Festival: Save the last (Summer) dance

Das luxemburgische Festival-Karussell dreht weiter. Die nächste Ausstiegsmöglichkeit befindet sich in Erpeldingen. Dort erwartet das Publikum beim „Last Summer Dance“ eine kleine, aber feine Veranstaltung, die sich ihren heimeligen Charme bewahren möchte.

Fotos: Last Summer Dance

„Ein Festival, das die Gesellschaft widerspiegelt, so wie wir sie gerne hätten“, so erklärt Véronique Heitz, eine der Organisator*innen des Festes, das dieses Wochenende im Norden des Landes stattfindet, das „Last Summer Dance“. Das Team rund um das Event im Erpeldinger Schlosspark direkt an der Sauer baut kein Utopia auf, sondern steht für das ein, was Luxemburg eigentlich ausmacht. Offenheit, Multikulturalität und die Möglichkeit, Neues zu entdecken – wenn man denn endlich mal die eigene Komfortzone verlässt.

Bei der nunmehr sechsten Ausgabe des ehrenamtlich organisierten Festivals angekommen, habe man definitiv schon ein gutes Stück des Wegs zurückgelegt, findet Heitz. Man befinde sich zwar nicht mehr im Anfängerstatus, habe den eigenen Entwicklungsprozess aber noch längst nicht abgeschlossen. „Es handelt sich für uns nach wie vor um eine Reise, auf der es stets gilt, sich selbst zu hinterfragen.“ Das „Last Summer Dance“, das seit 2013 besteht, legte 2017 eine Pause ein. So habe man einem gewissen Erschöpfungszustand entgegenwirken können, der dem noch jungen Team damals geblüht hätte, weil mehrere Mitglieder gerade in jenem Jahr wegen Arbeit oder Studium weniger verfügbar waren. Demnach wurde sich gegen einen Parforceritt mit kleinerer Besetzung entschieden.

Ganz ohne weitere helfende Hände geht es nämlich nicht. Es sei zwar gewissermaßen immer Not am Mann und an der Frau, aber: „Wir haben es trotzdem immer irgendwie geschmass kritt“, so Heitz, „weil wir uns auf Menschen verlassen können, die bereit sind, an diesem Wochenende zahlreiche Schichten zu übernehmen. Es gibt sogar Helfer*innen, die sich extra eine Woche davor schon freinehmen, um beim Aufbau mit anzupacken. Da fehlen einem definitiv die Worte, um auszudrücken, wie viel das auf menschlicher Ebene wert ist. Ohne sie wäre es nicht möglich.“ Mit dem SNJ sowie der Gemeinde Erpeldingen habe man zudem Partner gefunden, die einem das Leben in vielen Hinsichten erleichterten. Man müsse sich zum Beispiel nicht jedes Jahr auf ein Neues Sorgen darum machen, ob man das Gelände nutzen dürfe oder nicht. Folglich bleibe mehr Raum und Energie, um sich um das Kerngeschäft des Festivals, nämlich das Kulturangebot, zu kümmern.

Neben einzigartigen Highlights kommt man laut Heitz in Luxemburg nicht ganz daran vorbei, junge aufstrebende Talente – wie die Singer-Songwriterin Francis of Delirium – zur gleichen Zeit zu entdecken wie die Booker*innen anderer Festivals. Das sei aber nicht weiter tragisch, denn „diese haben definitiv genug Talent, dass man sich darüber freut, sie mehr als einmal im Sommer auf einer Bühne zu erleben.“ Auch Bands aus dem Ausland würden das kleine Festival an der Sauer mittlerweile kontaktieren, um dort auftreten zu dürfen. Einige „coups de coeur“ des Teams fehlen auch beim diesjährigen Line-up nicht. Véronique Heitz war beispielsweise vor mehreren Jahren auf dem „Koll an Aktioun“ von der französischen „chanson festive“ der Band „Faut qu‘ça guinche“ derart begeistert, dass sie diese unbedingt in Erpeldingen dabei haben wollte.

„Dadurch sieht man, wie sich die zahlreichen Festivals auf luxemburgischem Boden gegenseitig inspirieren können.“ Dieses Phänomen funktioniere in mindestens zwei Richtungen, da auf dem „Koll“ dieses Jahr eine Band gespielt habe, die zuvor beim „Last Summer Dance“ gewesen sei. Auch gäbe es Künstler, mit denen man schon mehrere Jahre zusammenarbeite. Sie kämen wieder, was wiederum nicht bedeute, dass man den Sound unbedingt schon kenne. Die junge Jazzmusikerin Claire Parsons sei beispielsweise bereits mit einer ihrer etlichen Kombos an der Sauer aufgetreten, präsentiere dieses Jahr nun aber ihr Electro-Solo-Projekt „Oh Klair“, das Überraschungen bereithalte.

Mehr Informationen zum Line-up, den Workshops, der Kunstausstellung sowie den Markt- und Essensständen finden Sie auf https://lastsummer-dance.squarespace.com

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