Wie der kostenlose öffentliche Verkehr zum Erfolgsmodell werden kann (3/3)

von | 28.02.2020

Der öffentliche Transport in Luxemburg hat zwei Achillesfersen, an denen dringend eine Operation nötig ist: Die Informationspolitik und der Umgang mit PKWs.

Um auf den öffentlichen Transport zurückgreifen zu können, muss man sich zuerst einmal über Verbindungen und Abfahrtszeiten informieren können. Die CFL hat ein neues Informationssystem für Passagiere installiert, das mit Anzeigetafeln und Durchsagen über aktuelle Verspätungen auf dem Laufenden hält. Für alle Verkehrsmittel gibt es Apps und die Website Mobiliteit.lu, die allerdings auch nach dem pompös inszenierten Update immer noch viele Schwächen hat und die Nutzer*innen eher schlecht als recht informiert.

An vielen Bushaltestellen funktioniert das Informationssystem nicht, Fahrpläne müssen oft mühsam gesucht werden. Die hierfür nötige Technik ist längst erfunden, sie müsse nur konsequent und qualitativ hochwertig umgesetzt werden. Neben den bekannten Displays könnten für die Fahrpläne auch moderne e-Ink-Anzeigen zum Einsatz kommen. Ähnlich wie ein elektronisches Buch würden die kaum Strom verbrauchen und wären trotzdem immer auf dem aktuellsten Stand.

Ein noch größeres Spektakel war die Pressekonferenz zur Einführung des Gratistransports am Donnerstag, dem 27. Februar. Diese war vor allem auf ausländische Journalist*innen gemünzt, die neben den Reden von François Bausch und Lydie Polfer (DP) auch dem großherzoglichen Hofnarren Serge Tonnar lauschen durften. Die Ankündigung, dass in Luxemburg ab Sonntag alle kostenlos mit Tram, Bus und Bahn fahren dürfen, hat international Wellen geschlagen und ist dementsprechend schamlos für das Nation-Branding ausgeschlachtet worden.

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Allerdings haben sich nicht alle blenden lassen. Der deutsche Verkehrsclub VCD hält das luxemburgische Modell für ein Vorbild, sieht aber auch die Schwächen. „Bisher ist Luxemburg vor allem ein reiches Auto-Land. In wenigen Jahren könnte man es hingegen als das Land kennen, das es geschafft hat, allen Einwohnern eine zukunftsfähige Mobilität zu ermöglichen. Der rasante Ausbau der Öffentlichen sollte Vorbild für die Verkehrsminister in Deutschland sein. In nur fünf Jahren wurde in der Stadt Luxemburg, die gerade einmal rund 120.000 Einwohner hat, eine Straßenbahn etabliert. Wenn jede deutsche Stadt dieser Größe – davon gibt es über 60 – alle fünf Jahren eine Straßenbahnstrecke eröffnet, käme die Verkehrswende auch in Deutschland voran.“

So wird der VCD-Sprecher Philipp Kosok zitiert. „Die Verkehrswende kann aus Sicht des VCD erst dann gelingen, wenn neben dem Ausbau von Bus, Bahn und Rad gleichzeitig dem Auto Verkehrsflächen entzogen und Privilegien wie kostenlose Parkplätze beendet werden. Hier gingen Städte wie Wien sogar noch konsequenter voran als Luxemburg“, heißt es weiter in der Pressemitteilung. An diesem Punkt zeigt sich, wie weit Luxemburg noch von einer echten Verkehrswende entfernt ist. Dem ungebremsten motorisierten Individualverkehr Steine in den Weg zu legen hat sich bisher noch kein*e Verkehrsminister*in getraut.

In Studien zeigt sich immer wieder, dass Tempolimits, Parkraumbewirtschaftung und ein Abbau von Stellplätzen dazu führen, dass sich Autofahrer*innen nach Alternativen umsehen. Innenstädte ohne PKW-Verkehr werden attraktiver, ziehen mehr Menschen an, was auch die Geschäftswelt belebt. In Zeiten von Klimakrise, schließenden Bankfilialen und Geschäftssterben wäre eine konsequente Verbannung des Automobils aus den Ortszentren die richtige Fortführung der luxemburgischen Mobilitätspolitik.

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