KLIMA: Zahlenspiele und politische Trägheit

Gleich mehrere Veranstaltungen beschäftigten sich diese Woche mit dem Klimawandel. Eine wirkliche Wende in der Klimapolitik scheint noch fern.

Unter dem Titel „Klimawandel, was wissen wir wirklich?“ fand diese Woche eine Konferenz mit Anders Levermann, Professor für die Dynamik des Klimasystems am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung statt. Geladen hatten die „Association luxembourgeoise des ingénieurs, architectes et industriels“ sowie die „asbl KlimaWelt“ und der „CRP Henri Tudor“. „Es gibt keinen Zweifel mehr daran, dass der Klimawandel menschengemacht ist“, stellte Levermann eingangs fest. Und: „Es liegt weniger daran, dass CO2, Methan und Treibhausgase ausgestoßen werden und wir gleichzeitig eine Temperaturerhöhung feststellen, sondern es ist pure Grundlagenphysik, nämlich Thermodynamik und Quantenmechanik“. Zwar könne es auch einmal in verschiedenen Regionen zu Erwärmungen kommen, ohne dass darin gleich ein globales Muster zu vermuten wäre. „In der Antarktis gibt es Erwärmungen aufgrund der atlantischen Ozeanzirkulationen.“ Ereigisse, wie Sandy oder der Hurrikan Katrina und die großen Wintereinbrüche in Europa seien nie eindeutig auf den Klimawandel zurückführen. „Jedoch sind wir uns mittlerweile sicher, dass solche Ereignisse an Intensität und Anzahl zunehmen“, bekräftigt der Experte.

Wenn die Menschn ihren jetzigen Lebensstil beibehalten und einen Großteil der bislang entdeckten fossilen Energieträger wie bisher mit jährlich ansteigender Intensität verbrennen, gebe es bis 2100 eine Zunahme von fünf Grad Celsius – eine Temperatursteigerung ähnlich der von der Eiszeit zur Warmzeit. „Der Übergang zwischen den beiden Extremen der vergangenen zwei Millionen Jahre unserer Klimageschichte – zwischen Eiszeit und Warmzeit – dauerte gut fünftausend Jahre. Wenn die Menschheit heute mit dem Ausstoß von Treibhausgasen weitermacht wie bisher, erreichen wir eine Erwärmung von gleicher Stärke fünfzigmal schneller als in der Vergangenheit“, so Levermann. Die Gesellschaft müsse sich entscheiden. „Wir leben auf einem Planeten mit einer wachsenden Bevölkerung und einem wachsenden Energiebedarf, den wir zum großen Teil nur technologisch über erneuerbare Energien lösen können.“

Weniger abstrakt ging es diese Woche beim 4. Lëtzebuerger Klimadag in Düdelingen zu, bei dem die Projekte der 36 Luxemburger Klima-Bündnis-Gemeinden vorgestellt wurden. Sie reichten von Energiekonzepten über Stadtplanung und Altbausanierung bis hin zu Mobilitätskonzepten und Bildungsveranstaltungen zur Nord-Süd-Thematik. Als Gastredner hatte das Klima-Bündnis Wilmer Meneses eingeladen, den Präsidenten der „Frente de Defensa de la Amazonia“ aus Ecuador. Die Organisation hat erfolgreich eine Prozessklage von 30.000 Bewohnern einer Ölregion gegen ChevronTexaco durchgeführt. Dieser wurde Anfang 2012 wegen der ökologischen Schäden und sozialen Missverhältnisse, die durch die Erdölförderung im Regenwald entstanden sind, zur Zahlung einer Strafe von 18 Milliarden Dollar verurteilt. Mitte Oktober verfügte ein Gericht die sofortigge Beschlagnahmung der Guthaben von Chevron Texaco in Ecuador, was es möglich machte, auch die Guthaben in anderen Ländern beschlagnahmen zu lassen. Bisher ist Argentinien eines der wenigen Länder, die derartige Maßnahmen gegen Chevron durchgeführt haben. Meneses ging in seinem Vortrag auch auf den Yasuni Nationalpark in Ecuador ein, ein UNO-Biosphärenreservat, und Lebensraum mehrerer indigener Stämme. Die Regierung von Ecuador will, in diesem Gebiet auf die Erdölförderung verzichten, wenn die internationale Gemeinschaft bereit ist, finanziellen Ersatz für die Hälfte der entgangenen Einnahmen zu leisten. Die Luxemburger Regierung hat versprochen, die Initiative finanziell zu unterstützen. Nur ein Tropfen auf den heißen Stein natürlich, aber immerhin …!


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