woxx.lu: Abgebremst aber im Rennen

Die neue woxx Online-Präsenz geht demnächst ins zweite Jahr – nicht ohne Schwierigkeiten.

Photos : woxx

Es ist wie ein Déjà-vu: Als sich der woxx-Vorgänger Grénge Spoun 1991 anschickte, die Anerkennung als Wochenzeitung zu erlangen, sollte das Prozedere – so die gesetzlichen Regeln – ein Jahr in Anspruch nehmen. Ein Jahr, in dem die Zeitung wöchentlich erscheinen und eine Reihe anderer Bedingungen erfüllen musste, um dann in den Genuss der Pressehilfe zu kommen. Es sollte allerdings bis 1996 dauern, bis das Geld regelmäßig floss. Bis dahin galt es Woche für Woche die Druck- und Versandkosten, aber auch unter anderem die Löhne von fünf festen journalistischen Mitarbeiter*innen, sowie einer Verwaltungskraft zu finanzieren. Das klappte nur dank einer Spendenkampagne und durch Darlehen zahlreicher Privatpersonen. Erst als die Finanzierung gesichert war, konnten die privaten Kredite in ein Bankdarlehen umgeschuldet werden. Die letzte Rate stotterte die Wochenzeitung 2007 ab – mehr als 15 Jahre nach dem Beginn eines Abenteuers, das auch weniger nerven- und kräftezehrend hätte verlaufen können.

Im Zeitalter des Internets sind die Zeiträume wesentlich kürzer und die Geldmengen, die auf dem Spiel stehen, klingen weniger dramatisch. Trotzdem kann sich eine vermeintlich gut gemeinte Unterstützung als schlechter Witz entpuppen. Ende 2016 hatte Medienminister Xavier Bettel ein Reglement zur Subventionierung von Online-Medien veröffentlicht, dessen genaue Auslegung allerdings längerer Erörterungen der damit befassten Kommission bedurfte. Erst Ende 2017 wurden so sieben Online-Auftritte, betrieben von den drei größten Verlagshäusern vor Ort, mit jeweils 100.000 Euro honoriert. Die woxx startete ihr Projekt am 1. November 2017, ausgehend von der inzwischen von der Kommission bestätigten Vorgabe, dass ein erster Antrag nach sechs Monaten eingereicht werden könnte. Dabei galt es einen Finanzierungsplan vorzulegen, der pro Jahr Kosten von 200.000 Euro ausweisen sollte, um somit die Subventionierung in Höhe von 100.000 Euro zu rechtfertigen.

Gesagt, getan. Doch als der Antrag dann endlich im Juni 2018 begutachtet werden sollte, hieß es plötzlich, es müssten zum Antragszeitpunkt bereits 200.000 Euro ausgegeben worden sein. Das ist für Online-Medien, die bereits ein Jahr oder länger funktionieren nicht unbedingt ein Problem, weil in dem Fall ja auch früher getätigte Ausgaben dazu gerechnet werden können. Für ein Projekt, das erst sechs Monate existiert und somit durchaus eine Voraussetzung des Reglements erfüllt, gibt es aber keine Ausgaben vor der Stunde Null. De facto müsste es also so lange mit dem Antrag warten, bis die Ausgaben in erwähnter Höhe erreicht sind. Das hätte im Fall der woxx bedeutet, statt sechs mindestens zwölf Monate auf die Anerkennung warten, und statt 100.000 Euro das Doppelte an Eigenmitteln aufbringen zu müssen.

Die Rechtsunsicherheit und die unerwartet lange Wartezeit, hätten das Projekt fast zum Scheitern gebracht.

Nach einem in Luxemburg wie so oft leider unvermeidlichen Verfahren „hinter den Kulissen“ gelang es dann doch, die Verantwortlichen davon zu überzeugen, dass Spielregeln vor der Partie festgelegt werden und nicht kurz vor der Schlossallee bis dahin ungeahnte Barrieren auferlegt werden können. So wurde dem woxx-Antrag letztendlich doch stattgegeben. Allerdings erst im Monat Oktober – fast ein Jahr nach Anfang des Projektes. Zwar soll die Finanzierung rückwirkend auf den Monat Juni gewährt werden, doch die Rechtsunsicherheit und die unerwartet lange Wartezeit, in der die woxx in Vorleistung gehen musste, hätten das Projekt fast zum Scheitern gebracht. Als nichtgewinnorientierte Kooperative halten sich die Rücklagen der woxx in Grenzen. Eine für den Frühsommer geplante (und bereits ausgeschriebene) Aufstockung der Redaktion musste auf Eis gelegt werden. Sie kann demnächst, also mit erheblicher Verzögerung, zumindest teilweise vollzogen werden.

Doch auch hier gilt: Mit etwas gutem Willen und vor allem eindeutiger formulierten Gesetzestexten, hätte das alles geordneter verlaufen können. Die woxx hat bis dato gut 1500 Druck-Ausgaben geschafft. Warum sollte es woxx.lu, aller Widrigkeiten zum Trotz, schlechter machen?


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