LGBTIQ-Geschichte: Hinter der Regenbogenfahne

Sie ist das Symbol der queeren Gemeinschaft: die Regenbogenfahne. Die Online-Ausstellung „Performance, Protest and Politics: The Art of Gilbert Baker“ erzählt ihre Entstehungsgeschichte.

LGBTIQ-Aktivist*innen trugen 2003 Gilbert Bakers längste Regenbogenflagge der Welt durch die Straßen von Key West. (CC BY Gareth Watkins 3.0)

Der Star der Ausstellung „Performance, Protest and Politics: The Art of Gilbert Baker“ ist ein Stück Stoff. Es ist bunt und alt. Die Kurator*innen Joanna Black und Jeremy Prince haben Gilbert Bakers kultiger Regenbogenfahne eine Online-Ausstellung gewidmet. Sie erzählen die Geschichte einer Flagge, die zum Emblem der LGBTIQ-Bewegung wurde. Gleichzeitig beleuchten sie Bakers Engagement für queere Menschen und ihre Rechte.

Ende der 1970er-Jahre, mitten in San Francisco: Gilbert Baker hatte gerade seinen Militärdienst geleistet und begann sich für Menschenrechte und gegen den Vietnamkrieg einzusetzen. Ob er damals offen homosexuell lebte, verrät die Ausstellung nicht. Tatsache ist aber, dass Baker genug von stigmatisierenden Kennzeichnungen queerer Menschen hatte. Der Rosa Winkel aus NS-Zeiten musste einem positiven Zeichen weichen. Warum der Regenbogen? Weil Baker ihn als Sinnbild der Hoffnung verstand. Die erste Version, die seine Freundin Lynn Segerblom nähte, war ein Hybrid aus der amerikanischen Nationalfahne und der heute noch bekannten Regenbogenflagge. Sie wurde im Jahr 1978 anlässlich der Gay Freedom Day Parade in San Francisco zum ersten Mal gehisst. Ein historischer Moment, den die Ausstellung mit einem Foto dokumentiert. Später brachte Baker sich das Nähen bei und fertigte die ersten Regenbogenfahnen in Handarbeit an.

Die Ausstellung sorgt für Gänsehaut, wenn sie auf Bakers Rekord aus dem Jahr 1994 verweist: Zum 25. Jahrestag der Unruhen vor dem Stonewall Inn nähte Baker zusammen mit Freiwilligen die längste Regenbogenfahne der Welt. Sie war 1,6 Kilometer lang und wurde von den Demonstrant*innen durch New Yorks Straßen getragen. Baker toppte seinen eigenen Rekord 2003 zum 25. Jubiläum der Regenbogenflagge. Für die Pride in Key West fertigte er eine 2,4 Meter lange Regenbogenfahne an.

Gilbert Baker machte die Regenbogenfahne zum Emblem queerer Bewegungen.

Der Künstler verstand die Flagge als Verbindungsglied der Generationen. In einem Interview, das in einer Kurzdoku am Ende der Online-Ausstellung gezeigt wird, spricht er von dem einen Moment, den alle queeren Menschen teilen: „We all have a moment in our life where we come out to ourselves.“ Die Regenbogenfahne sollte Ausdruck dieser Verbundenheit sein. Umso berührender ist es, dass sie bis heute und über Bakers Tod im Jahr 2017 hinaus zu jeder Pride dazugehört, auf T-Shirts prangt und zum Pride-Monat Juni als Zeichen der Solidarität auf manchen öffentlichen Gebäuden aufleuchtet.

Neben der Geschichte der Regenbogenflagge erwähnen die Kurator*innen weitere Kunstprojekte Bakers. Er trat unter anderem 1990 als pinke Jesus-Figur auf. Die Kurator*innen zitieren seine Beweggründe für die Protestaktion bei der damaligen Pride in San Francisco: „I was protesting Senator Jesse Helms, the North Carolina homophobe trying to kill the National Endowment for the Arts because of its support of gay art. I was also fed up with the [San Francisco International Lesbian and Gay] Freedom Day organizers, who controlled every aspect of the event. They had grown more conservative, asking drag and leather marchers to cool it.“ Zu Donald Trumps Wahlsieg bildete Baker KZ-Uniformen nach, die er mit Regenbogen-Aufdruck versah und an einen Garderobenständer hängte. „No one should wear them, only look at them“, erklärte er das Kunstwerk in einem Interview mit Castro Courier. „They’re empty, perfect, ready and waiting, just like this horror show of a presidency is waiting to do God knows what.”

Die Online-Ausstellung gibt optisch und vom Konzept wenig her: Es gibt kaum interaktive Elemente und die Doku ist ein laienhafter Zusammenschnitt vereinzelter Videoaufnahmen und Fotos von Baker. Außerdem ist es schade, dass die Kurator*innen andere queere Symbolflaggen, wie etwa die Bisexuellen- oder die Transgender-Flagge nicht mal erwähnen. Trotz einiger Schwachstellen ist die Ausstellung dennoch wichtig und hinterlässt Spuren. Sie bildet ein Stück queerer Geschichte, die unbedingt aufgearbeitet und für ein breites Publikum sichtbar und zugänglich gemacht werden muss. Über Schönheitsfehler und inhaltliche Lücken lässt sich in dem Fall hinwegsehen.

„Performance, Protest and Politics: 
The Art of Gilbert Baker“, 
online auf der Website 
www.glbthistory.org/gilbert-baker-exhibition

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