Mouvement écologique contra Google

von | 22.12.2017

Der Bau des Google-Data-Centers in Luxemburg wird immer wahrscheinlicher. Ein Überblick ĂŒber die vom Mouvement Ă©cologique in den vergangenen Monaten kritisierten Punkte.

Google als Symbol fĂŒr verfehlte Wirtschaftspolitik. Mouvement-Aktion vor dem Grand Théùtre.
(Bildquelle: www.meco.lu)

Was hat Umweltschutz mit Google zu tun? „Der Mouvement Ă©cologique erwartet (…) klare Aussagen, aufgrund welchen reell zu erwartenden mittelfristigem wirtschaftlichen Mehrwertes die Regierung die Ansiedlung von Google in Luxemburg derart befĂŒrwortet!“ Das schrieb die Umwelt-NGO Anfang Oktober dieses Jahres. Im Juli hatte der Internetriese dem Luxemburger Staat eine Art Ultimatum fĂŒr den Kauf von GrundstĂŒcken zwecks Bau eines Data Centers gestellt. Doch erst im September hatte die Regierung – die das Projekt befĂŒrwortet – eine Einigung zwischen den betroffenen Landbesitzer*innen erreichen können.

Das Projekt blieb auch danach in Frage gestellt, bis am 11. Dezember bekannt wurde, dass Google die GrundstĂŒcke bei Bissen gekauft hat. Bevor ĂŒber den Bau des Data Centers entschieden werden kann, mĂŒssen jetzt erst noch landesplanerische Prozeduren durchlaufen und Studien, unter anderem zur UmweltvertrĂ€glichkeit, erstellt werden.

Steht Google fĂŒr qualitatives Wachstum?

„Was heißt ‚grĂŒnes‘ Wachstum?“ Fragen wie diese, vom Mouvement in Zusammenhang mit dem Google-Projekt im Oktober aufgeworfen, werden sicher wieder diskutiert werden, wenn die Entscheidung fĂŒr das Data Center konkreter wird. Die NGO will sich nicht fĂŒr oder gegen Google aussprechen, sondern die Frage in einem breiteren Zusammenhang sehen. Die Regierung versucht bekanntlich, unter anderem mithilfe des Rifkin-Prozesses, ein neues, „qualitatives“ Wachstumsmodell fĂŒr Luxemburg zu entwickeln. Dabei soll das Land weiterhin von den wirtschaftlichen Vorteilen des Wachstums profitieren, so die Regierung, ohne aber dessen Nachteile – Bevölkerungszuwachs, Pendlerströme und Ressourcenverbrauch in Kauf nehmen zu mĂŒssen.

Wo Daten fließen, fließt auch Strom. Google-Data-Center in The Dalles, Oregon, USA.
(Wikimedia / Visitor7 / CC BY-SA 3.0)

Das Data Center wĂŒrde tatsĂ€chlich mit nur 300 Arbeitnehmer*innen eine erhebliche Wirtschaftsleistung erbringen, dafĂŒr allerdings 25 Hektar Land und enorme Mengen an Strom und Wasser verbrauchen. Man erachte es „als unerlĂ€sslich, dass die Regierung weitaus konkreter offenlegt, was sie denn nun unter ‚grĂŒnem Wachstum‘ reell versteht“, schrieb der Mouvement und stellte die grundsĂ€tzliche Frage: „Welcher Ressourcenverbrauch (Energie, FlĂ€che, Wasser 
) wird zudem im VerhĂ€ltnis zu welcher Wertschöpfung als vertretbar angesehen?“

Nischenpolitik, Strompreisdumping, Wasserverbrauch

Weitere Punkte, die von der NGO aufgeworfen wurden, sind: Geht es hier um eine neue Nische, angesichts des Vetos Luxemburgs bei den EU–PlĂ€nen zur Besteuerung der Internetkonzerne? Ist der fĂŒr Google attraktive, niedrige Strompreis mit den klimapolitischen ErklĂ€rungen der Regierung vereinbar? Was bedeutet der Wasserverbrauch von ĂŒber zehn Prozent des landesweiten Konsums fĂŒr die Ökonomie der Trinkwasserversorgung?

Ob es der Mouvement Ă©cologique wohl bedauert, dass das Data Center am Ende wahrscheinlich doch gebaut wird? Immerhin hat die NGO das Google-Projekt in der Zwischenzeit mehrfach als Beispiel benutzt, um die Nachhaltigkeit der Regierungspolitik infragezustellen. So zum Beispiel bei der „grundsĂ€tzlichen EinschĂ€tzung der Regierungsarbeit“ im Rahmen des Mecoskop und bei der Mouvement-Stellungnahme im Rahmen der Rifkin-Debatte in der Chamber (zu beiden Themen siehe woxx-Nummern 1450 und 1448).

Goooooogle-Seifenblasen

Hingewiesen sei insbesondere auf den Flyer, den die NGO am Eingang zum Grand Théùtre verteilte, wo am 9. November ein RundtischgesprĂ€ch zum Rifkin-Prozess und zum qualitativen Wachstum stattgefunden hat (siehe woxx 1449). Einige Mouvement-Aktivist*innen hielten Plakate, andere bliesen große und kleine Seifenblasen in die kalte Morgenluft. Und im Flyer wurde einmal mehr das Google-Projekt angefĂŒhrt – als Illustration fĂŒr die These, qualitatives Wachstum sei „eine begriffliche Seifenblase“.

Update: Der Titel lautete ursprĂŒnglich „Mouvement Ă©cologique gegen Google“, was man so verstehen könnte, dass die NGO sich klar gegen das Projekt ausgesprochen hĂ€tte. Wie im Text angefĂŒhrt, ist dem nicht so, der Mouvement hat nur Argumente vorgebracht, die „gegen“ das Projekt gerichtet sind.

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