Australien leidet unter den verheerendsten BuschbrĂ€nden seit Jahren. Die konservative Regierung rĂŒckt dennoch nicht von ihrer Energie- und Wasserpolitik ab, die den Klimawandel und die Trockenheit verstĂ€rkt.

Verbrannte Erde, soweit das Auge reicht: Ein KĂ€nguru am vergangenen Dienstag im von Buschfeuern stark in Mitleidenschaft gezogenen Flinder Chase-Nationalpark in Australien. (Foto: EPA-EFE/David Mariuz)
Zum dritten Mal in den zurĂŒckliegenden Monaten musste Gladys Berejiklian den Notstand ausrufen. Die Premierministerin des sĂŒdöstlichen australischen Bundesstaats New South Wales griff am Donnerstag voriger Woche wegen der verheerenden BrĂ€nde zu der auf die Dauer einer Woche angesetzten MaĂnahme. Tausende Menschen wurden aufgefordert, weite Gebiete des Landes zu verlassen, die lokalen Behörden dĂŒrfen Menschen auch zwangsweise evakuieren. Bereits im November und ĂŒber die Weihnachtsfeiertage hatte Berejiklian wegen der BrĂ€nde den Notstand ausgerufen.
Seit September lodern in Australien Hunderte von kleineren und gröĂeren BuschbrĂ€nden. Bislang kamen mindestens 25 Menschen ums Leben, darunter mehrere Feuerwehrleute. Zahlreiche Personen werden vermisst. Insgesamt 8,4 Millionen Hektar Land verbrannten bisher, eine FlĂ€che gröĂer als Bayern; zudem wurden ĂŒber 2.500 HĂ€user zerstört. Ăkologen der University of Sydney schĂ€tzen, dass etwa 500 Millionen Tiere in den Flammen umkamen, darunter viele Exemplare einzigartiger Beuteltierarten. Koalas gelten mittlerweile als vom Aussterben bedroht. Allein in New South Wales dezimierten die Buschfeuer die Koala-BestĂ€nde um ein Drittel.
Trotz des Einsatzes vieler freiwilliger Helferinnen und Helfer sind etliche Feuer noch immer nicht unter Kontrolle. GroĂfeuer in der NĂ€he von Sydney und Canberra sorgen fĂŒr beiĂenden Rauch. Anwohnerinnen und Anwohner klagen ĂŒber anhaltende Atemwegsbeschwerden. Die seit Monaten anhaltende Luftverschmutzung hat mittlerweile sogar Werte ĂŒberschritten, die sonst eher aus IndustriestĂ€dten Indiens oder Chinas bekannt sind. Immer neue Hitzerekorde werden aus verschiedenen Landesteilen gemeldet. Selbst das sĂŒdliche Tasmanien, die kĂŒhlste Gegend Australiens, verzeichnete mit ĂŒber 40 Grad Celsius Rekordtemperaturen. Die extreme Hitze macht Mensch und Tier zu schaffen, Fische verenden, Vögel und FledermĂ€use fallen tot von den BĂ€umen.
Zwar gehören Hitzewellen und Buschfeuer in Australien zum Sommer â die letzte gröĂere Buschfeuerkatastrophe 2009 forderte ĂŒber 170 Tote im Bundesstaat Victoria â, doch dieses Mal setzten sie viel frĂŒher ein als in den Jahren zuvor. Extreme Temperaturen und hohe Windgeschwindigkeiten von bis zu 60 Stundenkilometer sorgen dafĂŒr, dass sich die BrĂ€nde schnell verbreiten. Ein Funke genĂŒgt, denn langanhaltender Regenmangel hat viele australische Landstriche völlig ausgetrocknet. In Victoria nĂ€hern sich die Flammen den Randgebieten Melbournes, viele Einwohnerinnen und Einwohner wurden aufgefordert, ihre HĂ€user und GrundstĂŒcke zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Vor allem Kommunen im Landesinneren ist das Wasser ausgegangen, andere stehen kurz davor. Sie sind auf tĂ€gliche Wassertransporte angewiesen. In vielen anderen Ortschaften gelten strikte WassersparmaĂnahmen.
Einer der gröĂten Wasserverbraucher ist die Kohle- und Bergbauindustrie.
Ursache der extremen Trockenheit ist der sogenannte Dipol im Indischen Ozean. Dort hat sich besonders das Wasser im Westen stĂ€rker als gewöhnlich erwĂ€rmt, wĂ€hrend es im Osten kĂŒhler geblieben ist. WĂ€hrend also Australien glĂŒht, kommt es in Ostafrika zu extremen NiederschlĂ€gen, Ăberschwemmungen und Erdrutschen. Wenngleich Klimaextreme fĂŒr die gegenwĂ€rtige Hitze verantwortlich sind, so sind doch viele Folgeprobleme hausgemacht.
Vor einigen Jahren noch sorgten starke RegenfĂ€lle fĂŒr volle StaudĂ€mme, mittlerweile sind fast alle Staubecken am unteren Limit angelangt. Neben der wasserintensiven Landwirtschaft â in einigen Teilen Australiens werden trotz des ariden Klimas Reis und Baumwolle angebaut â sind auch Wasserlizenzen fĂŒr die Viehwirtschaft problematisch; Australien exportiert Fleisch.
