„She needed to hear that you can be queer and happy“

Manchmal ist es gut, auf seine Freund*innen zu hören. Warum? Ohne sie gäbe es Joy Oladokun’s Album „In defense of my own happiness (vol.1)“ nicht – und das wäre schade, denn das Album thematisiert unter anderem Queerness und Rassismus.

Bildquelle: Joy Oladokun/Facebook

Der erste Dank gilt Joy Oladokun’s Freund*innen: Ohne sie wäre ihr Talent unentdeckt geblieben. Die Musikern aus Arizona hatte nicht vor, Musik zu ihrem Hauptberuf zu machen. Nach dem College bekam Oladokun ein Jobangebot und wollte es annehmen, steht auf der Website der Künstlerin. Als ein*e Freund*in sie fragte, was sie machen würde, wenn Geld keine Rolle spiele, antwortete sie „writing songs and traveling“. Durch das Gespräch kam die Wende: 2016 veröffentlichte Oladokun ihr Debüt-Album „Carry“, im Juli 2020 folgte „In defense of my own happiness (vol.1)“.

Die meisten Songs des neuen Albums kommen leicht, teilweise poppig daher. Doch es lohnt sich, genauer hinzuhören. Hinter den Pop-Melodien verbergen sich tiefgründige Texte. In „Sunday“ singt Oladokun über eine Mutter, die ihr Kind auf Abwegen vermutet. Das Kind selbst leidet darunter. „I feel like I’m a mess. I feel like I’m stuck in the wrong skin. I feel like I’m sick. But I’m having trouble swallowing my medicine“, heißt es. Nach dem Medienportal Pride, soll Oladokun mit dem Song auf ihre Jugend als gläubige, queere Person anspielen. „’Sunday‘ is the song that 12-year-old Joy, seated in the back of church youth group, needed to hear“, zitiert das Portal sie. „She needed to hear that you can be queer and happy. Queer and healthy. Queer and holy. She needed to see married women kissing and playing with their kids.“ Im Musikvideo zu „Sunday“ sind queere Familien, gleichgeschlechtliche Paare zu sehen und kurze Statements queerer, gläubiger Menschen zu hören.

Gott und Glaube spielen generell eine zentrale Rolle in Oladokun’s Songs. In „I see America“ taucht er als Schwarzer Mann mit Tränen-Tattoo im Gesicht und Dreck unter den Fingernägeln auf. In „Sunday“ steckt er in einem Bilderrahmen und in „Mercy“ will die Sängerin nichts von ihm wissen, sondern lieber Gras rauchen.

Ein weiteres Thema, das Oladokun anspricht, ist das Leben als Schwarze Person in den USA. Im Zuge der Black Live Matters Bewegung, schrieb sie „Who do I turn to?“. Die Lyrics spiegeln ihren Verdruss über Rassismus und anhaltende Diskriminierung Schwarzer Menschen wieder. „If I can’t save myself, if it’s all black and white, if I can’t call for help in the middle of the night, if I can’t turn to God and I can’t turn to you, who do I turn to? Who do I turn to?“, singt Oladokun.

In leisen Nummern wie dieser kommt nicht nur Oladokun’s Talent als Songwriterin zum Ausdruck, sondern auch ihre Stimmgewalt. Ähnlich wie in „Breathe again“ oder in „Blink Twice“, einem ihrer älteren Songs. Der zweite Dank in diesem Artikel gilt deshalb Oladokun selbst: Dafür, dass sie unbequeme Themen, wie die Ausgrenzung und Diskriminierung marginalisierter Personengruppen sowie Sucht und Selbstzweifel besingt – und zwar mit einer unverwechselbaren Stimme, die ein großes Publikum statt nur ihre Bekannten und Verwandten hören sollten.


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