CYBER-MOBBING: Am Pranger

Soziale Netzwerke erleichtern das Mobben. Gerade bei Jugend-lichen gibt es einen Trend zur Einschüchterung über Social Media.

Wenn die hämischen Kommentare der KollegInnen einen auch nach Feierabend noch quälen, man zur Zielscheibe von verbalen Attacken und psychologischen Machtspielchen wird, dann kann man wohl von Mobbing sprechen. In Zeiten, in denen der Verlust des Arbeitsplatzes immer drohender wird, wächst der Druck und mit ihm das Ellenbogenverhalten. Durchaus plausibel, dass die Konjunktur des Themas durch die tatsächlichen Verhältnisse am Arbeitsplatz bedingt ist. Andererseits ist das Phänomen nicht neu. Unbarmherzige Machtspiele gehören zum Schulalltag. Menschen, die eher kleiner, dicker oder sonst wie „anders“ sind, wurden schon früher „geschnitten“. Dass soziale Netzwerke Diskriminierung (be-)fördern, liegt irgendwie auf der Hand. Dennoch liefern sich Schüler und Jugendliche oft freiwillig aus, geben freizügig Kontaktdaten preis und stellen kompromittierende (Party-)Fotos ins Netz. Denn der Gruppenzwang – wie auch die Sucht nach einem „like“ – ist bei Facebook so stark wie im wirklichen Leben.

Sucht nach dem „like“

Da bildet Luxemburg keine Ausnahme, wie die Antwort der Bildungsministerin Mady Delvaux-Stehres (LSAP) auf eine parlamentarische Anfrage der CSV-Deputierten Christine Doerner zeigt. Diese wollte wissen, wie stark das Phänomen des Cyber-Mobbing in Luxemburg ausgeprägt sei und was man dagegen von parlamentarischer und legislativer Seite aus unternehmen werde. Die gemeinsame Antwort der Bildungsministerin und ihren KollegInnen aus den Ressorts Justiz, Familie und Wirtschaft zeigt, dass die Bekämpfung von Cyber-Mobbing recht weit oben auf der Agenda steht. Die Ergebnisse einer Studie von 2010, die im Rahmen eines Forschungsprojekts in den drei Benelux-Ländern durchgeführt worden war, bestätigt, dass Mobbing im Netz ein ernstes Problem darstellt: Acht bis 10,4 Prozent der Schüler und Jugendlichen zwischen 12 und 24 gaben an, schon einmal von Einschüchterungen über soziale Netzwerke betroffen gewesen zu sein; 3,8 bis 4,4 Prozent der Befragten gaben an, Opfer regelmäßigen Cyber-Mobbings zu sein – mindestens einmal im Monat oder sogar täglich. Außerdem wurde deutlich, dass sich Mobbing auch außerhalb des Unterrichts fortsetzt. Insbesondere 2011 hat es eine große Nachfrage zu Weiterbildungsangeboten in dem Bereich gegeben – sowohl an Grund- wie auch an weiterführenden Schulen. In Deutschland ergab eine repräsentative Studie der Uni Münster mit der Techniker Krankenkasse unlängst, dass mittlerweile gar über 30 Prozent der Jugendlichen von Cyber-Mobbing betroffen sind.

Mobbing durch Social-Media

In Luxemburg soll ein Gesetzesprojekt nun Abhilfe schaffen und die Ahndung von Mobbingfällen im Internet verbessern, insbesondere bei Fällen, in denen über Social-Media-Kanäle die Identität einer Person vorsätzlich missbraucht wird. Seit über zehn Jahren verfolgt die Regierung angeblich eine präventive Politik hinsichtlich „der Gefahren von Informationstechnologien“. So werden Jugendlichen auf dem Portal www.bee-secure.lu Tipps gegeben, wie man seine Privatsphäre in sozialen Netzwerken schützen kann. Außerdem soll „Medienerziehung“ als Pflichtfach in die neuen Lehrpläne eingehen.

SchülerInnen und Jugendliche sollen ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass sie sich durch Offenlegen zu vieler persönlicher Daten angreifbar machen. Das oft zitierte Party-Foto vom angetrunkenen und wild tanzenden Teenager wird Jahre später möglicherweise tatsächlich negative Folgen haben. Allerdings erkennt die Erwachsenenwelt bei neuen Jugendkulturen gerne allein das Bedrohliche, Unkontrollierte, das ihr Sorgen macht. Mobbing ist kein durch Social-Media erzeugtes Phänomen. Aber durch die inzwischen nicht mehr ganz so neuen Medien wird es anonymer praktizierbar und zugleich deutlicher sichtbar – etwa als Eintrag auf einem Facebook-Account. Oft wird dabei der Dominoeffekt von den Betroffenen unterschätzt. Letztlich schafft man durch die Preisgabe privater Informationen sukzessive seine eigene Privatsphäre ab. Einschüchterungen bis hin zu sozialer Ächtung sind so nur die Spitze des Eisbergs. Oft sind sie selbstverschuldet.


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