Einer der gröĂten Wasserverbraucher ist allerdings die Kohle- und Bergbauindustrie. Kohleminen wie die Carmichael-Mine des indischen Konzerns âAdani Groupâ im Bundesstaat Queensland erhalten von der australischen Regierung groĂe Wasserkonzessionen. Das chinesische Unternehmen âJoyful Viewâ erhielt erst Ende Dezember die Genehmigung, 96 Millionen Liter Wasser im Jahr aus dem dĂŒrregeplagten Queensland zu extrahieren. Die Verantwortlichen ignorieren die Wut der betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner. Manchen genĂŒgen selbst die groĂzĂŒgigen offiziellen Lizenzen nicht. Wasserdiebstahl ist verbreitet, oft gehen die Behörden dem nur unzureichend nach.
Wenn es um den Klima- und Ressourcenschutz geht, ist Australien alles andere als ein Vorbild. Bei den weltweiten Kohlendioxidemissionen ist es seit Jahren in der Spitzengruppe der ersten 20 LÀnder, noch vor einigen europÀischen Staaten, die dichter bevölkert sind.
Nicht nur fördert die konservative australische Regierung unter Premierminister Scott Morrison, genauso wie vorherige Regierungen, den Kohleabbau, sie macht auch KlimaschĂŒtzerinnen und -schĂŒtzern das Leben schwer. In einigen Bundesstaaten wie Queensland und Tasmanien, dem Zentrum der Holzindustrie, haben die Regierungen neue Gesetze erlassen, mit denen protestierende UmweltschĂŒtzerinnen und -schĂŒtzer schneller und hĂ€rter bestraft werden können. Auch die konservative Presse des Konzerns von Rupert Murdoch, der die australischen Medien dominiert, verunglimpft Umwelt- und KlimaschĂŒtzer, indem sie diese als âĂkoterroristenâ denunziert. Konservative Medien versuchen auĂerdem, den GrĂŒnen die Schuld an den Feuern zuzuschieben, da diese sich angeblich gegen kontrollierte Gegenfeuer aussprechen.
WĂ€hrend Australien die schlimmsten BrĂ€nde seit einem Jahrzehnt erlebt, machte Premierminister Morrison Urlaub auf Hawaii. Erst nach Protesten und RĂŒcktrittsforderungen bequemte er sich, nach Australien zurĂŒckzukehren, und entschuldigte sich fĂŒr seine Abwesenheit in diesen schweren Zeiten. Doch auch nach seiner RĂŒckkehr lieĂ er kein FettnĂ€pfchen aus. Bei einem Treffen mit Premierministerinnen und -ministern der einzelnen Bundesstaaten sagte er beispielsweise, dass EntschĂ€digungszahlungen fĂŒr freiwillige Feuerwehrleute âkeine PrioritĂ€tâ fĂŒr seine Regierung hĂ€tten. Wegen des wachsenden öffentlichen Drucks musste er jedoch Zahlungen in Aussicht stellen.
Auf die Forderungen von UmweltschĂŒtzerinnen und -schĂŒtzern, seine Kohlepolitik zu ĂŒberdenken, entgegnete Morrison lediglich, dass er sich nicht auf solche ârĂŒcksichtslosen Forderungenâ einlassen werde, die âArbeitsplĂ€tze zerstören und die Wirtschaft schĂ€digenâ. Stattdessen betet er fĂŒr Regen, wie es sich fĂŒr einen evangelikalen Christen gehört. AuĂerdem wurde er beim Baden am Strand in Sydney gesichtet, was seiner Beliebtheit ebenso schadete wie die missglĂŒckten Begegnungen mit den Opfern der Buschfeuer.
Kurz vor Silvester unterzeichneten ĂŒber 250.000 Menschen eine Petition, in der sie dafĂŒr plĂ€dierten, das Feuerwerk in Sydney, bei dem jĂ€hrlich an die fĂŒnf Millionen Euro verballert werden, ausfallen zu lassen. Angesichts der verrauchten Luft könne man auf zusĂ€tzliche Luftverschmutzung verzichten und das damit gesparte Geld besser den Feuerwehrleuten zukommen lassen. Eine Pressesprecherin der Stadt Sydney kritisierte diese VorschlĂ€ge entschieden, denn den von den BuschbrĂ€nden betroffenen Kommunen sei mit zusĂ€tzlichen GeschĂ€ftseinbuĂen bei Inhaberinnen und Inhabern von Restaurants und Hotels nicht geholfen. AuĂerdem wolle man âunter keinen UmstĂ€nden den aus nah und fern angereisten Touristen die Silvesternacht vermasselnâ. Des Weiteren sei das meiste Geld schon fĂŒr das Feuerwerk ausgegeben worden und stehe somit ohnehin nicht mehr zur VerfĂŒgung.
Ungeachtet dessen stellt sich die Situation nicht nur fĂŒr Touristen weiterhin eher unerfreulich dar: Wegen der erneut ansteigenden Temperaturen wird mit einer weiteren Zuspitzung der Lage gerechnet.

