Mit dem Thema Wasser ist unser KleingÀrtner nach der vorausgegangenen Kolumne noch nicht fertig. Dieses Mal erklÀrt er unter anderem, was Talsperren und Kernkraftwerke gemeinsam haben. Und dann ist da noch Katar.

Kaum ĂŒberdacht, aber durchaus mit Charme: Das Stadion im polnischen Bytom ist fĂŒr Traditionalisten eine Reise wert. Und der letzte linke KleingĂ€rtner könnte in den GrĂŒnflĂ€chen der Gegengeraden wĂ€hrend dem FuĂballgucken sogar Bohnen anbauen. (Foto: pxhere)
WĂ€hrend diese Kolumne entsteht, beginnt in Katar die FuĂball-WM und drauĂen ist es mal wieder richtig fies nasskalt. Es regnet und die Temperatur ist nicht viel ĂŒber null Grad. In Katar hingegen gibt es nicht viel Wasser, zumindest wenig salzfreies Trinkwasser. Was da ist, wird benötigt, um den Rasen in den FuĂballstadien zu wĂ€ssern, die aus dem WĂŒstenboden gezaubert wurden.
Wobei der Zauber recht irdischen Ursprungs war und im Wesentlichen aus den Zutaten Fifa, Schweiz, Kapitalismus, Ausbeutung und toten Arbeitern bestand. Man muss ja wahrlich kein muffeliger Traditionalist sein. Keiner, der von FuĂball nur dann schwĂ€rmt, wenn er in strömendem Regen in nicht ĂŒberdachten Stadien mit nicht funktionierenden Toiletten stattfindet und man sich deshalb von einer ErkĂ€ltung zur nĂ€chsten durch den Winter hangeln muss. Der moderne FuĂball hat durchaus Annehmlichkeiten vorzuweisen. Aber FuĂballstadien dorthin zu bauen, wo sich niemand sonderlich fĂŒr FuĂball interessiert, ist ungefĂ€hr so geistreich wie demnĂ€chst auf der höchsten Sahara-DĂŒne die Eröffnungsabfahrt im Ski-Weltcup zu organisieren. Den Schnee mĂŒsste man aus Wasser machen, was aber gar nicht in der nötigen FĂŒlle vorhanden ist.
WĂ€hrend die Welt, zumindest die sich selbst frei glaubende Welt, den iranischen Frauen fĂŒr ihren unfassbar mutigen Kampf um reale Freiheiten applaudiert, hat die gleiche freie Welt gar kein so groĂes Problem damit, eine FuĂball-WM dort auszurichten, wo eine Regierung sitzt, die weltweit Islamismus protegiert, fördert und finanziert. Zum Beispiel die Hamas und die MuslimbrĂŒder. Bei der Hamas trifft das Geld aus Katar dann wieder auf Waffen und Logistik aus dem Iran. Statt seitens der Hamas das Geld und die Logistik fĂŒr die Verwandlung von Meerwasser zwar nicht in Wein (wĂ€re aber auch schön!), aber immerhin in Trinkwasser zu verwenden, kauft man von dem Geld aus Katar und Teheran lieber Waffen und ballert damit auf JĂŒdinnen und Juden. So ist das also in der modernen Welt mit den neuzeitlichen Begegnungsreisen und der Vielfalt. Frauen und die Juden scheinen fĂŒr viele das hasserfĂŒllte Ziel zu sein.
Die Geschichte des Umgangs mit Wasser ist auch die Geschichte der gescheiterten Experten mit ihren hochtrabenden PlÀnen. Im ausgehenden 19. Jahrhundert war in Deutschland der Bau von Talsperren der letzte technologische Schrei. Ganze Heerscharen von Architekten und Ingenieuren zogen durch die Lande und propagierten deren Bau.
Die Talsperren sollten gleich fĂŒnf existenzielle Probleme auf einen Schlag lösen. Durch das Aufstauen des Wassers gebe es kein Hochwasser mehr, es sei Wasser vorhanden fĂŒr die privaten Haushalte ebenso wie fĂŒr die Industrie und die Landwirtschaft. Dank Turbinen lasse sich mit dem Wasser zugleich Strom im Ăberfluss produzieren. Sozusagen ein perfektes Wassermanagement, bei dem es nur Gewinner gibt. Das Paradies ist keine Utopie mehr. Nun ja, die paar Fische, deren Weg durch den Staudammbau erstmal blockiert wird, kann die Menschheit wegstecken.
⊠ungefĂ€hr so geistreich wie demnĂ€chst auf der höchsten Sahara-DĂŒne âšdie Eröffnungsabfahrt im âšSki-Weltcup zu organisieren.
Soweit der Lobpreis. Dumm nur, dass damals sehr einfĂ€ltige Freunde der technischen Machbarkeit die MeinungsfĂŒhrerschaft hatten. Die können zwar heute wie damals schicke Evaluationslisten erstellen und mit stĂ€ndig steigenden Erfolgskurven prahlen. Die ZusammenhĂ€nge verstehen sie aber meistens nicht. Und die sehen in unserem Falle so aus: Ist der Teich, also die Talsperre, voll, laufen zwar die Turbinen gut, aber die Talsperre nĂŒtzt nichts, um gegen Hochwasser zu schĂŒtzen. LĂ€sst man sie dagegen leerlaufen, schĂŒtzt sie in der Tat gegen Hochwasser, aber die Stromproduktion liegt darnieder und es steht kein Wasser zur VerfĂŒgung. Landwirtschaft, Industrie und Haushalte sitzen im Trockenen. Entnimmt man Wasser fĂŒr die Industrie, leitet die es verdreckt wieder in den Fluss zurĂŒck und es ist wertlos fĂŒr die Landwirtschaft und den Haushalt. Die allzeit passende Vokabel dafĂŒr ist âTeufelskreislaufâ. Da gehe ich nicht ran, den Teufel hat sogar Jesus, von dem ich mir viel abgeschaut habe, nicht besiegt. Das lassenâwir.
Die blumigen Versprechen, dank der Talsperren paradiesische ZustĂ€nde mit glĂŒcklich strahlenden Menschen zu kreieren, wiederholte sich 70 Jahre spĂ€ter beim Bau von Atomkraftwerken. Das Scheitern der Utopie auch.
Praxistipps spezial: Wie hilft mir Wasser, die Katar-WM âšerfolgreich zu boykottieren?
1. Lese eine Gartenkolumne und trinke Wasser, also Bier oder Wein. Das ist ein Segen fĂŒr die Menschheit.
2. Putze deine Wohnung und verwende sanftes Bio-Putzmittel. Das ist gut fĂŒr die Ăkologie und gut fĂŒr den FuĂball.
3. Trinke Mineralwasser und gehe spazieren. Das ist gut fĂŒr deinen Körper und den FuĂball.

