fragen stellt, erfüllt zumindest das letzte Kriterium. Knapp einen Kilometer wohnt sie von der Fabrik entfernt. Detailliert will sie wissen, wie das mit den Emissionen über die Luft aussieht, und wie sich PFAS im Boden niederschlägt. Sie fragt präziser, als der Mann vom Gesundheitsdienst antworten kann. Meta Kamphuis hat ihre gesamten 49 Lebensjahre in unmittelbarer Nähe der Fabrik verbracht und daher auch allen Grund zur Genauigkeit.

Vor etwa 30 Jahren verlor sie ihre Eltern, die beide an Krebs gestorben sind. In ihrem 45. Lebensjahr erkrankte sie selbst, jedoch, wie untersucht wurde, nicht aufgrund erblicher Vorbelastung. Kamphuis überlebte. Nachdem vor drei Jahren ihr Freund an Leberkrebs starb, obwohl er nie Alkohol getrunken hat und ein Jahr darauf auch bei ihrer Schwester die Krankheit diagnostiziert wurde, begann sie sich Fragen zu stellen, ob die Emissionen der Fabrik eine Rolle spielen. Über einen Kollegen aus der „Sozialistischen Partei“, für die sie im Dordrechter Stadtrat sitzt, kam sie mit einer Bürger*inneninitiative namens „Gezondheid vóór alles“ („Gesundheit zuerst“) in Kontakt.

Einige Wochen nach der Infoveranstaltung steht Kamphuis an einem eiskalten Januarmorgen vor dem Haupteingang der Chemiefabrik Chemours. Gemeinsam mit etwa 40 anderen Mitgliedern der Initiative kommt sie jeden Samstag hierher, um gegen die Verseuchung ihrer Umwelt zu demonstrieren. Im Februar wird der Protest zum 200. Mal stattgefunden haben. Kurz davor ist die Gruppe in Brüssel noch mit niederländischen EU-Abgeordneten verabredet, um auf ein totales PFAS-Verbot hinzuwirken.

Längst ist Kamphuis, die in ihrem rosa Anorak von weitem erkennbar ist, zu einer der wichtigsten Aktivistinnen der Gruppe geworden. Per Mikrofon fasst sie die neuesten Entwicklungen zusammen. Sie berichtet über die Entsorgung der PFAS-Verbindung Trifluor-Essigsäure (TFA), für die Chemours zwar keine Genehmigung hat, die aber 2023 trotzdem im Abwasser gefunden wurde. Die Chemikalie wurde also illegal eingeleitet, weshalb die Umweltbehörde für den Wiederholungsfall nun hohe Strafen androht. Auch die Pläne des Unternehmens, bei Paris eine neue Fabrik zu errichten, was dort für einige Beunruhigung sorgt, bringt Kamphuis zur Sprache.

In den Niederlanden steht Chemours seit dem Sommer 2023 ununterbrochen in der Kritik. Das investigative TV-Magazins „Zembla“ rekonstruierte, dass der amerikanische Mutterkonzern „DuPont“, von dem Chemours sich 2015 abgespalten hat, seit langem über potenziell schwere gesundheitlichen Schäden der PFAS-Verbindung PFOA informiert war. Erste Hinweise gab es bereits, als die Fabrik in Dordrecht im Jahre 1962 eröffnet wurde. Ein Jahr zuvor hatten Laborversuche mit Ratten gezeigt, dass selbst kleine PFOA-Dosen deren Leber vergrößern.

Wohl bekomm‘s: Auf ihrer Protestfahrt nach Brüssel haben die Menschen aus Dordrecht den EU-Abgeordneten Dutzende Flaschen und Einmachgläser mit verseuchtem Wasser und Boden mitgebracht. (Foto: Tobias Müller)

1979 wurde ein Versuch mit 16 Affen nach 20 Tagen abgebrochen: Desto größer die Mengen des bei der Teflon-Produktion verwendeten PFOA waren, denen die Tiere ausgesetzt waren, desto schneller starben sie. Im gleichen Jahr fand man heraus, dass manche Mitarbeiter*innen des Stammhauses stark erhöhte PFOA-Konzentrationen im Blut hatten. Zwei Jahre später begannen die Messungen der Blutwerte auch in Dordrecht und ergaben teils drastische Konzentrationen an Ewigkeitschemikalien. Über mögliche Missbildungen an Föten, wenn die Mütter zuvor mit PFOA in Kontakt waren, war der Konzern ebenfalls informiert.

