Glosse: Der Frauenkampftag wäre nicht dasselbe ohne …

von | 10.03.2020

… Männer, die sich ungerecht behandelt fühlen, weil sie einmal nicht im Mittelpunkt der Diskussion stehen.

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„Ich habe von diesem Frauenstreik gehört und ich muss sagen, als Mann, der viel Care-Arbeit übernimmt, fühle ich mich diskriminiert.“ Ein vermeintlich harmloser Satz – doch im ersten Moment muss ich einmal tief schlucken. Nach monatelanger Vorbereitungsphase auf den Streik, unzähligen offenen Treffen, Diskussionen, Konferenzen und umfassender Berichterstattung die traurige Feststellung, dass bei manchen Männern nur eine Botschaft angekommen zu sein scheint: Es geht einmal nicht um sie.

Es wäre natürlich leicht, Äußerungen wie diese zu ignorieren und sich unbeirrt auf die eigentliche Sache zu konzentrieren. Immerhin ging es bei der Kampagne zum Frauenstreik unter anderem darum, die sogenannte emotionale Arbeit fairer aufzuteilen. Ist es nicht ironisch, wenn nun eine Frau beleidigten Männern den Frauenstreik erklären muss? Erklärungen hätten sie leicht selbst zusammenbringen können, Informationen zum Streik gab es in Hülle und Fülle in allen Medien sowie auf www.fraestreik.lu. Wer sich mit diesen auseinandersetzt, wird schnell zur Erkenntnis kommen, dass Männer keineswegs vergessen wurden – sie sind sogar ein wesentlicher Bestandteil der Diskussion. Doch warum sich die Mühe machen, wenn es leichter ist sich aufzuregen und Frauen um Erklärungen und Rücksicht zu bitten. Angesichts dessen, hätte es eigentlich Teil des Streiks sein müssen, sich als Frau dieser emotionalen Arbeit entschieden zu verwehren und zu sagen: „Nein, Mann, ich werde dich heute nicht an der Hand nehmen und dir intersektionalen Feminismus so erklären, dass deine Gefühle nicht verletzt werden.“ Das wäre eine vernünftige Haltung.

Mit Vernunft haben kritische Reaktionen auf feministische Forderungen häufig herzlich wenig zu tun. Wer sich seit längerem engagiert weiß, dass es immer Menschen geben wird, die jede noch so breitgetretene Argumentation nicht kennen, nicht verstehen oder nicht hören wollen – und die die feministischen Forderungen als persönlichen Angriff wahrnehmen. Und: Gelegenheiten, um eine Diskussion zu führen, ergeben sich selten auf solch organische Weise. Gerade dann, wenn sich lauthals darüber beschwert wird, dass (alten weißen) Männern Unrecht getan wird, wäre doch eigentlich der perfekte Moment, um seine Argumente auszupacken. „Du fühlst dich also diskriminiert? Hier ein paar Dinge, die du über Diskrimination wissen solltest … Und hier ein paar Gründe, weshalb gerade du nicht davon betroffen bist…“ Stets ist da also dieses Hadern mit sich selbst: Bleibe ich meinen Prinzipien treu oder übernehme ich Denkarbeit, die eigentlich jemand anderes leisten sollte?

Diese Frage stellte sich am Samstag auch bezüglich des Demonstrationszugs. Neben zahlreichen Demo-Blocks war auch ein Block solidarischer Männer vorgesehen. Es war der einzige Block, um dessen Organisation sich allein Männer kümmern sollten und es war auch der einzige Block, der nie zustande kam: Statt, wie aufgefordert, den Schluss der Demo zu bilden, waren cis Männer überall verstreut. Dass dies dem Konzept einer Frauen-Demo grundlegend widerspricht, schien jene Männer nicht weiter zu stören. Dass es an der nötigen Initiative mangelte, um einen Männer-Block in die Wege zu leiten, war den Streik-Organisatorinnen zwar irgendwann bewusst geworden, doch hatten sie nur zwei Möglichkeiten: Sich rauszuhalten oder sich doch um den einzigen Aufgabenbereich zu kümmern, der von Männern hätte übernommen werden sollen. Am Ergebnis zeigt sich, wofür die Organisatorinnen sich letztlich entschieden – und wer keine Verantwortung übernommen hat.

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