Schmutzig und sinnlos

von | 11.09.2009

Der umstrittene Luftangriff in Afghanistan hat in Deutschland zu einer Diskussion über den Sinn des Einsatzes geführt. Doch auch Luxemburg ist an diesem schmutzigen Krieg beteiligt.

„Wenn es so unkompliziert ist, Bomben loszulassen, dann sind so genannte Kollateralschäden nicht auszuschließen“, wunderte sich der luxemburgische Außenminister im Radio nach dem deutschen Luftangriff in Afghanistan, der zahlreiche ZivilistInnen das Leben gekostet hat. Man sagt, das erste Opfer des Krieges sei die Wahrheit. Und sein erster Verbündeter ist wohl die Vergesslichkeit: „Es ist richtig, dass wir dort sind für unsere Sicherheit, aber vor allem aus Respekt für die Menschen, die in Afghanistan leben, dass wir helfen, wieder Sicherheit herzustellen und das Land wieder aufzubauen“, rechtfertigte Asselborn den Einsatz der westlichen Truppen und bedauerte, dass solche Aktionen „das Ganze in ein schlechtes Licht rücken“.

Asselborns schöne Worte von Sicherheit herstellen und Einwohner respektieren klingen wie jene, die französische Minister während des Algerienkriegs oder US-Verantwortliche während des Vietnamkriegs zum Besten gaben. Beides Konflikte, die dem 60-jährigen Sozialdemokraten ein Begriff sein dürften und bei denen er vermutlich nicht behaupten würde, die westliche Militärpräsenz sei „richtig“ gewesen. Gewiss, mit den Kräften, gegen die sich der westliche Einmarsch in Afghanistan 2001 richtete – Al-Qaida und das unterdrückerische Taliban-Regime – will sich kaum jemand solidarisieren. Auch die algerische FLN und die Vietcong waren seinerzeit nicht unbedingt der Inbegriff humanistischer Werte. Doch das war und ist kein Grund, die schmutzigen Kriege zu unterstützen, die der Westen damals und heute führt. Rücksichtsloses Vorgehen des Militärs ist nicht die Ausnahme, wie es Asselborn glauben machen will, sondern die Regel.

Vergessen auch, dass diese Kriege sinnlos waren – genau wie die heute geführten. In Afghanistan tragen die USA einen Privatkrieg gegen Al-Qaida und Taliban aus, der gegenüber der Stabilisierung des Landes Vorrang genießt. Die zivilen US-Hilfsleistungen mit dem Ziel, Informationen über ihre Gegner zu bekommen, haben dazu geführt, dass neutrale westliche Hilfsorganisationen wie Médecins sans frontières von den Taliban bedroht wurden und Afghanistan verließen. In Pakistan unterstützte der Westen jahrelang General Pervez Musharraf, weil dessen Militärdiktatur Stabilität garantieren sollte – wie im Nachbarland führte es aber vor allem zu einer Stärkung der islamistischen Kräfte.

Bereits 2001 war klar, dass „Nation Building“, wie von der UNO vorgegeben, kein leichtes Unterfangen werden würde in einem Land, das schon über 20 Jahre Bürgerkrieg hinter sich hatte. 1979 waren sowjetische Truppen einmarschiert und hatten einen schmutzigen Krieg gegen islamische Widerstandsgruppen geführt – aus westlicher Sicht waren damals die Sowjets Imperialisten und ihre Gegner „Freiheitskämpfer“. So viel zur Vergesslichkeit.

Wenn jetzt, acht Jahre nach dem westlichen Einmarsch, Jean Asselborn davon spricht „das Land wieder aufzubauen“, dann klingt das wie eine Farce. Eine gefährliche Farce allerdings, wie die am Kabuler Flughafen stationierten Luxemburger Soldaten erfahren mussten: Bei einem Selbstmordattentat am Hauptportal kamen zwei Personen ums Leben und mehrere wurden verletzt, unter anderem ein belgischer Soldat. Doch die Hauptleidtragenden des Afghanistan-Desasters sind nicht die westlichen Truppen, sondern die EinwohnerInnen. Denn die vermeintlich „richtige“ militärische Einmischung hat neue Probleme geschaffen ohne die alten zu lösen und steht für ein verlorenes Jahrzehnt in Sachen Frieden und Menschenrechte.

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