Wie in den USA, so wurden auch in Dordrecht die hochgiftigen Chemikalien in der Umgebung entsorgt. Im niederländischen Fall in der Merwede, einem Unterlauf der Waal, der nahe der Fabrik entlangfließt. Es gab weder ein öffentliches Bewusstsein für noch eine Gesetzgebung über die Umweltauswirkungen solcher Chemikalien.

„Die PFAS-Vertuschung“, wie das TV-Magazin seine Reportage genannt hat, sorgte dafür, dass es bei diesem Aufmerksamkeitsmangel blieb. Als zwei Vertreter*innen der Chemours-Direktion im Anschluss an die Sendung zur Anhörung vor eine Parlamentskommission geladen wurden, beteuerten sie, all dies gehöre der Vergangenheit an. Wie früher mit den Risiken der Stoffe umgegangen wurde, lasse sich nicht am Wissensstand der Gegenwart bewerten. Heute sei ihr Unternehmen ein Musterbeispiel an Nachhaltigkeit und stark darauf bedacht, Emissionen zu reduzieren.

Kees van der Hel kann darüber nur lachen. „Dass sie den Ausstoß verringern, wird das Problem nicht lösen“, so der 69-Jährige: „Der Boden um die Fabrik ist bis in alle Ewigkeit massiv verseucht und verunreinigt das Grundwasser, das wir alle zu trinken bekommen.“ Noch immer werde jeder Verstoß, den Chemours begehe, unter den Teppich gekehrt, sagt der Mann, der seit Beginn der Proteste 2016 dabei ist. Der Gründer von „Gezondheid vóór alles“, Bram de Winter, ist inzwischen an Krebs verstorben. Er wohnte in der Nachbarschaft Van der Hels, drüben in der Kleinstadt Sliedrecht, auf der anderen Seite der Merwede. „Das liegt 1.200 Meter Luftlinie von hier, und der Wind weht immer dort hinüber, sodass wir alles, was Chemours ausstößt, voll abbekommen.“

„Der Boden um die Fabrik ist bis in alle Ewigkeit massiv verseucht und verunreinigt das Grundwasser.“

Im Umfeld der Aktionsgruppe gibt es mehrere Fälle schwerer gesundheitlicher Beeinträchtigung. Neben Gründer Bram de Winter starb auch die Frau von Joop Keesmaat, einem der aktivsten Mitglieder, an Krebs. Van der Hel berichtet von der verminderten Fruchtbarkeit seines Sohns. Vertreter der Industrie berufen sich jedoch seit jeher darauf, dass eine individuelle Erkrankung nicht eindeutig auf PFAS-Kontaminierung zurückgeführt werden könne.

Die Gruppe drängt auf eine systematische Untersuchung der Bevölkerung, weil auf einer breiten Datenlage eventuell eindeutigere Rückschlüsse gezogen werden können. Schon heute legen Studien einen Zusammenhang zwischen PFAS und dem Risiko zu Nieren- und Hodenkrebs nahe, außerdem zu erhöhten Cholesterol-Werten, Schäden an Immun- und Hormonsystem und Schilddrüsen-Erkrankungen. Eine Experten*innengruppe der „International Agency for Research on Cancer“ (IARC) der Weltgesundheitsorganisation WHO stufte PFOA im November vergangenen Jahres als „krebserregend für Menschen“ ein.

Laut einer Studie des kommunalen Gesundheitsdiensts von 2019 ist die Zahl der Fälle von Nieren- und Hodenkrebs, die ursächlich mit PFOA-Kontakt in Verbindung gebracht werden, nicht höher als die Zahl der Fälle im Rest der Niederlande, wo diese Ursache nicht in Betracht gezogen wird. Bei der Rate der Hautkrebserkrankungen sieht das hingegen anders aus.

