Tomas Bjørnstad : Fjorde

von | 23.11.2018

Mit Fjorde bringen die Editions Binsfeld den ersten Lyrikband eines vielversprechenden, wenn auch etwas mysteriösen Autors heraus, der das Lebensgefühl der Millenials mit Lebenslust und einem Schuss Bitterkeit treffend einfängt.

Ob sich hinter Tomas Bjørnstad in Wirklichkeit der luxemburgische Autor Samuel Hamen versteckt, wie der Literaturrezensent Jérôme Jaminet kürzlich auf Facebook behauptete, entzieht sich unserer Kenntnis. Darauf angesprochen meinte Hamen nur, er könne diese Frage „nicht mit ja oder nein beantworten“. Es könnte also durchaus sein, dass das „Kleine ABC der Pseudonyme in Luxemburg“ einen neuen Eintrag braucht. Oder auch nicht, sei’s drum.

Jedenfalls haben die Verleger von Binsfeld mit  diesem Buch bewiesen, dass sie doch manchmal ein glücklicheres Händchen bei jungen Lyrikern haben, als mit den spermabefleckten Ergüsse eines Pseudo-Poeten wie Luc Spada. Auch wenn Bjørnstad sehr persönliche Eindrücke, wie etwa die um den verstorbenen Vater einfließen lässt, so bleibt der Ton stets delikat – ohne sich in einem verstaubten Elfenbeinturm zu verirren.

Auch popliterarische Aspekte bringt Bjørnstad gekonnt unter, wie etwa in „Per Post“: „Per Post/kann man jetzt, so das Schreiben, den Status/eines privilegierten Integralkunden erwerben;/ich werde mich selbstverständlich drum bemühen./Wie auch sollte ich mich nicht dieser letzten Utopie/unserer Tage hingeben und meine Existenz/ausschließlich gründen auf’s Bedientwerden?“

Darüber hinaus kommt die Liebe in Fjorde vor, und natürlich auch Norwegen, das Land der Melancholie, in dem der Autor mit sich selbst fremdelnd doch so Einiges aus sich herauspresst. Alles in allem ein gelungenes Debüt, denn ganz egal wer es tatsächlich geschrieben hat, deutet doch einiges zwischen den Zeilen auf ein jüngeres Semester hin.

Dat kéint Iech och interesséieren

PODCAST

Am Bistro mat der woxx #370 – Wéi Fraen am Prisong duebel bestrooft ginn

All Woch bitt d’woxx Iech an hirem Podcast en Abléck an hir journalistesch Aarbecht a beliicht d’Hannergrënn vun engem Artikel. Een neie Rapport vum Ombudsman wéist op een néits, datt Fraen zu Lëtzebuerg am Prisong weiderhin ongläich behandelt ginn. Dat läit engersäits dorunner, datt d'Untersuchungshaft an déi Verurteelt net getrennt sinn, mä...

KULTURTIPP

Buchtipp: Wenn die Welt brennt

Fiona Sironics Debütroman „Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft“ ist in einer Zukunft angesiedelt, die unserer Gegenwart vielleicht näher ist, als wir es wahrhaben wollen.

KULTURTIPP

Expotipp: Theatre of Cruelty

Das monotone, disharmonische Klaviergeklimper im Treppenaufgang zu den Ausstellungsräumen signalisiert den Besucher*innen bereits: Das hier wird unangenehm. Der durch dunkle Vorhänge abgetrennte Hauptsaal führt in die Welt der Grausamkeit des französischen Künstlers Antonin Artaud (1896–1948), der in der Mitte des 20. Jahrhunderts eine...