„Rue cyclable“, die falsche Sicherheit?

von | 24.03.2022

Photo : Photothèque VDL/Charles Soubry

Mit der ersten Frühlingssonne sind dem hauptstädtischen Schöff*innenrat auch die Belange der Radfahrer*innen erneut bewusst geworden. Heuer hat Blau-Schwarz allerdings etwas mehr als nur den Farbtopf hervorgekramt, etwa um hier und da gestrichelte Linien einzuzeichnen. Sozusagen über Nacht wurden am Dienstag sieben neue, kilometerlange „rue cyclables“ eingerichtet und an sechs Kreuzungen das Rechtsabbiegen (respektive die Geradeausfahrt) für Fahrräder auch bei Rotlicht ermöglicht. Das Konzept der Fahrradstraße ist nicht eindeutig: In Deutschland sind dort PKWs tabu, in Holland sind sie nur dann vorgesehen, wenn es gilt, eine direkte Anbindung an einen existierenden Radweg zu schaffen. In Luxemburg-Stadt sollen sie den vollwertigen Radweg sozusagen gleich ganz ersetzen: etwa den entlang der rue des Trévires, wo die Radstraße,von der rue Edouard Grenier kommend, Bonneweg ganz durchquert. Neben einer Begrenzung auf 30 km/h gilt hier ein Überholverbot für PKWs. Sie, aber auch die Linienbusse, müssen so den Anstieg bis zur rue du Laboratoire hinter den Radfahrer*innen verbleibend absolvieren. Sollten die Autos sich in Zukunft an diese Regeln halten, wäre das für Bonneweg zwar eine erfreuliche Verkehrsberuhigung – denn viele werden diese Strecke fortan meiden. Dieses Ziel wäre aber auch durch eine generelle 30-Kilometer-Zone für das ganze Viertel zu erreichen gewesen. Jetzt müssen die mutigen unter den Radfahrenden erstmal ihr neues Recht austesten und – mittig auf der Fahrbahn verharrend – Hupkonzerte und Wutausbrüche der motorisierten Artgenoss*innen über sich ergehen lassen.

Illustration : VDL

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