84 Prozent der Grünlandhabitate Luxemburgs in einem schlechten Zustand

Eine Studie, die vom Observatoire de l’Environnement Naturel in Auftrag gegeben wurde, zeichnet ein verheerendes Bild der Biodiversität in der Luxemburger Agrarlandschaft. Die staatlichen Förderungen für die Landwirtschaft konnten die Situation bisher nicht verbessern. Mit der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU soll sich das ändern.

Blühstreifen können helfen, den Verlust der Biodiversität aufzuhalten. (Foto: Katrin M./Pixabay)

Der Natur in Luxemburg geht es schlecht: Rund 68 Prozent der natürlichen und naturnahen Habitate sind in einem unzureichenden oder schlechten Erhaltungszustand, genauso wie 83 Prozent der wildlebenden Tier- und Pflanzenarten – Vögel sind aus dieser Rechnung ausgenommen. Manche Feldvögel wie der Steinkauz oder das Rebhuhn, die einst häufig in Luxemburg anzutreffen waren, sind stark gefährdet. Besonders bitter: Das Braunkehlchen ist völlig verschwunden. Nur 16 Prozent der Grünland-Habitate sind in einem guten Zustand . Zu diesen Erkenntnissen kommt ein ein Bericht, den das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (Fibl Deutschland) und das Institut für Agrarökologie und Biodiversität (Ifab) im Auftrag des Observatoire de l’Environnement Naturel erstellt hat. Die beiden Institute haben sich auf die Situation in den landwirtschaftlich genutzten Flächen konzentriert und Maßnahmen für die Agrarpolitik Luxemburgs vorgeschlagen.

Als Ursache für den schlechten Zustand der Umwelt macht der Bericht den hohen Viehbestand und die intensive Landbewirtschaftung aus. Einerseits sei Grünland häufig „überweidet“, andererseits würden nicht länger lukrative „Grenzertragstandorte“nicht mehr genutzt . Der Viehbestand sei EU-weit überdurchschnittlich hoch – heißt im Klartext: Es gibt zu viele Rinder auf zu kleinem Raum und andere Flächen werden zu intensiv genutzt. Das führt nicht nur dazu, dass die Wasserqualität schlecht ist, sondern auch dass es einenhohen Eintrag von Nitraten und Pestiziden in die Natur gibt.

Es gibt nur wenig Biolandwirtschaft in Luxemburg. Dabei könnte die dabei helfen, gegen den Biodiversitätsverlust in Luxemburg anzukämpfen. (Foto: Pixabay)

Der Bericht gibt außerdem zu bedenken, dass die Landwirtschaft zur Klimakrise beiträgt und erhebliche Auswirkungen auf die Wasserqualität hat. Die Hälfte des Luxemburger Grundwassers hat keinen guten chemischen Zustand. Der Großteil der Treibhausgas-Emissionen aus der Landwirtschaft sind Methanemissionen aus der Verdauung von Nutztieren, in der Hauptsache Rinder.

Die Agrarpolitik der letzten Jahre hat in diesem Punkt versagt.„Die bisherige landwirtschaftliche Förderpolitik hat zu keiner Verbesserung der Umweltsituation in Luxemburg geführt. Es zeigt sich dagegen weiterhin ein Trend zur Verschlechterung bei der Biodiversität und der Wasserqualität. Insgesamt fehlt es an einem relevanten Flächenumfang mit ökologisch wirkungsvollen Maßnahmen. Die Maßnahmen in den Natura 2000-Gebieten reichen dafür nicht aus“, heißt es in der Kurzfassung des Berichtes, die am 17. Mai veröffentlicht wurde. Auch der niedrige Anteil an biologisch bewirtschafteten Flächen wird darin moniert.

Die Maßnahmen, die von den beiden Instituten vorgeschlagen wurden, beziehen sich auf den – größeren – Gestaltungsraum, den Luxemburg innerhalb der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) haben wird. Um den Rückgang der Biodiversität zu stoppen, müsste auf rund einem Drittel der Grünlandfläche und einem Viertel der Ackerfläche „ein Mix effektiver Maßnahmen“ durchgeführt werden. Dabei sollte Luxemburg laut dem Bericht vor allem auf die zwei neuen EU-Instrumente namens „Erweiterte Konditionalität“ und „Eco-Schemes“ zurückgreifen.

In Luxemburg leider nicht mehr zu finden: Das Braunkehlchen. Viele Feldvögel sind bedroht. (Foto: CC BY-SA 3.0 Martin Mecnarowski)

Unter der „Erweiterten Konditionalität“ fallen die Grundanforderungen, die alle Empfänger*innen von Agrarbeihilfen erfüllen müssen. So müssen mindestens fünf Prozent der Flächen „nichtproduktive Landschaftselemente“ sein, also zum Beispiel Hecken oder Blühstreifen. Zusätzlich schlagen die Öko-Institute eine verbindliche Erfassung der einzutragenden Nährstoffe und eine Mindestbreite von Uferrandstreifen vor.

Die „Eco-Schemes“ der GAP sind einjährige Maßnahmen, die zu 100 Prozent mit EU-Geldern bezahlt werden. Der Bericht nennt Maßnahmen wie Blühstreifen, Ackersäume und -randstreifen, Extensiväcker, Altgrasstreifen, extensive Wiesen und Weiden – der Natur soll mehr Platz gegeben und Zeit gelassen werden, damit die Biodiversität sich entfalten kann und seltene Arten Rückzugsorte finden können.

Die Studie stellt zudem drei Szenarien vor, mit denen die „Eco-Schemes“ in Luxemburg umgesetzt werden könnten: mit einemMaßnahmenkatalog, aus denen Landwirt*innen frei wählen können;mit der „Gemeinwohlprämie“, bei denen verschiedene Maßnahmenpakete gewählt werden können und mit der „Landschaftspflegeprämie plus+“, bei der alle Auflagen erfüllt werden müssen, um die Gesamtprämie zu erhalten.

Bisher ist allerdings nur eine Kurzfassung des Berichtes von Fibl und Ifab veröffentlicht worden. Die gesamte Studie wird der Öffentlichkeit am 10. Juni während eines Webinars vorgestellt , organisiert vom Observatoire de l’environnement naturel . Das Observatorium dient dazu, das Umweltministerium und Gemeindesyndikate in Umweltschutzsachen zu beraten und entsprechende Studien in Auftrag zu geben. Es besteht aus Vertreter*innen vom Umweltministerium, der Natur- und Forstverwaltung, der Wasserverwaltung, des Museums für Naturgeschichte, der Uni Luxemburg, Umwelt-NGOs und der Gemeindesyndikate. Präsident ist der Abgeordnete François Benoy (Déi Gréng), der von seiner Parteikollegin Carole Dieschbourg zum Vertreter für das Umweltministerium genannt wurde.


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