POP: Knebel und Knarre

The Scarlet Street Resistance eine junge und ambitionierte Band aus Großbritannien, gibt ein wahrscheinlich einzigartiges Konzert im Restaurant der Rockhal.

Auch eine Methode sich bei seinen Bandkollegen Gehör zu schaffen.

Tokio Hotel, Backstreet Boys, Dj Bobo und Kylie Minogue: Das sind die Aushängeschilder des Rockhal-Frühlings. Doch nicht alle Musikfans hierzulande kucken Viva und MTV, und über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Natürlich weiß das auch das Centre des Musiques Amplifiées, und verstärkt das vorgesehene Programm mit einem neuen Konzept: Das Rockhalicious. Das frühere Rockhalcafé, wurde mit Hilfe von Damien Klein und seinem Badboy-Kochteam zum trendigen Restaurant mit Club-Atmosphäre umgestaltet und seit Anfang dieses Jahres finden dort zwei Showcases im Monat statt, bei dem junge, aufsteigende Bands ihr Werk vor neuem Publikum vorstellen können.

Diese Gelegenheit lassen sich The Scarlet Street Resistance nicht entgehen: Am 12. März treten sie als erste Band dieses Monats im Rockhalicious auf. Die Band um Scarlet und Mr. Jones vereint alle klassischen Elemente des Trip-Hops: langsame Rhythmen, Hip-Hop Beats, Streichinstrumente und eine bezaubernde Stimme die die melancholische Grundstimmung ein bisschen versüßt. Die filmischen Aspekte errinern stark an Portishead, die jüngst auferstandenen Pioniere des Bristol Sounds, die in den 90er Jahren mit ihren gediegenen Schwarz-Weiß Videos für Furore sorgten. Allerdings scheint die grafische Huldigung der jungen Trip-Hopper an den Film Noir noch nicht so sehr ausgereift. Doch immerhin, die Musik passt: In dem tempogeladenen, poppigen „Nasty Thoughts“ droht Scarlet mit Knebel und Knarre, nur um in der Ballade „Save Yourself“ in guter Femme-fatale-Manier wehmutig über eine gefährdete Liebschaft zu klagen. Die Stimmung in „If you come back“ erinnert sehr an Hooverphonic, Geike Arnaert’s Trip-Hop Thron könnte ins wackeln kommen!

Das Konzept der Band basiert immer wieder auf den kriminellen Ausschweifungen von Scarlet, dieser erfundenen Persönlichkeit, die nun mit ihrem ehemaligem Verfolger, Mr. Jones, eine Trip-Hop Band gegründet hat. Als „Sonic Film Noir“ beschreibt die Band das Projekt.

Radio 1, das trendweisende Radioprogramm der BBC verfiel dem ambivalenten Charme und nahm letztes Jahr verschiedene Demos der Band ins Programm. Schnell bildete sich eine solide Fangemeinde und The Scarlet Street Resistance spielten in ihrem Heimatland mehrmals vor ausverkauftem Haus und traten ebenfalls als Opener für die Folk Punks von The Man They Couldn’t Hang auf. Im März tritt die Band eine kleine aber umfangreiche Promo-Tour an, die sie, neben Esch-Alzette, vorerst auch nach Hamburg, Berlin, Chemnitz und Dortmund bringen wird. Das Debut Album „The Big Steal“ befindet sich gerade im Feinschliff, und auch hier bleibt die Band ihrem Konzept treu. Sacha Puttnam, ein vielseitiger Komponist der bei der Grunge-Band Bush mitspielte und ebenfalls Teile des „Soundtracks“ für die Olympischen Spiele im Jahre 1996 schrieb, sitzt hinter den Reglern. Somit wird man wohl pompöse Klangwelten erwarten dürfen!

„Nasty Thoughts“ wird voraussichtlich am 12. Mai als erste Single-Auskopplung veröffentlicht. An dieser Produktion ist Tim Healey beteiligt, der schon mit Shiny Toy Guns und Ministry of Sound arbeitete. Den Musikern von The Scarlet Street Resistance steht offensichtlich nichts mehr im Weg, und vielleicht ist dies die letzte Gelegenheit, die Band in kleinem Kreise zu erleben. Außerdem ist der Eintritt kostenlos, so bleibt noch Geld für einen rauchenden Fluo Drink an der Bar. Ob es das bei Tokio Hotel auch gibt?

The Scarlet Street Resistance, am 12. März im Rockhalicious.
http://www.myspace.com/thescarletstreetresistance


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