FREIWILLIGENDIENST: „Happy End“ für Schulabbrecher?

von | 14.05.2010

Eine Orientierungshilfe will der Jugendfreiwilligendienst „Service Volontaire d’Orientation“ sein und jungen Menschen neue Perspektiven eröffnen.

Vor drei Jahren wies der Premierminister in seiner Rede zur Lage der Nation auf die Situation der Jugendlichen hin: sie müssten von der Straße geholt werden. Dass das Familienministerium daraufhin zusätzliche Gel-
der für reintegrative Jugend-Program-me bereitstellte, erstaunt also nicht.

So ist auch der „Service Volontaire d`Orientation“ (SVO) letztlich ein Resultat dieses Plädoyers. Daneben hat der Jugendverband „Service National de la Jeunesse“ (SNJ) die zwei Freiwilligenprogramme „Service Volontaire Européen“ (SVE) und den „Service Volontaire de Coopération“ (SVE) eingerichtet, über die sich Jugendliche im europäischen Ausland oder auch in Entwicklungs- und Schwellenländern engagieren können – z.B. bei Nichtregierungsorganisationen.

Doch das eigentliche Auffangprogramm für Schul- und Studienabbrecher ist der „Service Volontaire d’Orientation“. Es richtet sich an junge Menschen zwischen 16 und 30 Jahren ohne Schulabschluss mit dem Ziel, ihnen durch die Vermittlung von praktischen Erfahrungen in gemeinnützigen Luxemburger Einrichtungen eine Orientierungshilfe zu geben und damit neue Perspektiven zu erschließen. Etwa 40 Organisationen, Vereine und staatliche Einrichtungen arbeiten eng mit dem SNJ zusammen. Das Angebot umfasst in erster Linie die Arbeit in sozialen Einrichtungen, innerhalb der luxemburgischen Jugendherbergen, aber auch den Einblick in Berufe wie Koch oder Hotel- und Bürofachkraft. Die Kosten der Betreuung und der Sozialversicherung werden vom SNJ übernommen. Darüber hinaus erhalten die TeilnehmerInnen des Programms ein Taschengeld und eine Aufwands-entschädigung. Bei der Entsendung ins Ausland erstattet der SNJ die anfallenden Kosten, einschließlich der Gebühren für die Weiterbildungsseminare. Jedem Jugendlichen wird für die Zeit seines drei bis zwölf Monate dauernden Dienstes ein Betreuer zur Seite gestellt. Seit seiner Gründung 2007 hat der SNJ etwa 250 Jugendliche zum freiwilligen Orientierungsdienst aufgenommen. Derzeit sind sieben Freiwillige registriert, die in einer der 40 kooperierenden, gemeinsamen oder öffentlichen sozialen Einrichtungen, in Vollzeit beschäftigt sind.

Allerdings ist die Nachfrage so groß, dass das Programm sie kaum decken kann. Jährlich gehen rund 350 Anfragen beim SNJ ein. Da jedoch jeder Jugendliche individuell begleitet wird, können nur 70 gleichzeitig betreut werden. Die Kapazitäten sind beschränkt, erklärte Familienministerin Marie-Josée Jacobs auf einer Pressekonferenz zur Vorstellung der neuen Broschüre des Freiwilligen Orientierungsdienstes. Es fehle an Personal wie an finanziellen Mitteln. Die Tutoren arbeiteten zudem unentgeltlich.

Nur ein Tropfen auf den heißen Stein also? Tatsache ist, dass die Zahl der Jugendlichen, die die Schule oder Ausbildung ohne Abschluss beenden, noch immer beunruhigend hoch ist ? trotz der Tatsache, dass die Quote mit 13,4% unter dem EU-Durchschnitt von 15,1% liegt. Rund 2000 Jugendliche haben im Schuljahr 2007/2008 die Schule abgebrochen. Zugleich ist die Jugendarbeitslosigkeit in Luxemburg gerade in den vergangenen Jahren rapide angestiegen. Waren im März 2008 noch 1.601 Heranwachsende unter 26 Jahren arbeitslos gemeldet, so sind es im März dieses Jahres bereits 2.455. Immerhin zeigen Zahlen, dass das Konzept des SVO hinsichtlich der anvisierten Reintegration erfolgreich ist: Laut Angaben der Verantwortlichen des SNJ finden 70 bis 80 Prozent der Freiwilligen den Weg in eine dauerhafte Beschäftigung und rund die Hälfte von ihnen kehrt in die Schule zurück. Eine rundum positive Bilanz zieht auch die Verantwortliche der Jugendfreiwilligendienste, Nathalie Schirtz: „So unterschiedlich die Werdegänge dieser jungen Menschen vor, während und nach dem Freiwilligendienst auch sind, eins haben sie gemeinsam: es ist (meistens) eine Geschichte mit Happy End.“

Infos unter: www.snj.lu

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