UNI LETZEBUERG: Es kann besser werden

Knappe sechs Jahre nach Gründung der Uni Luxemburg liegt deren erste externe Bewertung vor. Vor allem die Rolle des Conseil de gouvernance wird darin kritisch beäugt. Vorausgesetzt, man liest das Kleingedruckte.

Die Uni Luxemburg ist eine „institution dynamique, pleine de vie, d’ambition et de promesses“, so eine der aufbauenden Schlussfolgerungen der ersten Evaluation der Luxemburger Hochschule. „Das Schiff Uni Luxemburg ist nicht untergegangen, sondern hat heute die richtige Reisegeschwindigkeit erreicht“, sagte ein stolzer Hochschulminister François Biltgen, als der Bericht des sechsköpfigen Experten-Gremiums vor zwei Wochen offiziell vorgestellt wurde.

Mit 350.000 Euro wurde das Budget des Hochschulministers für das Gutachten belastet. Eine solche externe Bewertung sieht das Uni-Gesetz von 2003 vor. Sie habe, so der Minister, bei manchen Uni-Mitarbeitern zunächst Skepsis ausgelöst. Gewundert hatte man sich im Vorfeld in Uni-Kreisen unter anderem über die Wahl des Präsidenten dieses „externen“ Gremiums. Wurde für diesen Posten doch mit Páll Skúlason ein Mann ausgewählt, der bis vor drei Wochen selbst im obersten Verwaltungs-Organ der Uni, dem Conseil de gouvernance, saß. Eine Wahl, welche den Verdacht aufkommen ließ, das Gremium werde weniger unabhängig zu Werke gehen, als seine Aufgabe vorschreibt.

Diesem Vorurteil widerspricht der Bericht zumindest in einem Punkt: Gerade mit der Rolle des Conseil de Gouvernance, den die Regierung alle vier Jahre ernennt und der sich aus sieben Mitgliedern zusammensetzt, von denen wenigstens vier Verantwortungsposten an einer Universität ausüben oder ausgeübt haben, geht das Gremium hart ins Gericht. Auch wenn dies nicht bereits nach dem ersten flüchtigen Blick auf die hervorgehobenen graphischen Elemente deutlich wird – an mancher Stelle überrascht im Text die Deutlichkeit, mit der die Experten eine andere Stoßrichtung des obersten Verwaltungsorgans der Uni empfehlen, das laut Gesetz über die allgemeine Universitätspolitik entscheidet und über ihre Aktivitäten wacht.

Das Ende des Top-down-Modells?

Die Verwaltung der Uni erwecke auf den ersten Blick den Eindruck, als handele es sich um ein „Top-down-Modell“, wagt sich Páll Skúlasson bei der Vorstellung des Berichts im Beisein des Ministers vorsichtig aufs Eis. Die Einrichtung eines Conseil de Gouvernance habe es möglich gemacht, dass sich diese junge Uni in einem schnellen Tempo entwickeln konnte, so Skúllasson und erläutert zunächst die Notenvergabe im Bericht. Durchwegs zufriedenstellend wird dort die Forschung an der Uni bewertet. Etwas weniger gut schneidet die Lehre ab, die im Durchschnitt die zweitschlechteste Note im System des Gremiums bekommt. „Wir empfehlen dringend, für mehr Klarheit im Konzept zu sorgen“, so Páll Skúllason.

Schon die erste der 34 Empfehlungen der Experten am Ende des Berichts macht deutlich, wieso sich die Hochschule mit klaren Konzepten möglicherweise so schwer tut: Der Conseil de gouvernance müsse seine Rolle „de direction stratégique et indépendante de la gestion de l´Université“ verfestigen, heißt es dort.

Mehr Unabhängigkeit für den Conseil sowie „radikale“ Verbesserung der internen Kommunikation wird auch an anderer Stelle im Bericht gefordert: Einerseits müsse der Conseil de gouvernance dem Rektor der Uni eine klar definierte strategische Führung übertragen. Andererseits müsse dieser über wirksame Mittel für eine gut funktionierende interne Kommunikation verfügen. Keine dieser Bedingungen sei momentan erfüllt, so das Fazit. Die Experten empfehlen eine umfassende Verstärkung der Beratungsorgane an der Uni: „Il est essentiel que les doyens soient impliqués de manière appropriée dans les activités visant à conseiller et à soutenir le rectorat.“ Der Rektor müsse sich umgekehrt engagieren, den Dekanen die aktuellen strategischen Überlegungen des Conseil de gouvernance mitzuteilen. Aus solchen Sätzen geht deutlich hervor, was bislang an der jungen Universität weniger gut funktionierte.

Kein Wunder, dass es laut Minister bei der Präsentation des Expertenberichts an der Uni „sehr positive Reaktionen“ gab. Mehr Transparenz und eine bessere interne Kommunikation wurden in der Vergangenheit des öfteren von Seiten der Mitarbeiter gefordert. Zuweilen war auch Kritik an einer zu großen Einmischung des Conseil de gouvernance zu vernehmen.

Trotz der deutlichen Worte im Bericht mag man von Seiten des Ministeriums keine allzu weitgehenden Schlüsse ziehen. „Der Conseil de Gouvernance hat sich als guter Puffer zwischen Politik und Universität herausgestellt“, so Biltgens Fazit. Und: „Das Gesetz hat sich als das richtige herausgestellt. Dieses Audit zeigt, dass man es auch nach den Wahlen nicht auf den Kopf stellen sollte.“ Eben in diesem Gesetz ist freilich auch die Rolle und Zusammensetzung des Conseil festgeschrieben.

Auch der Präsident des Experten-Komitees Páll Skúlason will die Rolle des Conseil nicht grundlegend überdenken. „Die Entscheidungsgewalt des Conseil de gouvernance war nötig, damit die Uni sich weiter entwickeln konnte.“ Jetzt müsse eine neue Phase eingeläutet werden, in der die Uni genau mitteilt, was sie will, so Skúlason. Auf dem Uni-Campus hofft man wohl vor allem darauf, dass die Empfehlungen der Experten so kurz vor den Wahlen nicht in einer Ministeriums-Schublade verschwinden und sich stattdessen in den künftigen strategischen Überlegungen niederschlagen.


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