„Gezondheid vóór alles“ ist überzeugt, dass die Sterblichkeit an Krebs in Sliedrecht durchaus erhöht ist. „Das kann daran liegen, dass PFAS das Immunsystem schädigt“, meint Van der Hel, „Bestrahlungen oder Chemotherapien sind dann weniger wirksam.“ Wie jeden Samstag leert er einen Eimer mit verseuchter Erde als Zeichen des Protests vor das Werkstor und gießt eine Flasche Leitungswasser darüber: „Auch mit PFAS kontaminiert, aus Papendrecht.“

Einiges an dieser Geschichte erinnert an den Film „Dark Waters“ aus dem Jahr 2019. Dieser zeichnet den Kampf von Robert Billot nach. Dem amerikanischen Rechtsanwalt war der Nachweis gelungen, dass „DuPont“ mit seinem Betrieb in Parkersburg in West Virginia durch die Verarbeitung, Verklappung und fahrlässige Entsorgung hochgiftiger Chemikalien das Personal und die Anwohner*innen der Umgebung gefährdet hatte. Die Trinkwasserquellen wurden verseucht. Eine Sammelklage von über 3.500 Geschädigten endete mit einem Vergleich: DuPont zahlte insgesamt 671 Millionen Dollar.

Nun nimmt auch die niederländische Dark Waters-Variante Gestalt an: im September befand ein Rotterdamer Zivil-Gericht, Chemours sei für den Schaden haftbar, den die umliegenden Kommunen durch die PFAS-Verseuchung erlitten haben.

Eine Sammelklage der dortigen Anwohner*innen bereitet unterdessen die Anwältin Bénédicte Ficq vor. Im Namen von 4.000 Personen erstattete sie im vergangenen Herbst Anzeige gegen Chemours. „Grundlage ist ein Paragraf, der es strafbar macht, absichtlich gesundheitsschädliche Stoffe in Boden, Luft oder Wasser zu bringen“, erläutert sie in ihrer Amsterdamer Kanzlei. 12 bis 15 Jahre Gefängnis stehen auf ein solches Vergehen. Ficq zeigte nicht die juristische Person Chemours, sondern die Mitglieder der Führungsebene des Unternehmens persönlich an. „Ich bin überzeugt, dass sich der gleichgültige Umgang mit Verschmutzung nur ändert, wenn Menschen dafür persönlich zur Verantwortung gezogen werden.“

Die Staatsanwaltschaft habe nun eine strafrechtliche Untersuchung eingeleitet. Ein Prozedere, das etwa anderthalb Jahre dauern werde, so die Anwältin. Ihre Strategie erklärt sie so: „Das Strafrecht habe ich daher sehr bewusst als Instrument gewählt; auch, weil Bußgelder solche Unternehmen nicht interessieren.“ Sie selbst möchte dazu beizutragen, die Lebensqualität des Planeten zu erhalten. Was die Ignoranz gegenüber der öffentlichen Gesundheit angeht, sieht sie einen klaren Wandel in der Gesellschaft im Gang: „Solche Umweltverstöße werden immer mehr als kriminelle Handlungen gesehen.“

Ablesen lässt sich dieser Wandel auch daran, wie präsent das Thema PFAS inzwischen in den Medien ist. Vergangenen Dezember etwa wurde publik, dass entlang der niederländischen Küste PFAS im Meeresschaum enthalten ist. Im Januar wurde eine Untersuchung des öffentlich-rechtlichen Senders NOS bekannt, der zufolge Eier aus Privathaltung auch weit von Dordrecht entfernt noch kontaminiert sind. Im Februar schließlich schlugen mehrere Provinzen wegen der im Grundwasser festgestellten PFAS-Konzentrationen Alarm. Drei willkürlich gewählte Beispiele aus drei Monaten – doch es gibt zahlreiche weitere.

