Transport: Supertram zwischen Luxemburg und Esch?

von | 13.06.2018

Schon oft angekündigt, wurde es am Montag, den 11. Juni vorgestellt: Das Projekt einer „schnellen“ Tram zwischen Luxemburg und Esch.

Die schnelle Tram aus der Präsentation des Nachhaltigkeitsministeriums hat einen Schönheitsfehler: Sie fährt ohne Oberleitung. Im Stadtgebiet neben der Autobahn jedoch nicht. (Grafik: MDDI)

Bereits im letzten Kapitel der neuen Mobilitätsstrategie Modu 2.0 ist sie enthalten: Die schnelle Tram, die die Minettemetropole mit der Hauptstadt verbinden soll. Das deutsch-französische Planungsbüro TTK hat eine Studie realisiert, um die Frage zu klären, wie der öffentliche Verkehr auf der Strecke der A4 organisiert werden soll. In Spitzenstunden fährt dort alle drei Minuten ein Bus, um die 5.500 Reisenden am Tag zu transportieren.

Für 2035 berechnete das Planungsbüro, dass die Nachfrage um 55 Prozent steigen soll – trotz Verbesserungen bei der Bahn, erhöhtem Besetzungsgrad der PKW und mehr Radfahrer*innen wären dann 20.000 Reisende auf eine öffentlichen Transportmöglichkeit auf der A4 angewiesen. „Wir haben zuerst die Situation analysiert und dann mögliche Verkehrsträger auf ihre Eignung untersucht“, erklärte Transportminister Frannçois Bausch. Dies sei die neue Vorgehensweise bei der Planung von Transportinfrastruktur.

Neben der Tram hat TTK zwei andere Verkehrsmittel untersucht: Busse mit hoher Fahrgastkapazität und Monorail. Ungefähr 800 Busse müssten eingesetzt werden – die Infrastruktur, um diese zu empfangen, ist jedoch nicht vorhanden, außerdem wären die Personalkosten sehr hoch. Eine Monorail sei überdimensioniert und es wäre schwierig, sie in den urbanen Raum zu integrieren (Für woxx-Leser*innen kommt diese Feststellung nicht überraschend, wir haben schon im Februar darüber berichtet).

Also wird es die/eine Tram, die von Gasperich aus neben der A4 fahren soll. Ähnlich wie der Express-Tram in Lyon, der die Stadt mit dem Flughafen verbindet, soll die Tram eine Reisegeschwindigkeit von 100 km/h erreichen können. In einer ersten Phase soll die schnelle Tram bis Foetz fahren, dort soll ein Umsteigeknotenpunkt enstehen. „Es gäbe dann auch die Möglichkeit, die großen oberirdischen Parkplätze in Foetz zu reduzieren und die Ortschaft dichter zu bebauen“, erklärte Marc Perez von TTK. Die Verbindung könnte bereits in zehn Jahren Realität sein.

(Foto: Luxtram)

2030 könnte die schnelle Tram dann die Industriebrachen zwischen Esch und Schifflingen, die zu dem Zeitpunkt bereits wieder bewohnt sein sollen, erreichen. Die dritte Phase soll 2035 abgeschlossen sein – die Tram würde dann Esch und Belval befahren. Innerorts würde die Tram natürlich wieder in ihrer „normalen“ Geschwindigkeit rollen und mehrere Haltestellen aufweisen – die Detailplanung müsste gemeinsam mit der Stadt Esch realisiert werden.

Perez gab auch Beispiele für mögliche Reisezeiten. Von der Place Benelux in Esch bis zu Stäreplaz in Luxemburg-Stadt würden 37 Minuten veranschlagt, zwischen Foetz und der Philharmonie 35 Minuten und zwischen dem neuen Viertel auf den Industriebrachen Esch-Schifflingen und Hollerich soll die Reise lediglich 20 Minuten dauern.

Die französische Grenzregion und Differdingen sollen mit Buslinien an den Knotenpunkt in Foetz angebunden werden. Die Tram weiter als Belval rollen zu lassen, wäre auch 2035 aufgrund der benötigten Kapazität nicht sinnvoll. Wie die Südgemeinden und der Tice das sehen, wenn die Detailplanung losgeht, ist allerdings noch nicht gewusst. Der Nachhaltigkeitsminister will den betroffenen Gemeinden die schnelle Tram in den nächsten Tagen vorstellen.

Ob das Projekt „schnelle Tram“ Realität werden wird, entscheiden allerdings die nächste Regierung und das nächste Parlament. „Ich würde es für einen großen Fehler halten, das Projekt nicht umzusetzen“, erläuterte Bausch, „Wir haben in Luxemburg die Tendenz, Infrastrukturvorhaben zu zerreden. Es gab schon viele Striche auf Karten, aus denen schlussendlich nichts geworden ist.“

Ob und wann sich die prekäre Lage des Luxtram-Personals ändert, ist unterdessen immer noch nicht klar. Nachdem Déi Lénk bereits im Dezember nach dem Start der Tram auf die schwierigen Arbeitsbedingungen und geringe Entlohnung aufmerksam gemacht haben, die Gewerkschaften vor einem Sozialkonflikt warnten, hat sich nun auch die Piratenpartei zu Wort gemeldet: Präsident Sven Clement sieht in dem schnellen Tram „ein transparentes Manöver, um Sozialdumping im öffentlichen Transport salonfähig zu machen“. Die Pressemitteilung der Partei klingt allerdings etwas zahmer.

https://www.facebook.com/svnee/posts/10215565542468334

 

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