Okaju Jahresbericht: Konkretes für Kinderschutz

von | 21.11.2025

Armut und psychische Belastung von Kindern vergrößern sich. In seinem Jahresbericht fordert der Okaju einen systemischen Ansatz mit verstärkter Unterstützung von Familien und der Weiterbildung von Personal.

„Studien zeigen, dass Kinder, die unter 13 Jahren ein Handy bekommen, eine höhere Anfälligkeit für spätere psychische Erkrankungen aufweisen“, warnt der Ombudsman für Kinder und Jugendliche. (Foto: Pexels / Jano Gepiga)

„Die Realität in Luxemburg zeigt, dass nichts selbstverständlich ist“, so Charel Schmit. Einige Tage vor dem internationalen Kindertag hat der Präsident des „Ombudsman fir Kanner a Jugendlecher“ (Okaju) Anfang dieser Woche den neuen Jahresbericht vorgestellt. Darin zeigt sich der Ombudsman zunehmend alarmiert über die steigenden Risiken, vor denen Kinder nicht ausreichend geschützt sind. Sektorenübergreifende Maßnahmen seien nötig: etwa in der Bildung, der Gesundheit, der Justiz – und dem Sportbereich, wo das Gewaltrisiko für Minderjährige bei bis zu 86 Prozent liege. Dennoch hätten nur knapp ein Viertel aller Sportinstitutionen einen Maßnahmenplan zum Schutz von Minderjährigen, gibt der Okaju an.

Auch in der digitalen Welt lauerten viele Gefahren für die Gesundheit der Kinder. „Studien zeigen, dass Kinder, die unter 13 Jahren ein Handy bekommen, eine höhere Anfälligkeit für spätere psychische Erkrankungen aufweisen“, mahnt Schmit. Kinder unter drei Jahren sollten keinem Bildschirm ausgesetzt sein, und Kinder unter 15 kein eigenes Smartphone besitzen.

Zudem sei Luxemburg weiterhin viel zu lax was pornographische und pädokriminelle Inhalte angehe. Nicht nur, dass Minderjährige solchem Material zunehmend ausgesetzt seien: Sexualisierte Gewalt werde normalisiert und der Konsum von Darstellungen sexuellen Missbrauchs von Kindern oft verharmlost. Bei 40 Prozent der Konsument*innen komme es auch zu einer Umsetzung in die Tat. Statt wirtschaftliche Interessen zu priorisieren, müsse der Staat die „Pornografieindustrie als Hochrisikosektor anerkennen, kontrollieren und eine ambitionierte Umsetzung der CSDDD-Richtlinie sicherstellen“, so der Bericht.

Zunehmende institutionelle Gewalt

„Mentale Gesundheit darf kein Zusatz sei, sondern ist ein fundamentales Recht“, so Schmit. Die psychische Gesundheit hängt dabei stark mit dem Lebensumständen zusammen. Bei Kindern, die in Pflegefamilien oder Institutionen unterkommen stellt der Ojaku eine „besorgniserregende Verschlechterung“ fest. Ihre Anzahl stieg zwischen 2021 und 2024 um 10 Prozent. Bis zum 1. Oktober dieses Jahres wurden 1.523 Kinder in Obhut genommen und fremdplatziert, die meisten davon in Institutionen. Die Folgen sind alarmierend: 42 Prozent der Kinder zeigten klinisch-relevante Symptome. Dennoch gebe es bislang keine Qualitätskontrollen der Institutionen. Und: Immer noch werden Kinder, die eine Straftat begangen haben, in den für Erwachsene vorgesehenen „Centre pénitentiaire“ gesteckt. Allein dieses Jahr hat der Okaju 21 solcher Fälle gezählt, darunter zwei schwangere Mädchen.

Insgesamt liegen momentan drei Gesetzesentwürfe vor, um Kinder während juristischen Prozeduren besser zu schützen. Generell bliebe deren Ansatz aber strafen- und sicherheitsorientiert, bemängelt der Bericht. Unter anderem fordert der Okaju eine verstärkte Begleitung bei der Strafverfolgung und ein Festlegen des Strafmündigkeitsalters auf „idealerweise 16 Jahre“. „Schutz vor Gewalt muss auch Schutz vor institutioneller Gewalt heißen“, so der Okaju-Präsident.

Rund 70 Prozent der Kinder, die in Institutionen unterkommen, lebten später in Armut. Jetzt schon ist in Luxemburg fast jedes vierte Kind arm. Bei alleinerziehenden Familien stiege der Wert sogar auf 48 Prozent, so Schmit. Damit zählt Luxemburg zu den fünf am meisten betroffenen Ländern in Europa. Kinder mit Behinderungen und einem Migrations- und Fluchthintergrund seien besonders betroffen.

Wenig überraschend erwähnt der Ombudsman den kaum erschwinglichen Wohnmarkt und die steigenden sozialen Ungleichheiten als Hauptursachen für steigende Kinderarmut. Ein Quotensystem, damit jede Gemeinde eine gewisse Anzahl von Sozialwohnungen und Notunterkünften zur Verfügung stelle, sei notwendig, so der Okaju. Die Regierung müsse zudem „die Einkommen und die Sozialleistungen erhöhen“, um Familien stärker zu unterstützen.

Auch verlangt der Ombudsman das Einstellen der Zwangsräumungen. Zwar habe die Notunterkunft „Wanter- aktioun“ am 15. November erneut ihre Türen geöffnet, doch für Kinder sei sie gänzlich unangemessen. „Wir fordern, dass – wenigstens im Winter – eine leere Jugendherberge für Familien mit Kindern zur Verfügung gestellt wird“, so Schmit in der Abgeordnetenkammer am Montag. „Das müsste doch möglich sein.“

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