ARBEITSLOSIGKEIT: Jugend ohne Zukunft?

von | 21.09.2012

Integrationsmaßnahmen rasch umsetzen, Sozialrechte zusichern, nonformale Bildungswege anerkennen – so lauten einige Vorschläge zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit.

In den meisten EU-Staaten hat die Jugenderwerbslosigkeit seit dem Beginn der Wirtschaftskrise bedenklich zugenommen. 20,2 Prozent betrug laut den neuesten Statistiken der Adem im Juli 2012 die Rate der Jugendarbeitslosigkeit in Luxemburg. Sie nähert sich somit stetig dem EU-Durchschnitt. Die Jugendarbeitslosigkeit ist aber vierfach höher als die der Erwachsenen. Zudem sind rund 20 Prozent der Jugendlichen schon länger als ein Jahr ohne Beschäftigung. Unter dem Titel „Chancen für junge Menschen- (Neue) Wege in Arbeit, Ausbildung und Beschäftigung“, befasste sich diese Woche eine Konferenz, organisiert vom „Service National de la Jeunesse“ (SNJ), mit dem brisanten Thema.

„Die Jugendarbeitslosigkeit ist eigentlich ein konstantes Phänomen, das immer unterbelichtet wurde“, meint der Gastredner Olaf Münichsdorfer, Politologe und seit 1999 Büroleiter des Europaabgeordneten Claude Turmes. Mit einer schlechten Qualifizierung steige das Risiko, arbeitslos zu werden, erheblich an – doch seit Beginn der Krise sei auch eine gute Qualifizierung kein Garant mehr für einen Arbeitsplatz. Insgesamt entwickle sich bei den Jugendlichen ein Distanzverhältnis zum Arbeitsmarkt. Die daraus entstehende Inaktivität habe ernste Konsequenzen für den Lebensverlauf, also zum Beispiel bei der Familiengründung oder im Alter, wo das Risiko der Armut droht. Auch hätten atypische Arbeitsverhältnisse zugenommen: 40 Prozent der Jugendlichen seien mittlerweile mit Teilzeitarbeitsverträgen angestellt – freiwillig oder gezwungenermaßen. „Die Gefahr dieser neuen Beschäftigungskulturen liegt vor allem darin, dass die Jugendlichen in den neuen Arbeitsverhältnissen weniger Rechte haben und dass sie als Puffer benutzt werden, mit denen die Betriebe auf schwierige konjunkturelle Phasen reagieren“, betont Münichsdorfer. Auch führe es zu nichts, die Jugendarbeitslosigkeit unter dem von der britischen Regierung geprägten Bezeichnung „NEET – Not in Education, Employment or Training? als lediglich individuelles Phänomen zu analysieren – es müsse auch über das tatsächliche Arbeitsangebot und über die bestehenden Ausbildungsmöglichkeiten gesprochen werden. „Es reicht nicht, Jugendliche nur in Maßnahmen zu parken, wenn das Arbeitsangebot nicht verbessert wird“, betont der Politologe. Dabei seien die gesellschaftlichen Kosten beim Ausfall der Jugendlichen gewaltig; einen bedeutenden Teil davon machten die verlorenen Ressourcen aus, vor allem die nicht-realisierten Einkommen, die der Volkswirtschaft entgehen.

In Luxemburg kündigte Arbeitsminister Nicolas Schmit vor ein paar Monaten Maßnahmen an, mit denen die Arbeitslosigkeit bei den Jugendlichen eingedämmt werden soll – darunter die sogenannte „Europäische Jugendgarantie“, nach der junge Menschen bis spätestens vier Monate nach Abschluss der Ausbildung oder Eintreten der Arbeitslosigkeit einen Arbeitsplatz erhalten sollen. „Wichtig ist, dass die Integration schnell geschieht, vier Monate sind zu lang. Auch hätte diese Initiative bei Langzeit-Problemfällen kaum eine Wirkung“, so Münichsdorfer. Eine weitere Herausforderung ist, den Übergang von der Schule zum Beruf sicherer zu gestalten. Insgesamt dürften die Jugendlichen nicht als Bittsteller angesehen werden. Es sollten ihnen Sozialrechte zugestanden werden, auf die sie bisher, mangels vorheriger Anstellung, keinen Anspruch haben. Paul Milmeister, Soziologe an der Uni Luxemburg, verwies in seinem Vortrag auf das Problem, dass nonformale Bildung bisher als Qualifizierung nicht anerkannt ist. „Wo verläuft die Trennung zwischen anerkannter und nicht anerkannter Bildung?“, fragt der Forscher. Leider werde Bildung bisher nur anerkannt, wenn sie durch die Beteiligung am formalen Bildungssystem zustande gekommen ist, Freiwilligendienst oder Auslandsreisen würden nicht berücksichtigt. Problematisch seien auch die immer höheren Mobilitäts- und Weiterbildungsanforderungen. Zu hoffen bleibt, dass die auf der Konferenz gewonnenen Einsichten und die erhobenen Forderungen nicht ohne Konsequenzen bleiben.

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