Jagdgegner*innen allein auf weiter Flur

Am Freitag steht im Parlament eine Debatte über die Treibjagd an. Die Stellungnahmen der zwei größten Umweltschutzorganisationen Luxemburgs zeigen, dass die Petitionär*innen mit ihrer Meinung ziemlich alleine sind.

Foto: Pixabay

Mit 6.562 Unterschriften hat die Petition Nr. 1156 „Fir e Verbuet vun der Klappjuegd“, die von Dezember 2018 bis Ende Januar 2019 lief, das notwendige Quorum erreicht, um im Plenum der Chamber diskutiert zu werden. Laut dem Autor der Petition sei die Treibjagd nicht mehr zeitgemäß und stünde im Gegensatz zum Tierschutz, da eine Treibjagd sehr viel Stress für die bejagten Tiere bedeute. Neben dem Tierwohl wurde auch mit einer angeblichen Gefahr für Autofahrer*innen argumentiert und auf einen Vorfall Bezug genommen, bei dem Wildschweine auf die Autobahn A7 gelaufen waren.

Mitte Mai rief die umstrittene Organisationen „Give Us a Voice“, deren Präsident Piratepartei-Mitglied Daniel Frères ist, zu einer Demonstration gegen die Treibjagd vor dem Parlament auf. Auch der Initiator der Petition, Mike Clemens, war dort – mit Schild und Weste von „Give Us a Voice“. Auf Facebook berichtet er von einem Gespräch mit einem alkoholisierten Jäger, das er dabei geführt haben will: „Der Mann war ein Paradebeispiel eines alkoholisierten Jägers“. Ein Posting, das exemplarisch den recht polemischen Diskussionsstil so mancher Jagdgegner*innen illustriert.

Da die Debatte in der Chamber am kommenden Freitag, dem 5. Juli, stattfindet, haben die zwei größten Naturschutzorganisationen des Landes, natur & ëmwelt sowie der Mouvement écologique, Stellungnahmen zur Jagd im Allgemeinen und spezifisch zur Treibjagd abgegeben. Manche werden überrascht sein: Die Naturschützer*innen lehnen die Jagd nicht vollends ab.

natur & ëmwelt gehen in ihrer fünfseitigen Stellungnahme auf viele Argumente von Jagdgegner*innen ein, laut Eigenangabe basiert dies „ausschließlich auf wissenschaftlichen Begründungen und persönliche oder emotionale Argumente wurden außen vor gelassen“. Die Organisation erklärt, dass aus ihrer Sicht eine Jagd auf Rehe, Wildschweine und Rothirsche unumgänglich ist, da es durch den Klimawandel und das gute Nahrungsangebot (insbesondere für Wildschweine durch Maisfelder) kaum noch eine natürliche Selektion gibt. Die Pflanzenfresser bedrohen dadurch, dass sie Samen und Knospen fressen, das Überleben bestimmter Baumarten.

Nachdem strenge Winter ausbleiben und auch keine Prädatoren wie Wölfe den Bestand regulieren, muss also der Mensch ran – doch wie sollte das am besten passieren? Laut natur & ëmwelt führt kein Weg an der Treibjagd vorbei. 80 Prozent der Wildschweine und rund 60 Prozent der Rehe werden in Luxemburg im Rahmen von Treibjagden geschossen – viel mehr als bei der Ansitzjagd also. Die Umwelt-NGO argumentiert, dass die bis zu drei Treibjagden pro Jagdlos im Jahr weniger Stress für Wildtiere verursachen würden als ständige Ansitzjagd. Sie schlägt zudem vor, größere Treibjagden in mehreren Jagdlosen zu veranstalten, um diese effektiver zu gestalten.

In ein ähnliches (Jagd)horn bläst der Mouvement écologique: In einer ebenfalls langen und ausführlichen Stellungnahme betont die NGO, dass die Jagd notwendig ist. Der Méco spricht sich allerdings für mehr Kontrolle und eine Änderung der Jagdpraxis aus. Statt Treibjagden sollen künftig Druckjagden erfolgen, bei denen das Wild nicht von lauten Hunden vor sich hergetrieben wird, sondern langsamer und mit weniger Stress vor die Flinte gebracht wird. Auch der Méco fordert, dass dies auf großen Flächen und revierübergreifend vonstatten geht. So wäre die Druckjagd laut der Organisation „eine zivilisiertere Form der Jagd“.

Begrifflich scheint die Unterscheidung zwischen Treib- und Druckjagd schwierig zu sein, aber die Fachsprache der Jäger*innen ist für Uneingeweihte ohnehin oft unverständlich. So finden Treibjagden eher im offnen Gelände auf Hasen und anderen Niederwild statt, während Druckjagden sich im Wald abspielen und auf Schalenwild (Rehe, Hirsche, Wildschweine) gehen – beide Formen gehören zu den Bewegungsjagden. Der Méco macht in seinem Positionspapier jedoch klar, was er meint – und denkt, damit den gleichen Standpunkt wie die Petitionär*innen zu vertreten. Das darf jedoch bezweifelt werden – aus dem Umfeld von „Give Us a Voice“ sind eher Stimmen zu hören, die Bewegungsjagden komplett verbieten wollen. Die Organisation sammelt aktuell Unterschriften für eine weitere Petition, die fordert, Jagden am Wochenende und an Feiertagen sowie Treibjagden zu verbieten.

Die Diskussion am Freitag dürfte also hitzig werden. Umso mehr, weil am 4. und 5. Juli eine großangelegte Jagd in der Pufferzone zwischen Luxemburg und Belgien stattfindet. Dabei sollen sämtliche Wildschweine geschossen werden, um die Gefahr der Ausbreitung der afrikanischen Schweinepest zu verringern. Es beteiligen sich luxemburgische und belgische Jäger*innen, die Forst- und Naturverwaltung leistet logistische Hilfe und sogar die Armee soll im Vorfeld Aufklärung betreiben.


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