Schon gestreamt? 50 Jahre nach Stonewall

von | 13.07.2019

Wie hat sich die Situation queerer Menschen nach den legendären Protesten rund um die Schwulenbar „Stonewall Inn“ in den letzten 50 Jahren verändert? Dieser und anderen Fragen geht die etwas überladene Dokumentation  „50 Jahre nach Stonewall” nach.

CC BY Travis Wise 2.0

„Sie ahnten nicht, dass ihr Aufstand als Geburtsstunde der schwul-lesbischen Bewegung in die Geschichte eingehen würde“, sagt eine Stimme aus dem Off während Schwarz-Weiß-Aufnahmen einer Polizeirazzia über den Bildschirm flimmern. Es brennt, es ist laut, Polizeisirenen heulen auf und Drag Queens steigen erhobenen Hauptes in einen Polizeiwagen. Dokumentiert wird ein historischer Moment: Die Proteste vor der Schwulenbar „Stonewall Inn“ in New York, 1969. Es war das erste Mal, dass sich die LGBTIQA-Gemeinschaft gegen die ordnungsgemäßen Polizei-Razzien in queeren Lokalen massiv zur Wehr setzte und somit der jahrzehntelangen Repression durch die Autoritäten und durch die Gesellschaft den Kampf ansagte. Die Ereignisse rund um das „Stonewall“ gelten heute als der Beginn queerer Protestbewegungen.

Was sie für die heutige LGBTIQA-Gemeinschaft bedeutet, dem will der Regisseur der Dokumentation „50 Jahre nach Stonewall“, André Schäfer, nachgehen. Was hat sich seitdem im Hinblick auf die öffentliche Wahrnehmung queerer Personen verändert? Wie steht es um private Coming-outs – und wie gehen renommierte Intellektuelle, Politiker*innen, Künstler*innen mit ihrer und der Queerness anderer Menschen um? Es sprechen unter anderem Kevin Kühnert (Bundesvorsitzender der deutschen Jungsozialist*innen), die Publizistin Carolin Emcke, die trans Schauspielerin Zazie de Paris, die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages – Claudia Roth -, aber auch zwei „Stonewall“-Veteranen sowie der ehemalige französische Kulturminister Frédéric Mitterrand oder die queer-aktivistische Rapperin Sookee.

Die Dialoge haben unterschiedlich viel Tiefgang. Manchmal sitzen die Zuschauer*innen beim Kaffeekränzchen mit alten Bekannten, mal wohnen sie einer politischen und gesellschaftskritischen Analyse bei, ein anderes Mal rappt ihnen jemand was von wegen Intersexualität im Meer vor. An manchen Stellen wirkt die Doku etwas überladen: Hunderte Ideen kompakt verpackt in 65 Minuten. Schäfers Dokumentation folgt noch dazu keinem linearen Zeitablauf: Die historischen Rückblicke, die Auftritte der vertretenen Künstler*innen, die Eindrücke rezenter Prides – das alles wird oft durch nur eine Kameraeinstellung voneinander getrennt. Genauso sprunghaft wechseln die Gesprächspartner*innen und ihre jeweiligen Belange, beziehungsweise ihre Verbindung zu „Stonewall“. Zwischendurch verliert man ein wenig den Faden – und bedauert, dass nicht intensiver über die weltweite, teils höchst bedenkliche, Situation queerer Menschen eingegangen wird. Der Besuch in der arte-Mediathek, in der die Dokumentation noch bis zum 27. Juli 2019 online verfügbar ist, lohnt sich aber allemal.

An diesem Wochenende findet in Luxemburg übrigens die Luxembourg Pride statt. Infos zu den Veranstaltungen gibt es online.

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