Über die Hälfte der Fichtenwälder Luxemburgs von Borkenkäfern befallen

Die Hitzewellen des Sommers waren nicht nur für Menschen gefährlich – in Nadelwäldern hat sich der Buchdrucker massiv vermehrt und für wirtschaftliche Schäden gesorgt.

Borkenkäferschäden im Naturpark Harz in Deutschland. Foto: CC-BY-SA Christian Gebhardt

In den letzten Tagen standen Waldbrände, besonders im Amazonas-Gebiet, im medialen Fokus. Die Sorge um die Wälder Westeuropas ist in den Hintergrund gerückt. Das Stichwort Waldsterben scheint als Thema der 1980er-Jahre aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden zu sein. Dabei ist es um unsere Wälder nicht besonders gut bestellt, wie im März der Bericht zur Waldgesundheit der Natur- und Forstverwaltung belegte.

Auch damals waren die Schäden des Buchdruckers, einer Borkenkäferart die für massive wirtschaftliche Ausfälle sorgt, die aufgrund der Hitzewelle im Sommer 2018 entstanden sind, bereits ein Thema. Nun wurde bekannt, dass auch im Sommer diesen Jahres viele Fichtenwälder Opfer des Insektes wurden. In ihrer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage von Mars Di Bartolomeo und Tess Burton (LSAP) erklärt Umweltministerin Carole Dieschbourg (Déi Gréng), dass 55.500 Kubikmeter Holz in staatlich verwalteten Wäldern aufgrund von Borkenkäferbefall gefällt werden mussten. In Privatwäldern sei die Situation wohl ähnlich, hier lägen jedoch keine Zahlen vor.

Der Fortschritt der Buchdrucker seit Juni sei „alarmierend“, schreibt die Ministerin weiter: Über die Hälfte der Fichtenbestände in Luxemburg hätten einen oder mehrere Infektionsherde. Befallene Bäume müssen gefällt und entfernt werden, um das Risiko für umstehende Bäume zu verkleinern. Fichten sind in Luxemburg nicht einheimisch, sondern wurden nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem im Norden des Landes angepflanzt, um rasch für Bauholz zu sorgen.

Die Bäume sind also nicht so gut an die luxemburgischen Standorte angepasst und werden von langanhaltender Hitze geschwächt. Die Trockenheit sorgt außerdem dafür, dass sie weniger chemische Substanzen und Harz bilden können, die die Käfer im Normalfall abwehren. Die Probleme mit den Buchdruckern könnten durch den Klimawandel verstärkt auftreten, wie ein Forschungsteam der Universität Würzburg herausfand. Die Forscher*innen stellten darin allerdings auch die Frage, ob es nicht eventuell sinnvoll sei, dem Treiben der Käfer einfach zuzusehen – die Populationen würden ohne menschliches Zutun nämlich nach ein paar Jahren kollabieren.

Die luxemburgische Forstverwaltung hat gemeinsam mit Privatwaldbesitzer*innen und Firmen aus dem Holzsektor einen Leitfaden mit Handlungsempfehlungen für das Borkenkäfermanagement herausgegeben. Eine Empfehlung darin ist, Fichten-Monokulturen durch angepasste einheimische Laubwälder zu ersetzen. Die staatlichen Hilfen für die Wiederaufforstung nach Borkenkäferbefall wurden im Frühjahr 2019 verdoppelt.


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