Die Antarktis schmilzt weg

von | 06.04.2021

Eine neue Studie legt nahe, dass kritische Schwellenwerte in der Westantarktis bereits überschritten wurden. Das könnte dazu führen, dass der Meeresspiegel um drei Meter ansteigt.

Schmilzt der Pine-Island-Gletscher, könnte das den gesamten Westantarktischen Eisschild mitreißen. (Foto: NASA)

Ein internationales Forscher*innenteam unter der Leitung von Sebastian Rosier von der britischen Northumbria University hat ein Modell entwickelt, mit dem die Kipppunkte für das Schmelzen des Pine-Island-Gletschers berechnet werden konnten. Bereits heute ist der Gletscher gemeinsam mit seinem Nachbar, dem Thwaites-Gletscher, für rund zehn Prozent des globalen Meeresspiegelanstiegs verantwortlich. Die Studie wurde Ende März im Fachmagazin The Cryosphere veröffentlicht.

Seit längerem bereitet der Westantarktische Eisschild Klimaforscher*innen Sorge. Kollabiert er, bedeutet das einen Anstieg des weltweiten Meeresspiegels um drei Meter. Das würde sich über hunderte Jahren hinziehen, wäre dennoch eine Katastrophe für Küstengebiete: Viele Städte, die heute dicht besiedelt sind, stünden unter Wasser. So würden von Amsterdam und Venedig nur kleine Inseln übrig bleiben. Der Pine-Island-Gletscher ist 250 Kilometer lang und etwa 2 Kilometer dick und macht ungefähr ein Zehntel des Westantarktischen Eisschildes aus.

Bisher war nicht klar, ob der Gletscher ganz abschmelzen könnte. Die Forscher*innen haben dies durch ihr Modell nun klar bewiesen. Sie haben drei verschiedene Kipppunkte ausgemacht, die zu massiven Eisschmelzen führen. Während die ersten beiden mit großen Anstrengungen beim Klimaschutz potenziell reversibel sind, gilt das nicht für den letzten Kipppunkt. Erhitzt sich der Ozean in der Westantarktis um 1,2 Grad Celsius, führt das laut dem Modell der Forscher*innen zu einem unaufhaltsamen Abschmelzen.

„Die Möglichkeit, dass diese Region einen Kipppunkt überschreitet, wurde in der Vergangenheit bereits diskutiert, aber unsere Studie ist die erste, die bestätigt, dass der Pine Island Glacier tatsächlich diese kritischen Schwellenwerte überschreitet“, sagt der Hauptautor der Studie, Sebastian Rosier, in einer Mitteilung der Northumbria University.

Die Studie ist vor allem deswegen bemerkenswert, weil sie sehr konkret die Gefahren einer irreversiblen Gletscherschmelze in der Westantarktis aufzeigt. Der Rückzug eines Gletscher muss nicht zwingend heißen, dass die Eisformation sich nicht mehr erholen kann. Die Modellrechnungen, die nun publiziert wurden, bestimmen nicht nur Kipppunkte, von denen sich der Gletscher nicht mehr erholen kann, sondern identifizieren auch frühzeitige Warnsignale, an denen das Erreichen dieser Kipppunkte erkannt werden kann.

Das Ansteigen des Meeresspiegels ist eine der deutlichsten Auswirkungen der Klimakrise, die das Antlitz unseres Planeten für Jahrhunderte verändern wird. Die meisten Klimaszenarien gehen aktuell von einem Anstieg von unter einem Meter bis 2100 aus. Während einige Inselstaaten bereits von wenigen Zentimetern Anstieg in ihrer Existenz bedroht sind, müssen sich auch andere Länder Gedanken darüber machen, wie sie den Kampf gegen die steigende See gewinnen können. Diese woxx-Reportage aus 2019 zeigt das am Beispiel der Niederlande.

Dat kéint Iech och interesséieren

ËMWELTPODCAST

Am Bistro mat der woxx #376 – Directive de la vigilance

Chaque semaine, le podcast de la woxx vous offre un regard en coulisses sur notre travail journalistique et explore les enjeux derrière nos articles. Cette semaine-ci, les journalistes Fabien Grasser et María Elorza Saralegui se centrent sur une directive européene concernant le devoir de vigilance. Considérablement affaiblie lors des...

PODCAST

Am Bistro mat der woxx #375 – Wéi hëtze mir an der Zukunft?

All Woch bitt d’woxx Iech an hirem Podcast en Abléck an hir journalistesch Aarbecht a beliicht d’Hannergrënn vun engem Artikel. Gas a Masutt ginn de Moment erëm méi deier, well Krich am noen Osten ass. Dat wier nieft dem Klimaschutz e weidere Grond, fir esou séier wéi méiglech op aner Methode fir ze Hëtzen ëmzeklammen. Bis 2050 wëll Lëtzebuerg...