Serien-Empfehlung: Immigration Nation

von | 13.08.2020

Für ihre sechstteilige Doku sind Macher*innen Christina Clusiau and Shaul Schwarz tief in die Welt der US-amerikanischen Abschiebepolitik eingetaucht. Beispielloses Filmmaterial und Interviewauszüge machen die Produktion zu einem wichtigen, zeithistorischen Dokument.

In „Immigration Nation“ werden Ice-Beamt*innen gezeigt, die sich mitten in der Nacht unrechtmäßig Zugang zu Wohnungen verschaffen um illegal eingewanderte Menschen abzuführen. (© Netflix)

„I don’t remove anybody. The judge does. I’m just, for all intents and purposes, the taxi driver that takes them from point A to point B.“ Wenn in der sechsteiligen Netflix-Doku „Immigration Nation“ Sätze wie diese geäußert werden, kommt man nicht umhin an die „Banalität des Bösen“ zu denken. In zahlreichen Interviews mit Beamt*innen der United States Immigration and Customs Enforcement, kurz Ice sind Rationalisierungen und Verantwortungsverweigerungen omnipräsent. Besonders seit der Wahl Donald Trumps steht die Behörde in der Kritik für ihren als unmenschlich bewerteten Umgang mit Einwander*innen ohne Aufenthaltspapiere.

„Immigration Nation“ gibt den Kritisierten Gelegenheit, ihre Sicht der Dinge zu beschreiben. Manche erzählen von der Belastung, die sie empfinden, andere weisen jede moralische Verantwortung von sich oder sprechen von der Befriedigung, die ihre Arbeit ihnen bereitet.

Den Interviewauszügen werden Aufnahmen gegenübergestellt, in denen Ice-Beamt*innen sich mitten in der Nacht unrechtmäßig Zugang zu Wohnungen verschaffen und Menschen abführen, ohne ihnen die Gelegenheit zu geben, sich von ihrer Familie zu verabschieden; solche von Menschen in Deportationszentren, die keinerlei Informationen darüber erhalten, was mit ihnen passieren wird; von Kindern, die, von ihren Eltern getrennt, sich entscheiden müssen, ob sie alleine in den USA bleiben oder zu ihrer Familie in ihr Herkunftsland zurückkehren. In der Doku kommen Menschen zu Wort, die bereits seit Jahren in den USA leben, dort arbeiten und eine Familie gegründet haben, manche haben als Soldaten für die USA ihr Leben riskiert. Manche wurden abgeschoben, andere leben in täglicher Angst davor. Gezeigt werden aber auch die im Herkunftsland zurückgelassenen Angehörigen und deren Bangen um ihre Liebsten, für die sich das Leben in Nordamerika als einziger Albtraum herausgestellt hat.

Obwohl „Immigration Nation“ viele Interviews mit Ice-Beamt*innen enthält, wird deutlich gemacht, dass diese nur ein Aspekt innerhalb eines Systems sind, das nicht erst seit Trump großes Leid verursacht. In der Doku-Serie wird zwar nichts entlarvt, das nicht bereits bekannt ist. Die Bilder und Interviews vermitteln dennoch einen unvergleichlichen, verstörenden Einblick in ein System, das in erster Linie dazu geschaffen wurde, Einwander*innen ohne Aufenthaltspapiere das Leben zur Hölle zur machen. Nach Sichtung des Endprodukts äußerte die Ice den Wunsch, manche Szenen herauszuschneiden und die Veröffentlichung der Doku bis nach den US-Wahlen zu verschieben – zum Glück ohne Erfolg.

Netflix.

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