20 JAHRE OEKOFOIRE: Konsumrausch kompostierbar

Genuss ohne Reue verspricht seit 20 Jahren die Oekofoire. Doch Öko-Konsum schützt nicht vor Selbstbetrug.

Eine Bekannte von mir pflegte ihren Kaffee mit Süßstoff und Sahne zu genießen. Inkonsequenz, die sich rächte: An ihrem Übergewicht änderte sich rein gar nichts. Ähnlich inkonsequent benehmen wir uns, wenn es um ökologisch korrekten Konsum geht. Mit der Karre zum Waldlauf, per Allradantrieb zum Recycling-Center, von Flugzeugflügeln getragen ins Bio-Gästehaus auf Mallorca. Und wenn überhaupt Biolebensmittel, Ökoklamotten oder zertifizierte Holzmöbel gekauft werden, dann vorrangig, um dem eigenen Körper Gutes zu tun. Globalere Ziele wie CO2-Reduktion oder die Gesundheit und das Wohlergehen der ProduzentInnen spielen beim Füllen des Einkaufwagens die zweite Geige.

Das ist sicher nicht die Schuld derer, die seit zwanzig und mehr Jahren Umweltmessen und andere Aktivitäten betreiben, durch die sie zum Konsumwandel auffordern. Doch obwohl die Ausstellungskriterien der Oekofoire in den letzten Jahren immer strenger geworden sind – der Widerspruch, dass eine Messe per se da ist, um Konsum zu fördern, bleibt bestehen. Und die Scharen von Menschen, für die es schon zur lieben Gewohnheit geworden ist, sich am Rentrée-Wochenende in den Foire-Hallen die Füße zu vertreten, drücken sich gekonnt an der Erkenntnis vorbei, dass die Spartaste auf der Klospüle und der Komposthaufen nur ökologische Feigenblätter sind. In den letzten zwanzig Jahren sind zwar unsere Fernseher energiesparsamer geworden, dafür haben wir jetzt mehrere davon. Deshalb erliegt auch die Oekofoire der Gefahr, Lenor-Gewissen zu spielen: Ein paar Bio-Äpfel gekauft, und schon ist man auf der gewonnenen Seite.

Der mediale Aufschrei, als in Luxemburgs Supermärkten die kostenlosen Plastik-Einkaufstüten abgeschafft wurden, ist da ein schönes Beispiel. Wenn auch nur der kleinste Komfort gestrichen wird, zeigt sich, wie es um das kollektive Ökobewusstsein bestellt ist. Die private Konsequenz ist nicht unbedingt größer als die Courage der politisch Verantwortlichen, unpopuläre, aber dafür aussichtsreiche Aktionen in Sachen Umweltschutz zu treffen. Es ist nicht allein der Lobbyismus der Industrie, der sie handlungsunfähig macht: Wer es wagt, substanzielle Benzinpreis-erhöhungen vorzuschlagen oder gar endlich die Besteuerung des Flugkerosins einzuführen, ist auch politisch tot. Der Unwille, Privilegien in Frage zu stellen, besteht auf allen Ebenen: der privaten wie der politischen oder der wirtschaftlichen.

Denn darum geht es schlussendlich, um Privilegien. Der Klimawandel stellt die Verteilungsfrage neu: Wer darf Emissionen produzieren und wer nicht? Reichtum im Norden, Armut im Süden. So ist die Konsumfrage nicht zuletzt eine um globale Demokratie.


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