Gewalt: Ergänzendes Zahlenmaterial

von | 07.06.2024

Eine neue Studie des Statec liefert wichtige Zahlen bezüglich Gewalt- erfahrungen und deren Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit. Dabei wurden Unterschiede je nach Geschlecht, Alter, Wohnort, Einkommen und Herkunftsland deutlich.

61 Prozent der in Luxemburg lebenden Gewaltopfer leiden unter psychischen Folgen: Sie beklagen etwa Schlaf- und Essstörungen, Einsamkeit, eine Minderung ihres Selbstbewusstseins sowie ein Gefühl der Verletzlichkeit und Unsicherheit. Dies trifft in höherem Maß auf weibliche Opfer als auf männliche zu. Die Altersgruppe der 35- bis 54-Jährigen ist von Gewalt- erfahrungen am stärksten betroffen.

Diese und viele weitere Erkenntnisse gehen aus einer kürzlich veröffentlichten Erhebung des Statistik- amts Statec hervor. 5.695 Personen über 16 Jahre wurden im Rahmen der Studie zwischen 2019 und 2021 per Online-Fragebogen oder Telefon befragt. Die Teilnehmer*innen wurden zufällig ausgewählt, etwas weniger als die Hälfte davon sind weiblichen Geschlechts. Die Erhebung soll einen Überblick über die Auswirkungen von Gewalterfahrungen innerhalb der Bevölkerung geben.

Die Fragen beziehen sich einerseits auf Gewalterfahrungen, andererseits auf das Sicherheitsgefühl, die Angst vor Kriminalität und die Zufriedenheit mit dem hiesigen Justizapparat. Bei den Gewalterfahrungen geht es zum einen um die Art der Gewalt, zum anderen um deren Auswirkungen, egal ob physisch (etwa Verletzungen oder Geldverlust) oder psychisch.

Die Gewalterfahrungen, die im Rahmen der Erhebung berücksichtigt wurden, decken ein breites Spektrum ab und reichen von Finanzkriminalität und Betrug über intrafamiliäre Gewalt, bis hin zu Vandalismus und „incivilités“. Dabei ist es unerheblich, ob die Befragten die Gewalt in Luxemburg oder im Ausland erlebt haben.

Unterschiedliche Auswirkungen

In manchen Untersuchungskategorien werden klare Unterschiede zwischen den Geschlechtern deutlich. Rund 29 Prozent der Befragten, die bereits Opfer eines Diebstahls geworden sind, wurden dabei physisch verletzt, 23 Prozent benötigten medizinische Versorgung. Jungen und Männer sind dabei fast doppelt so oft von Blessuren betroffen und mussten fast dreimal so oft medizinisch versorgt werden wie Mädchen und Frauen. Bei finanziellen Verlusten durch Diebstähle beklagen Frauen über 55 Jahre den größten Schaden.

56 Prozent der befragten Gewalt- opfer berichten von Angstzuständen und Panikattacken, 18 Prozent beklagen Schlaf- oder Essstörungen, genauso viele leiden unter Scham- oder Schuldgefühlen, 12 Prozent unter sozialer Isolierung, 6 Prozent haben Schwierigkeiten sich zu konzentrieren oder zu erinnern. Mädchen und Frauen sind von diesen Beschwerden im Durchschnitt stärker betroffen als Jungen und Männer. 3 Prozent berichten in der Folge einer Gewalterfahrung von Suizidgedanken, etwas mehr männliche Befragte sind diesbezüglich betroffen als weibliche.

Auch beim Alter gibt es Unterschiede. Opfer unter 35 Jahren beklagen im Schnitt häufiger, unter Schlaf- und Essstörungen und sozialer Isolierung zu leiden. Bei den 35- bis 54-Jährigen wiederum sind Konzentrationsschwächen und der Verlust des Selbstbewusstseins höher als in anderen Altersgruppen.

Insgesamt ist die psychische Belastung für Gewaltopfer dann am ausgeprägtesten, wenn es sich um Frauen zwischen 35 und 54 Jahren mit niedrigem Einkommen handelt. Aus der Studie geht zudem eine Korrelation zwischen emotionaler Belastung und Herkunftsland hervor: Wer im Ausland geboren wurde, leidet mehr als Personen, die in Luxemburg zur Welt gekommen sind. Die Forscher*innen gehen davon aus, dass die soziale Integration hier eine Rolle spielt: „Les liens sociaux renforcent la résilience, qui à son tour, aide les personnes touchées à surmonter les épreuves qu’elles ont vécues“. Eine weitere Korrelation, die festgestellt wurde, betrifft den Wohnort: Wer sein Wohnviertel als unsicher empfindet, leidet psychisch stärker unter einer Gewalterfahrung.

Für das Statec stellt die vorliegende Erhebung eine wichtige Ergänzung zu den Statistiken von Polizei, Staatsanwaltschaft und Gefängnisadministrationen dar. Diese vermittelten, so die Erklärung des Statec, durch ihre Beschränkung auf Fälle, die gemeldet oder zu einer Klage geführt hätten, ein unvollständiges Bild der Kriminalität in Luxemburg. Im Jahr 2013 führte das Statec zum ersten Mal eine Studie zum Thema Sicherheit durch.

 

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