Space Mining: Was, wann und wie viel bringt’s ein?

Platin oder Wasser, 2027 oder 2057, darüber gab es bei der Space Resources Week verschiedene Auffassungen. Einig war man sich, dass nur ein „Weltraumrecht 2.0“ diesen „Billionenmarkt“ in Schwung bringen kann.

Der Mond als Füllhorn. Die Einfärbung zeigt die an der Oberfläche vorhandenen Materialien. (Wikimedia; NASA/JPL; PD)

Um sich über den Stand der Dinge in der Raumfahrt zu verschaffen, kann man auf zahlreiche spezialisierte Online-Ressourcen zurückgreifen. Doch das Besondere an Events wie der Space Resources Week (SRW) ist, dass dort Akteur*innen aus Wirtschaft und Wissenschaft „ohne Filter“ über ihre Projekte reden. Letztes Jahr war die SRW ausgefallen und auch dieses Jahr, vom 19. bis zum 22. April, fand sie größtenteils virtuell statt. Und es bestätigte, dass nicht nur die Planeten unbeeindruckt von der Covidkrise ihren Kurs verfolgt haben: Auch im dynamischsten Sektor der Raumfahrt, der auf die Nutzung der Ressourcen des Erdalls ausgerichtet ist, ist die Zeit nicht stehengeblieben.

Bei Ressourcen aus dem All oder gar „Space mining“ denkt man spontan an den Abbau von Gold, Platin oder „seltenen Erden“. Doch seit längerem hat diese Art von „Bodenschätzen“ für die meisten Protagonist*innen des Sektors an Bedeutung verloren. Neben den immateriellen Ressourcen wie Erdumlaufbahnen oder Lagrange-Punkten geht es in den meisten Projekten um eine auf der Erde gewöhnliche, im Weltall aber extrem wertvolle Substanz: Wasser. Nicht etwa nur für die menschlichen Bedürfnisse bis hin zum Anbau von Nahrungsmitteln in Mondbasen, sondern an erster Stelle als Basisprodukt für Treibstoff –zum Beispiel kann aus Wasser per Elektrolyse Sauerstoff und Wasserstoff gewonnen werden. Treibstoff, der bisher mit großem Aufwand auf der Hinfahrt mitgeschleppt wurde, um Proben – oder gar eine Besatzung – vom Mond zurückzubringen.

Marsmenschen und -raketen brauchen Wasser

Auf der diesjährigen SRW drehten sich viele Beiträge um diese Thematik. Wissenschaftler*innen stellten die neuesten Versuche vor, aus Mondgeröll Wasser zu extrahieren, Studierende an der Uni Luxemburg erläuterten die Vorteile des Zwischentankens auf dem Mond für eine Weiterreise Richtung Mars. Die wissenschaftlichen Beiträge klangen durchaus begeistert, wiesen aber auch immer wieder auf die enormen Schwierigkeiten solcher Unterfangen hin: zum Beispiel, wie wenig wir noch über die Beschaffenheit der Mondoberfläche an den Polen wissen und wie wichtig bei längeren Flügen der Schutz der Besatzung vor Strahlungseinwirkung ist.

Auch was den Zeithorizont angeht, sind die Projekte der Nasa und der Europäischen Weltraumagentur (ESA) recht zurückhaltend. Zwar soll die „Lunar Sustainability“ bis 2028 erreicht sein, doch wie viel Wasser zu dem Zeitpunkt wirklich gewonnen werden kann, ist angesichts der zahlreichen Herausforderungen unklar. Eine kritische Betrachtung lässt es wahrscheinlich erscheinen, dass sich die Pilotprojekte auf der Mondoberfläche bis weit in die 2030er-Jahre hineinziehen werden und erst dann praktische Versuche zum Bau einer „Tankstelle“ in Mondumlaufbahn beginnen können. Es dürften dann weitere Jahre vergehen, bevor sich das Ganze dann wirtschaftlich lohnt, wenn überhaupt.

Wirtschaftswachstum dank Weltraum-Deregulierung?

Doch von der Businessseite kamen ganz andere Prognosen. So stellte Philip Metzger das von der Nasa unterstützte Projekt Aquafactorem vor, mit dem sich kurzfristig etwa 28 Tonnen Wasser jährlich gewinnen ließen – mit einem Verkaufswert von 400 Millionen Dollar. Auch Tory Bruno von United Launch Alliance, einem der weltgrößten Raketenbauunternehmen, zeigte sich pressiert: Beginn der Treibstoffproduktion auf dem Mond um 2028, Abbau der Asteroiden-Bodenschätze Anfang der 2040er, Rekord-Marktvolumen der Space Economy bei drei Billionen Dollar um das Jahr 2050.

Bruno hat sich, anders als viele Protagonist*innen, auch nicht von der Idee der Rückführung der Space Resources auf die Erde verabschiedet, er betonte die Fülle der auf den erdnahen Himmelsobjekten vorhandenen Ressourcen. In Sachen Weltraumrecht schließlich war er es, der am deutlichsten aussprach, was wohl die meisten Protagonist*innen denken: Der Weltraumvertrag von 1967 sei obsolet und auch die Space-Resources-Gesetze in den USA und Luxemburg gingen nicht weit genug. Um den Traum dieses riesigen Wachstumsmarktes zu verwirklichen brauche es exklusive Bergbaulizenzen, private Schiedsgerichte für den Investionsschutz sowie „klare und minimalistische Vorschriften“ und … niedrige Steuern. Alles Wünsche liberaler Unternehmer*innen, für die Luxemburg eigentlich schon immer Verständnis gezeigt hat.

Errata: In einer Vorversion dieses Beitrags war das englische „trillion“ fälschlich mit Billiarden übersetzt worden.

 


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