WILL GLUCK: Lässige Freunde

„Friends with Benefits“ gibt sich große Mühe, spritzig und jung zu erscheinen, doch die Hauptdarsteller sind unsympathisch und nervig.

Mein Hemd ist so schmutzig, hat jemand mein Waschbrett gesehen?

Jamie (Mila Kunis) ist eine superlässige Headhunterin in einer New Yorker Personalagentur. Sie hat den Auftrag, den noch superlässigeren Dylan (Justin Timberlake) von seinem aktuellen Job in einer kleinen Internetfirma in Los Angeles abzuwerben und ihn für einen schicken Posten in einem Männermagazin zu begeistern. Sie trifft ihn am Flughafen in New York und beide verstehen sich sofort. So gut sogar, dass sie den eigentlichen Grund ihres Zusammentreffens zu vergessen scheinen und sich über ihre vorherigen Beziehungsreinfälle unterhalten. Nach dem fröhlichen Anbändeln konzentriert sich Jamie wieder auf ihren Auftrag, denn es wartet ein beachtlicher Bonus auf sie falls Dylan den Job annimmt. Dylan ist von New York allerdings noch nicht hundert Prozent überzeugt und auf den Superjob reagiert er mit blasiertem Achselzucken. Jamie macht es sich also zur Mission, den Kalifornier vom Big Apple zu begeistern und zeigt ihm das „richtige New York“. Laut Film beinhaltet dies Flashmobs und ein Hochhaus, dessen Dach eine Aussicht auf andere Hochhäuser bietet und auf dem man, so Jamie, „nachdenken kann“. Das haut Dylan um, er nimmt den Job an und beide landen wie erwartet im Bett. Dies jedoch nicht bevor sie sich schwören, sich nie ineinander zu verlieben. Jamie will keine „großen Gefühle“ und Dylan wünscht sich, Sex sei „wie Tennis“. So weit so gut. Doch der freundschaftliche Beischlaf macht jedoch wie erwartet alles komplizierter.

„Friends with Benefits“ ist eine romantische Komödie, die verzweifelt versucht romantischer und komischer zu sein als alle anderen Filme des Genres. So verflucht Jamie die Schauspielerin Katherine Heigl, die in einigen „Romcoms“ spielte und während eines Filmabends machen sich Dylan und Jamie über die Handlungen und den Soundtrack eines Liebesfilms lustig. Der wahre Witz an all dem ist, dass „Friends with Benefits“ genau die gleiche Klischees anwendet. Jamie regt sich über Filmmusik auf, „die nur da ist um uns vorzuschreiben, wie wir uns fühlen sollen“. Dabei dröhnt im Film permanent ein kitschiger und uniformer Gitarrenpop, der ihn wie ein 100-minütiges Musikvideo erscheinen lässt. Diese schnulzige Überdeckung ist wohl auch nötig, denn die Handlung ist dermaßen voraussehbar, dass man bereits nach zehn Minuten ahnt wie der Film enden wird. Auch die superlässigen und total individuellen Hauptfiguren, die wohl jugendlichen Leichtsinn und Optimismus ausstrahlen sollen, sind in Wirklichkeit eher nervig und unsympathisch: Dylan findet ein Stellenangebot, für das manche alles tun würden, lästig und ungelegen, und Jamie geht es trotz der Freundschaft immer noch um den Bonus. Smartphones, Tablets und Game-Konsolen flimmern übrigens in fast jeder Aufnahme. Das Musikvideo wird zum Gadget-Werbeclip. Der Film versucht ein wenig an Tiefe zu gewinnen als der Zuschauer von Jamies regelmäßig alkoholisierten Hippie-Mutter und Dylans an Alzheimer leidenden Vater erfährt. Doch diese Elternteile sind nur Nebenfiguren, die alleine durch ihre Schwächen definiert sind und werden entweder belustigt oder bemitleidet. Jedenfalls kommt Justin Timberlakes geldeinbringender Welpenblick voll zur Geltung. Mit klassischen Screwball Komödien hat „Friends with Benefits“ nicht viel gemeinsam, denn der Film ist langweilig und berechenbar. Fans von Justin Timberlake und aalglatten Hollywood Produktionen werden wohl trotzdem in die Kinos stürmen. Alle anderen sollten sich diese Freunde und ihre Leistungen ersparen.

Im Utopolis und CinéBelval.


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