Kompensationen statt Index? Ja, aber …

von | 21.04.2022

Stehen die in der Tripartite beschlossenen Maßnahmen für soziale Gerechtigkeit oder, wie der OGBL kritisiert, für Sozialabbau? Wer den von der Regierung vorgelegten Statec-Berechnungen nicht traut, kann einen Blick auf die am Mittwoch vorgestellte Studie der Fondation Idea werfen. Sie steht zwar dem Patronat nahe, hebt sich aber seit Jahren durch ihren kritischen Geist vom neoliberalen wirtschaftswissenschaftlichen Mainstream ab. Anhand von fünf Modellhaushalten zeigt die „Décryptage no 23“, wie die einfache Anwendung des Index zu einer Überkompensation der Preissteigerung für Besserverdienende geführt hätte. Durch die Maßnahmen – laut Idea nur zum Teil zielführend – ergibt sich ein sozial ausgeglicheneres Bild: Die Energiemehrkosten der gering verdienenden Haushalte werden jetzt unter dem Strich mehr als ausgeglichen. Hat die Regierung also ein besseres Modell als den Index erfunden? Nein, denn die Idea-Berechnung basiert darauf, dass sozial Schwache durchschnittlich einen höheren Einkommensanteil für Energieprodukte ausgeben. Gäbe es morgen eine Preisexplosion bei „Luxusprodukten“ wie Bionahrung, dann wären die Besserverdienenden durch den Index benachteiligt. Auch sind die „Double income no kids“-Haushalte der Studie nur bedingt repräsentativ: Solche mit Kindern und Auto, aber nur einem Einkommen, schneiden viel schlechter ab. Und nicht zuletzt basieren die Berechnungen, wie auch Idea unterstreicht, auf einer Stabilisierung der Energiepreise. Geht die Preisexplosion weiter, so frisst der Kaufkraftverlust die Kompensationen binnen Monaten auf und eine neue Tripartiterunde wird fällig.

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