Gewalt: Hilfe rund um die Uhr

von | 08.05.2026

Das Centre national pour victimes de violences feiert sein erstes Jubiläum und erweitert sein Angebot: Seit Anfang Mai ist es 24/7 geöffnet, mit Helpline und juristischer Beratung.

Nach einem Jahr weitet das Centre national pour victimes de violences sein Angebot auf ein 24/7-Angebot aus. Auch die Helpline ist unter 2060 1060 ganztägig zu erreichen. (Foto: Nadine E/Unsplash)

Anfang Mai letzten Jahres öffnete die erste zentrale Anlaufstelle für alle Opfer von Gewalt, unabhängig von Geschlecht oder Alter, ihre Türen. Vergangenen Montag erweiterte das „Centre national pour victimes de violences“ (CNVV) sein Angebot: Menschen, die Gewalt erlebt haben, können seitdem rund um die Uhr persönlich, telefonisch oder per Mail beim CNVV Hilfe erhalten. Das Zentrum ist ein sicherer Ort, an dem Opfer psychosozial unterstützt und medizinisch versorgt werden können; zudem gibt es durch die Anbindung an die medizinische Einheit „Umedo“, die in Luxemburg gewalttätige Verletzungen dokumentiert, die Möglichkeit, Beweise sichern zu lassen und – sofern gewünscht – noch vor Ort Anzeige zu erstatten. Im Zuge der Erweiterung der Öffnungszeiten ist die Möglichkeit einer kostenlosen juristischen Beratung, wöchentlich mittwochs zwischen 18 und 19:30 Uhr und freitags zwischen 12:30 und 14 Uhr, hinzugekommen. Auch eine 24/7 zugängliche Helpline unter der Nummer 2060 1060 ist neu. „Das hier ist ein ‚One-Shop-Stop‘“, beschrieb Gleichstellungsministerin Yuriko Backes (DP) das Pilotprojekt auf der Pressekonferenz zum ersten Jubiläum.

Für Backes ist das CNVV ein „Herzensprojekt“, das vom Gleichstellungsministerium koordiniert und initiiert wurde, und wegen seines breiten Ansatzes auch die Gesundheits-, Justiz-, Jugendministerien und das Ministerium für Inneres mit einbezieht. Während bei der Eröffnung 2025 neben Gesundheitsministerin Martine Deprez und Justizministerin Elisabeth Margue noch Bildungsminister Claude Meisch und Polizeidirektorin Kristin Schmit als Vertretung für Innenminister Leon Gloden anwesend waren, blieben die Ministerinnen beim Jubiläum von der Regierungsseite unter sich. Neben den Staatsvertreterinnen saß, damals wie heute, Ashanti Berrend, die das Zentrum im Auftrag der Croix-Rouge leitet; gemeinsam präsentierten sie die ersten gesammelten Zahlen.

Psychische Gewalt auf Platz eins

Diese würden die Wichtigkeit und Notwendigkeit des CNVV unterstreichen, betonten alle Sprecherinnen. In knapp einem Jahr ersuchten 397 Personen die Hilfe des CNVV, das sich in der Nähe der Haltestelle „Stäreplaz“ in Luxemburg-Stadt befindet: 179 davon vor Ort, 51 telefonisch und 41 per E-Mail. „Wir hatten gerade eröffnet, da hatten wir bereits die erste Mail im Postfach“, erzählt Berrend. Diese schnelle Inanspruchnahme des Angebots habe sie überrascht. Für Erstaunen sorgte auch der statistische Fund, dass psychische Gewalt in 132 Fällen eine Rolle spielte – und demnach vor körperlicher Gewalt (90 Fälle) und sexualisierter Gewalt (27 Fälle) auf Platz eins der Gewaltarten landete. Unter den Opfern waren 132 Frauen, 45 Männer und zwei nichtbinäre Personen. Insgesamt waren 26 Minderjährige betroffen. Während das Team des CNVV nur in Extremfällen, zum Beispiel bei lebensbedrohlichen Situationen, von sich aus behördliche Hilfe einschaltet, müssen Fälle von Gewalt gegen Kinder und Jugendliche immer an den Parquet Jeunesse weitergegeben werden. 16 Mal ist dies seit der Eröffnung geschehen. Die Differenz ergibt sich daher, dass manchmal mehrere Kinder in einem Fall betroffen sind, erklärt Berrend im Gespräch mit der woxx.

Von den fast 400 Fällen hätten einige Personen mehr als einmal das CNVV kontaktiert. „Im Kontext von häuslicher Gewalt kommt es vor, dass Menschen über einen längeren Zeitraum immer wieder zu uns kommen“, so Berrend. Mit knapp 70 Prozent handelt es sich bei den meisten Fällen um Gewalt innerhalb der Familie. „Wenn die Personen einverstanden sind, fragen wir auch nach einer bestimmten Zeit nochmal nach, ob Hilfsbedarf besteht“, fügt Berrend hinzu. So wird garantiert, dass möglichst niemand durchs Raster fällt.

Die Erweiterung des Angebots geht mit einer Stärkung des Personals einher. Von fünf Vollzeitstellen wuchs das Team auf 13 bewilligte Stellen an, die von insgesamt 20 Personen ausgefüllt werden, darunter Mitarbeitende aus den Bereichen Sozialarbeit, Pflege und Pädagogik, sowie drei Psycholog*innen. Die Rechtsberatung wird von Jurist*innen angeboten, die von außen dazukommen – bis zur Pressekonferenz hatten sich nach einem Aufruf bereits 67 Freiwillige gemeldet.

Mit dem Jubiläum startet das Ministerium zudem eine Kampagne zu geschlechtsspezifischer Gewalt. Der Slogan: „Mach einen Schritt. Den nächsten machen wir zusammen.“ Backes betonte, dass genau dieser erste Schritt für Betroffene oft der schwerste sei – die Kampagne soll dabei helfen, ihn zu wagen.

 

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