„Ich bin davon überzeugt, dass sich der gleichgültige Umgang mit Verschmutzung nur ändert, wenn Menschen dafür persönlich zur Verantwortung gezogen werden.“

Ein bloß niederländisches Problem ist all dies selbstverständlich nicht: Kontaminierter Meeresschaum war bereits von der belgischen Nordseeküste her bekannt. Im belgischen Städtchen Zwijndrecht, gerade einmal 100 Kilometer von Dordrecht entfernt, haben Anwohner*innen, die sich rund um die dortige Chemiefabrik „3M“ niedergelassen haben, ebenfalls eine Sammelklage eingereicht (siehe „Dark Waters an der Schelde“ in woxx 1752). Ihr Anwalt Gert Lenssens hat in einem zivilrechtlichen Prozess mit Pilotfunktion bereits Schadensersatz erwirkt. Bei den Geschädigten handelt es sich um eine Familie mit stark erhöhten PFAS-Werten im Blut. Derzeit läuft in der Umgebung der Fabrik die bislang größte Untersuchung von entsprechenden Blutwerten in ganz Europa. Und in Österreich sorgte in diesem Winter fluorhaltiges Skiwachs für Diskussionen: von der Unterseite der Skibretter aus gelangen PFAS in den Boden.

Eine Vorstellung von den Dimensionen der Verschmutzung vermittelt die im Frühjahr 2023 publizierte journalistische Gemeinschaftsrecherche „Forever Pollution Project“, die 17.000 PFAS-verseuchte Orte in ganz Europa auflistet. 2.100 davon werden als „PFAS-Hotspots“ bezeichnet: „Orte, an denen die Kontamination ein Niveau erreicht, das für Menschen, die ihm ausgesetzt sind, als gesundheitsgefährdend gilt“, wie es in der Studie heißt. In Luxemburg wurden unter anderem in Mersch, Bettendorf, Ralingen und in Minden PFAS-Kontaminationen entdeckt.

Die Mitglieder von „Gezondheid vóór alles“ sind sich der Verbreitung des Problems natürlich bewusst. Darum gehört zu ihren Forderungen nicht nur, dass Chemours sämtliche PFAS-Emissionen stoppt, sondern auch ein allgemeines, europaweites Verbot aller Ewigkeitschemikalien“ – mit kurzen Übergangsfristen und Ausnahmen nur für dringende medizinische Produkte. Die EU hat inzwischen nach PFOS (2006) auch PFOA (2020, mit Ausnahmen) verboten. Die Umweltbehörden Deutschlands, der Niederlande, Norwegens, Schwedens und Dänemarks reichten 2023 bei der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) einen generellen Verbotsantrag ein.

An einem frühen Morgen Ende Januar macht sich die Initiative von Dordrecht aus per Bus nach Brüssel auf. Knapp 70 Menschen fahren mit. Im Gepäck haben sie Proben des Problems: Dutzende Flaschen und Einmachgläser mit verseuchtem Wasser und Boden, die sie extra für diesen Zweck mit bunten Etiketten versehen haben. „Sliedrecht Soil“ und „Papendrecht Tab“ steht darauf, „Polluted with PFAS – since 1962“, dazu die Logos von DuPont und Chemours. Mit Hilfe des sozialdemokratischen niederländischen EU-Abgeordneten Mohammed Chahim werden diese später an andere Parlamentarier*innen verteilt, um der Forderung nach einem PFAS-Verbot Nachdruck zu verleihen.

Im Gespräch mit den Besuche-r*innen aus Dordrecht weist Chahim darauf hin, dass es, wenn sich das EU-Parlament nach den Wahlen im Sommer neu zusammensetzt, darauf ankommen wird, nicht nur Abgeordnete aus den linken Parteien für ein Verbot zu gewinnen. „PFAS ist kein linkes Thema, sondern ein allgemeines“, betont er. Auch seine Kollegin Anja Hazekamp, die seit zehn Jahren für die „Partij voor de dieren“ („Partei für die Tiere“) im Parlament sitzt, unterstützt die Forderung nach einem Verbot, weist aber auf die Lobby der Chemieindustrie in Brüssel hin. „So manche Parteien und Politiker*innen sind für deren Argumente empfänglich und sorgen sich um die Arbeitsplätze, wenn gegen solche Unternehmen rigoros vorgegangen wird.“

Für Meta Kamphuis ist das Treffen in Brüssel nur ein Anfang. Sie will die neuen Kontakte nutzen, um nach den Europawahlen ins EU-Parlament zurückzukommen und ihre Geschichte zu erzählen.

Tobias Müller berichtet für die woxx aus Belgien und den Niederlanden.

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